Ein paar Schritte weiter

Posted June 20th, 2009 by AlexW
Categories: Uncategorized

Finanzierung-Meeting am Freitag ist soweit gut gelaufen - auch das Treffen mit dem Headhunter (ein ausgesprochen netter Kerl). Dann haben wir einen Anwalt bestellt, der uns beim Hauskauf vertritt. Dienstag sagt die Bank entweder “ja” oder “nein” zur Finanzierung. Dienstag Nachmittag werden wir dann - hoffentlich - die Vertraege unterschreiben.

Beim Headhunter soll ich mich am Montag melden, wenn ich mich mit den Gas-Maerkten befasst habe. Das nehme ich morgen in Angriff, die Recherche.

Am Dienstag bin ich in Muenchen, da mich eine Anwaltskanzlei zu ihrer Konferenz eingeladen hat (und einfliegen laesst…). Samstag bin ich wieder zurueck, hoffentlich hatte ich dann mal Zeit fuer die Pinakothek in Muenchen.

Im Moment frisst das Haus und die Finanzierungsstrategie alle Kreativitaet. Wenigstens werde ich mir aber den Roman eines Freundes vornehmen, der damit an eine Literaturagentur geht. Die paar Seiten sollten zu schaffen sein.

Mein Leben laeuft im Moment richtig rund, alles gut, alles wird, alles so, wie’s soll. Ich habe so gar nichts zu jammern oder zu beklagen. Habe heute Riesen-Fortschritte damit gemacht, die Wohnung zu entruempeln, vor allem Papier - alte Ausdrucke, alte Rechnungen, alter Kram, einige Buecher. Zeugs, das ich nicht mit ins neue Haus mitnehmen moechte.

Mein Haus. Es ist irre - ich verbringe im Moment jeden wachen Augenblick damit, das Haus einzurichten, Sachen hinzustellen, zu ueberlegen, was wir brauchen. Ich habe grosse Plaene fuer’s Badezimmer, fuer die Kueche, den Garten, und den Dachstuhl.

Vor dem Haus will ich Rosenranken pflanzen, schoene, volle, duftende englische Wildrosen. Im Garten in der Naehe der Kuechentuer werde ich einen Teil des Rasens raustrennen und da ein Kraeuterbeet anlegen - Minze, Salbei, Thymian, Rosmarin und Lavender (vielleicht sogar Chillis), weil ich den Geruch so mag. An der Seite stelle ich dann meine Bonsai auf. Meine Mini-Baeume hier auf dem Schreibtisch werden sich ueber natuerliches Sonnenlicht freuen.

Das Badezimmer ist im Moment der am wenigsten schoene Raum, alles eher langweilig und gewoehnlich. Mir schwebt vor, die Abtrennung zwischen Klo und Rest des Bads rauzureiossen, alles mit Steinfliesen auszulegen, den Heisswasserboiler gegen eine Mischbatterie zu ersetzen (damit koennen wir dann noch einen abgeteilten Bereich wieder in den Gesamt-Raum integrieren), und dann neue Badewanne und eine schoene grosse Dusche, wie mein Onkel die in seinem Haus hat - da drin duscht man wie im tropischen Regen. Genau so eine will ich!

Die Kueche ist im Moment voellig in Ordnung, aber nicht 100% das, was ich will, optisch zumindest. Da wuerde ich eine neue einbauen lassen, wenn wir mal zuviel Geld haben.

Der Dachboden ist zugaenglich, daraus koennte man auch noch mehr machen.

Schlussendlich: wir haben einen funktionierenden Kamin im Wohnzimmer, da muss nur der (sehr helle) Teppich raus, damit wir offenes Feuer haben koennen. Irgendwie braucht das nen Stahl-/Eisengrill, um nicht das Haus abzufackeln. Aber ob’s in UK jemals im Winter so kalt wird?

Plaene, Plaene, Plaene. Aus dem “Dining Room” mache ich die “Library” - umgeben von Buecherregalen kann man ja auch essen. Auf mein Arbeitszimmer freue ich mich besonders. Ein heller, klarer Raum mit Blick auf den Garten. Hoffentlich nie wieder Auto-Alarmanlagen mitten in der Nacht, oder laute Musik unserer hirngeschaedigten Nachbarin, deren drogenabhaengige Ex-Verehrer uns nachts um 2 bald die Tuer eintreten.

My home is my fucking castle.

Gaeste aus der Heimat willkommen.

Fast Hausbesitzer

Posted June 17th, 2009 by AlexW
Categories: Deutschland, England, Job, Leben

Die letzten beiden Wochen waren extrem stressig. Ich habe etliche Haeuser besichtigt, mich aber in Nummer 5 verliebt. Ein viktorianisches Reihenhaus - Holzboeden, alles weiss gestrichen, sauber, gross (fuer englische Verhaeltnisse), in Super-Zustand, unheimlich schoene, freundliche Atmosphaere. Ich habe es sofort geliebt. Freitag habe ich’s mir angeschaut, Samstag nochmal mit Schatzi, Montag haben wir geboten, Dienstag Angebot nachgebessert, heute kam das “Ja” der Verkaeuferin.

Jetzt stellen wir die Finanzierung auf die Beine, dann damit zum Anwalt, und wenn alles glatt geht, wohne ich in 3 Monaten im eigenen Reihenhaus. Klar, verschuldet, aber das macht man ja auch nur einmal im Leben. Bei dem Gedanken an die Schulden wird mir ganz anders, aber der Zeitpunkt ist guenstig, wir haben die Anzahlung beisammen, und eine Architekten-Freundin sagte, ich soll ein Haus als Altersversorgung betrachten, in der ich leben und arbeiten kann.

Und, ganz sentimental, ich /liebe/ das Haus. Ich habe es sofort geliebt und habe seit Freitag gezittert und gebibbert, ob die Verkaeuferin uns weit genug entgegen kommt, um den Deal festzuzurren. Sie hat’s getan. Fast “meins”.

Um mein Glueck perfekt zu machen (manchmal passiert alles wirklich an einem Tag), wurde ich von einem Headhunter angerufen fuer einen Job, der deutlich, DEUTLICH mehr zahlt als ich jetzt auf dem Gehaltszettel habe; das Profil fuer den Job passt 100% auf mich. Ich treffe ihn morgen um Mittag zum Kaffee.

Wenn das klappt, habe ich gar keine Probleme  mehr - am oberen Ende des “Gehalts-Spektrums” dieses Jobs verdiene ich dann dasselbe wie Schatzi. Und dann stemmen wir dieses Haus mit links (oder, in meinem Fall, mit rechts).

Ausserdem habe ich in den letzten 2-3 Wochen zwei Kurzgeschichten geschrieben, die jetzt beide bei Verlagen liegen. Ich bin ungeheuer kreativ, Schreiben macht im Moment einfach nur Spass, nicht diese Quaelerei wie 2008. Nein, das fluppt, das passt, und das ist im allgemeinen auch richtig brauchbares Zeug.

Meine Wunschwoche sieht so aus: 1) Hypotheken-Finanzierung steht, 2) Der Headhunter beschafft mir den Job 3) meine Stories werden beide genommen.

Und im Moment stehen die Chancen fuer alles drei ausgesprochen gut. Sieht so aus, als renke sich mein Leben langsam ein und veraendert sich fortwaehrend zum Besseren. Bisher ist jedes Jahr, dass ich in UK verbracht habe, besser als das davor. Bis auf 2008, das moechte ich gern abschreiben bzw umtauschen, das war quasi vollstaendig fuer die Hose.

Und das ist es auch schon. Mein Leben laeuft gut. Das Schreiben laeuft genauso gut, und Job macht mir wieder Hoffnung. Im Moment ist “Finanzjournalist” ein Job, der nur mit Anti-Depressiva zu ertragen ist. Vielleicht schreibe ich eine Analyse dazu, wie der Hausmarkt die aktuelle Wirtschaftslage abbildet hier in UK, und wie meine Suche nach “dem” Haus davon betroffen war. Ich kann’s aber auch lassen, denn im Moment bin ich emotional durch die Zitterpartie ein bisschen durch den Wind. Aber es ist ein schoenes Gefuehl. Yay. Haus!

Auf den Regen warten

Posted May 25th, 2009 by AlexW
Categories: Herumweinen, Job, Schreiben

Ich warte gerade darauf, dass zu regnen anfaengt (im Moment zieht es sich gerade zu und ist sehr drueckend), dann trabe ich ins Gym, um ein bisschen Eisen zu fressen.

Mein Leben konzentriert sich im Moment darauf, ein Haus zu kaufen und endlich den historischen Templer-Roman auf den Weg zu bringen. Beide Projekte scheinen im Moment ungefaehr gleich viel Arbeit und Aufwand zu sein. :) Kapitel eins faengt schon mal gut an. Was das Haus angeht, so stehen noch einige Hypotheken-Gespraeche mit diversen Fraktionen an; mit dem Hauskauf werde ich sicher die naechsten drei Monate Spass haben.

We die meisten anderen glaube ich nicht an eine schnelle Erholung der Wirtschaft; beruflich ist die Stimmung nach wie vor gedrueckt. Die Kreditschleusen sind auf, das Geld fliesst (teilweise) wieder, aber das loest noch nicht die Probleme. Der Patient kann wieder atmen, das ist alles. Sechs oder acht oder zehn Prozent Schrumpfung tun weh und werden noch eine ganze Weile weh tun. Anyway. Ist auch voellig uninteressant, solange wir beide noch einen Job haben.

Dann hab ich gerade Sabaton entdeckt, eine schwedische Power-Metal Band. Warum sind die Skandinavier im Moment die absolut besten im Bereich Metal? Mit denen werde ich richtig gut Kampfszenen schreiben koennen - das eine Album laedt gerade - von legaler Quelle.

Ich sollte jetzt Recherche machen fuer den Templer-Roman, aber dazu habe ich so richtig keine Lust. Vielleicht schreibe ich einfach die zweite Szene und verlasse mich auf das, was ich ueber mittelalterliche Jagd noch weiss. Mir faellt’s schwer, mich einfach hinzusetzen und zu recherchieren, wenn ich den Tag frei habe. Ich denke immer, das ist ja kein Schreiben, also Zeitverschwendung. Ich koennte auch im Zug nach/von London Recherche machen. So bloed wird man im Kopf, wenn man staendig Ablaeufe zu optimieren versucht und sich staendig mehr arbeit aufhalst, als man eigentlich leisten kann.

Vielleicht lese ich auch einfach das Buch einer Schreibfreundin. Und mittlerweile kann man die Schwuele mit dem Messer schneiden. ACK. Will Regen!

Cicilia aus dem Sudan hat mir 0,78USD zurueckgezahlt

Posted May 16th, 2009 by AlexW
Categories: Interessantes, Leben

Vor drei Wochen habe ich Cicilia Krado, die im Sudan Kleidung verkauft, 25 Dollar geliehen, damit sie mehr Klamotten kaufen kann und mit einem groesseren Angebot auch mehr Geld verdient. Ich habe mich zu dem Zweck mit anderen Kredit-Gebern zusammengetan, die die Gesamtsumme von 300 Dollar aufgebracht haben, die an Cicilia ueberwiesen wurden. Urspruenglich sollte Cicilia nur etwas mehr als 5 Dollar zurueckzahlen, aber die Geschaefte gehen gut, und so hat sie im ersten Monat direkt fast das doppelte gezahlt - auf ihre Kreditgeber aufgeteilt, macht das, genau, knapp einen Dollar.

Mein halbes Leben lang habe ich mich gefragt, wie man auf der Welt irgendwie einen positiven Effekt haben kann. Traditionell habe ich zu meinem Geburtstag an das Rote Kreuz gespendet, oder Leute angehalten, statt Geschenken an das Rote Kreuz zu spenden. Ich kenne einen Rot-Kreuzer, ich weiss, was mit dem Geld passiert. Aber es ist trotzdem eine riesige “black box” - man steckt Geld rein und hofft, dass was Gutes dabei rumkommt, aber man hat keine persoenliche Beziehung zu dem Geld oder denen, die es erreicht.

Seit ich als Finanz-Journalist arbeite, habe ich viele tolle Erfolgsstories gehoert: ein paar Leute mit einer Idee tun sich zusammen, bauen ein Business auf, und bekommen dafuer Geld von Risikokapitalgebern (Venture Capitalists). Nach einigen Jahren macht das Business Gewinn, der Risikokapitalgeber verkauft seinen Anteil, viele Leute sind reich. Ebay ist so entstanden. Amazon. Skype. Banken leihen nicht an solche Unternehmen - es ist, in der Tat, “Risiko-Kapital”.

Wenn Banken in der entwickelten Welt schon kein Geld leihen, dann sieht’s in der Dritten Welt noch viel schlimmer aus. Manchmal reichen ein paar hundert Dollar, um ein Geschaeft aufzubauen. Aber so kleine Kredite rechnen sich fuer die Banken nicht. Die Grameen-Bank hat mit ihren “Micro-Krediten” den Anfang gemacht - Muhammad Yunus hat dafuer den Nobelpreis bekommen. Die Idee: Die Luecke schliessen und den Armen ermoeglichen, ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, als Unternehmer. Teilweise sind das Klein- und Kleinstunternehmer, teilweise geht es um Investititionen in Saatgut, Schlachtvieh, oder um das eigene Angebot zu erweitern, um mehr Kunden anzuziehen.

Diese Mini-Unternehmen, wenn sie dann laufen, koennen Dinge tun, die in der Entwicklungshilfe nur viel teurer zu machen sind: Arbeitsplaetze und Infrastruktur schaffen - aber vor allem bleibt der Stolz der Menschen gewahrt. Diese Leute wollen naemlich keine Bettler sein. Sie wollen respektiert werden, und die Beziehung zwischen einem Kreditgeber und einen Kreditnehmer ist eine Geschaeftsbeziehung. Ich schenke dir nicht ausser das Vertrauen, dass du mir mein Geld zurueckziehst, und du fuehlst dich nicht wie ein Bettler (letzteres ist mir extrem wichtig, war ich doch selbst in der Situation, dass ich von den “milden Gaben” anderer abhaengig war, und das ist extrem bitter, das will ich niemandem antun).

Kiva bringt Leute wie mich mit Unternehmern wie Cicilia zusammen. Kiva.org ist ein Portal, auf dem Unternehmer wie Cicilia vorgestellt werden. Ich kann entscheiden, wen von den hunderten Unternehmern ich Geld leihen will - nach Geschlecht, nach Verwendungszweck/Sektor, nach Kontinent, nach Laufzeit des Kredits, oder nach einem Begriff, den ich selbst eingebe (zum Beispiel: “Afghanistan”).

Und - es macht suechtig, Gutes zu tun, weil ich weiss, wofuer Rajabmurod aus Tajikistan “mein” Geld ausgibt. Und ich habe ein ganz weiches Herz fuer Afghanistan - drei von meinen zehn Krediten gehen an das Land. Damit der eine Saatgut kaufen kann (um damit keinen Mohn anzubauen), der andere sein Haus reparieren kann, und andere Dienstleistungen anbieten koennen. Ich leihe an viele Maenner, weil Frauen erfahrungsgemaess leichter an Geld kommen, aber eigentlich gehe ich nach Photo und nach Land. Ich mag Asien - Ukraine, Tajikistan, Afganistan, und habe auch ein paar Investments in anderen Laendern: Peru (fuer einen Buchladen - wie geil ist das, einen Buchladen zu unterstuetzen?), Cicilia im Sudan, und dann eine Gruppe Frauen in Viet Nam, die eine Schlachterei haben (die waren mir einfach sympathisch, ausserdem habe ich gerade eine kurze Story geschrieben, die im Vietnam-Krieg spielt).

Ich verfolge fortlaufend, wie’s “meinen” Unternehmern geht, und druecke ihnen ganz kraeftig die Daumen, dass das alles klappt - dass kein Unglueck sie aus der Spur wirft, dass sie ihre Ziele erreichen. Nicht, weil ich mein Geld wiederhaben will; das wuerde ich ohnehin re-investieren in die naechsten, die das Geld brauchen. Verdienen tue ich da nichts - das Geld “verschwindet” nur nicht in einer “Black Box”, sondern taucht nach einigen Monaten wieder auf und kann weiter Gutes tun. Nein, das Hauptmotiv ist wirklich, dass ich mich freue, im Leben von Cicilia und den neun anderen einen kleinen, aber extrem wichtigen Unterschied gemacht zu haben.

Und das macht einfach Spass und motiviert ungemein.

Der Testleser, das geliebte Wesen

Posted May 15th, 2009 by AlexW
Categories: Lektorieren, Schreiben

Vor einigen Wochen hatte ich noch einen ganzen Stapel Buecher testzulesen. Dann verdinge ich mich bezahlt oder unbezahlt, als Testleser/Probepublikum oder, englisch, als Beta. Der Testleser ist eine geniale Erfindung, ohne die vermutlich mehr Autoren Selbstmord begangen haetten (und unsere Selbstmordstatistik ist sicher nicht huebsch anzusehen - muesste man mal recherchieren).

Ein guter Testleser kann viele Eigenschaften haben:

Literaturstudium: Ein Literaturstudium befaehigt, das, was der Testleser liest, in einen Kontext einzuordnen. Litwissis haben auch Ahnung von der Theorie und spueren Probleme in der Perspektive/Struktur auf. Nachteil: Man hoert auch schonmal, dass man nicht so gut ist wie Ondaatje.

Vielleser: Ich liebe sie, die Buecherverschlinger, die mehr fuer Buecher ausgeben als fuer Miete und meist starke Schultern haben vom Besuch der Stadtbibliothek. Vieleser haben oft wenigstens genauso viel Plan wie Litwissis.

Wachsein: Nichts geht ueber einen gewissenhaften, “wachen” Leser, der wirklich jedes Wort liest (wieviele Leute ueberfliegen heute nur noch? Na gut, die Wanderhure kann man nur ueberflogen ertragen…) Die kann man fragen, wie sie Plottwist X fanden und die wissen auch sofort, das einzuordnen.

Jemand, der das Genre kennt/mag/gern liest: So ein Leser kann mir sagen, was schon tausendmal da war, was mittlerweile total abgedroschen ist, was ist neu, was ist gut, wo muss ich nochmal dran. Sehr gern genommen.

Jemand, der das Genre nicht kennt/mag/gern liest: Fast noch besser. Wenn ich einen Nicht-Fantasy-Leser dazu kriege, mein Fantasy-Buch zu lieben, habe ich auf jeder nur erdenklichen Front gewonnen. Ausserdem hat dieser Leser nicht die Genre-Brille auf, und sieht das Buch voellig unverstellt.

Jemand, der seine Grammatik/Orthographie draufhat: Oh, Glueckseeligkeit. Ich schreibe zwar ziemlich sauber “herunter”, aber jemand, der meine mittlerweile sehr angelsaechsische Kommasetzung wird immer unersetzbarer.

Jemand, der Geschmack hat: Ganz ehrlich, jemand, der die Wanderhure toll fand, wird mit meinen Buecher nichts anfangen koenen. Hoffe ich.

Jemand, der sich auf Risiken einlaesst und bereit ist, ein Buch nach dem zu beurteilen, was es sein soll, nicht nach dem, was er lesen will: Erst vor ein paar Monaten habe ich ein Feedback bekommen, das mich vor Lachen fast vom Stuhl gehauen hat. Mir wurde gesagt, ich sei ein schlechter Autor/Mensch, weil eine Story, die ich geschrieben habe und die frei im Internet herumsteht NICHT SO AUSGEGANGEN IST, WIE DIE LESERIN DAS WOLLTE. (Ihr skizziertes Ende waere ungefaehr so realistisch gewesen wie ein Michael Bay Film). Uhm. Sorry, aber solange du mir keinen siebenstelligen Betraeg ueberweist UND mir Telepathie beibringst, schreibe ich meine Buecher, nicht deine, Schaetzchen.

Idealerweise kommen mehrere dieser Eigenschaften zusammen - aber schon eine reicht. Nichts zeigt einem die eigene Betriebsblindheit so gut wie 2-3 Testleser, die moeglichst viele Bereiche abdecken.

Wann kommt der Testleser ist Spiel?

Das kommt stark darauf an, was ich will. Geht’s darum, nur schnell irgendwie ein Feedback abzugreifen (”Guck mal, das schreibe ich gerade, toll, oder?”) schicke ich auch schonmal Rohtext - frisch aus der Tastatur direkt in die Inbox. Unausgesprochener Deal: nur lesen, nur eine grobe Richtung im Feedback, Korrektur ist nicht noetig.

Will ich mehr - also, dass sich mein Testleser intensiv mit dem Text auseinandersetzt, dann war ich an dem Text schonmal dran. Dann ist der Rohtext bereits “sauber”, dann habe ich Tippfehler und aehnliche Probleme bereits weitgehend aufgespuert. Wenn jemand bereit ist, so viel Arbeit in meinen Text zu investieren, dann verstehe ich es als meine Pflicht, meinem Testleser das Leben so weit wie moeglich zu erleichtern. Der Text sollte so sauber sein, wie ich ihn eben ohne Hilfe von aussen machen kann. Testleser sind nicht dafuer da, aus meinem Rohtext einen ersten Entwurf zu machen, so, wie ein Kunstkritiker ein Bild nicht an den Skizzen beurteilen kann.

Es ist kein Wunder, dass meine Testleser immer unter “Dank an” stehen. Ohne sie waere dieser Job noch um vieles haerter, und das wenigste, was ich tun kann, ist, sie pfleglich zu behandeln.

(Addendum: Danke an meine Testleser!)

#Amazonfail - Amazon zensiert schwul-lesbische Inhalte

Posted April 12th, 2009 by AlexW
Categories: Lesbian/Gay/Bisexual/Trans

Ich wollte eigentlich schon lange wieder gebloggt haben, aber ich war mit meinem Buch beschaeftigt. Ein Buch uebrigens, dass ihr - aller Voraussicht nach - zwar bei Amazon kaufen, aber nicht *suchen* koennt, da Amazon beschlossen hat, zu entscheiden, was wir lesen und was wir kaufen koennen.

Wie bitte?

Genau. Amazon hat seine Suchmaschine so umgestellt, dass Buecher mit schwul-lesbischen Inhalten nicht mehr gesucht werden koennen. Sie erscheinen auch nicht mehr im Verkaufrang. Im Klartext bedeutet dass, das Buecher mit schwul-lesbischen Inhalten massiv benachteiligt werden - man kann diese Buecher nur noch per Direktlink kaufen und nicht mehr “erstoebern”.

Wenn ihr also “Alex Wichert” oder “Alexander Wichert” in der Suchmaske eingebt, wuerden nur meine alten Buecher erscheinen - aber keine meiner Werke, die Amazon fuer “schwul” haelt. Genau das ist einer Autorenfreundin passiert. Vor einigen Wochen habe ich ihr Buch “Standish” (sie schreibt als “Erastes”) bei Amazon gekauft und normal ueber die Suchmaske gefunden. Das koennte ich heute nicht mehr - ich braeuchte den Direktlink zu ihrem Buch, und wer hat den schon parat?

Dasselbe gilt fuer Autoren, die im Selbstverlag veroeffentlicht haben, und die fast ihre gesamte (magere) Gewinnmarge abdruecken, um *ueberhaupt* bei Amazon gelistet zu werden. SO wichtig ist Amazon mittlerweile bei Autoren, dass diese einen grossen, wenn nicht den groessten Teil ihres Honorars abdruecken, um *ueberhaupt* gelistet und findbar zu sein.

Nun sind sie nicht mehr findbar.

Das ist so, als wenn euer Buchladen um die Ecke alle schwul-lesbischen Inhalte unter der Theke versteckt, und ihr muesstet ganz explizit nach dem Buch fragen und noch das Codewort kennen. Von dieser homophoben Diskriminierung sind historische Romane und Jugendbuecher betroffen - waehrend gleichzeitig pornographisches heterosexuelles Material nicht gleichermassen diskriminiert/zensiert wird. Amaqzon behauptet, diese Diskriminierung bezoege sich auf alles “explizite Material”.

Nun. Wenn man die Theorie testet, dann findet man das hier. Dildos und Gummipuppen. Die armen Kinderchen. Oder was ist mit Tiersex? Yup, Amazon verkauft auch Hardcore Pornos mit Tieren.

Selbst in den Vereinigten Staaten werden Schwule und Lesben langsam wie Menschen behandelt, aber Amazons Diskriminierung ist perfider. Amazon versucht, uns unsichtbar zu machen. Amazon nimmt schwul-lesbischen Autoren die Kundschaft und die Stimme. Einige meiner Freunde leben vom Schreiben oder vom Buchverkaufen - seit Amazon diese Aenderung eingefuehrt hat, sind die Verkaeufe im Keller. Wer keine Buecher verkauft, kann keine Miete zahlen, ganz einfach.

Mehr Informationen, mitsamt Links und Amazons Antwort (”Im Interesse unserer Kunden…”) gibt’s hier

Ich persoenlich boykottiere Amazon jetzt und gehe wieder in den normalen Buchladen, selbst wenn ich dann auf meine Buecher warten muss. Ich kann eine Firma nicht guten Gewissens unterstuetzen, die mich, meine Freunde und meine Familie diskriminiert und sich offenbar fuer uns schaemt.

EDIT: Amazon behauptet, es handle sich dabei um einen technischen Fehler (”glitch”) - bisher gibt es noch keine Erklaerung (oder Entschuldigung), warum manche schwul-lesbischen Autoren SEIT MONATEN aus den Listen/Rankings entfernt sind - und von Amazon gesagt bekamen, es handle sich um die “adult policy”.

Fauler Sonntag

Posted March 8th, 2009 by AlexW
Categories: Herumweinen, Schreiben

Gestern habe ich Watchmen gesehen, aber egal, was ich ueber den Film denken kann/will, der hat in meinem Kopf wenig Platz gefunden. Ich tauge nicht als Kino-Gaenger oder Leser, wenn ich meinem eigenen Kopf die Charaktere randalieren. Von daher - sehr nahe am Comic, wo sie Aenderungen gemacht haben, hat das der Story eher gut getan. Rorschach ist sehr gut getroffen, das Casting war toll, und da hat jemand einen Comic mit Liebe umgesetzt. Ich habe jetzt wieder Lust auf den Comic.

In den letzten Wochen habe ich einen Nervenkrieg mit einer ehemaligen Freundin ausgetragen; warum degeneriert fast jedes Co-Projekt in Hass und Nervenkrieg? Tiefpunkt dessen: oeffentlich von jemandem geoutet zu werden, die mir ihre ewige Freundschaft und “unwavering support” versprochen hat, als ich mich ihr gegenueber quasi als erstes geoutet habe. Soweit dann dazu - das sind Dinge, die man weder vergisst noch vergibt. Sehr nett, das. Wochenlang schlecht geschlafen, wochenlang vor Wut und Hass gezittert, trotzdem ein Buch geschrieben und drei weitere in Planung; mittlerweile habe ich sogar den Hass ueberwunden und investiere meine emotionale Energie lieber in Menschen, die’s wert sind.

“Return on Investment” ist gut geworden, denke ich. Im Moment kuehlt das Manuskript ab. Der Nachfolger “Question of Intent” ist in Kapitel 5. Und Band drei, der das Ganze vervollstaendigt, ist schon als grober Schatten praesent und wird “Conflict of Interest” heissen. Damit bin ich wohl bis wenigstens Sommer/Herbst beschaeftigt.

Ich habe ausserdem ein Science-Fiction-Projekt auf der Pfanne, mit dem Titel “What Price Peace”. Das ist die juengste Inkarnation eines Projektes, das frueher einmal “G.I.” hiess.

Und schlussendlich gibt’s da “Stone Dance”, was … was ganz anderes, ganz eigenes ist. Ein “literarisches” Projekt, das, so hoffe ich, kurz, knackig und schoen wird. Darueber kann ich ueberhaupt nichts erzaehlen, nur, dass es wieder um Afghanistan geht. Irgendwann laesst mich das Land los, ganz sicher, aber dieser Tag ist nicht heute.

Dann natuerlich der historische Roman, und ein Projekt fuer jemand anderen. Und dann steht der Rollenspiel-Bereich auch wieder an. Ich brauche mehr Stunden pro Tag, um das alles zu schaffen. Zu oft starre ich auf diesen Riesen-Berg Arbeit und verzweifle.

Return on Investment - Done

Posted February 7th, 2009 by AlexW
Categories: Uncategorized

Seit 2. Februar is “Return on Investment” fertig. Ich musste danach erstmal schlafen und meinen Rhythmus wiederfinden, aber ich habe jetzt ein fertiges Buch und bin schon in der Ueberarbeitung.

Jetzt muss ich noch zwei Projekte wegarbeiten (plus jemandes Abschluss-Arbeits-Kapitel, also drei Projekte) und dann kann ich mich an das naechste Buch machen. Der historische Roman kommt als naechstes, denke ich.

Tanz mir die Supernova

Posted January 26th, 2009 by AlexW
Categories: Deutschland, England, Leben, Schreiben

Viel los, viel los, extrem wenig Zeit. Ich schreibe, ich schreibe wie bescheuert, wie rasend, wie total uebergeschnappt, und habe nebenbei den Umzug dieser Webseite zu einem neuen Host (3ix) ueber die Buehne gebracht (wobei mein Ex-Host den eigentlichen Umzug uebernommen hat, aber das musste alles organisiert, bezahlt, erledigt werden, und das ist nicht ganz einfach, wenn das Hirn vor Ueberarbeitung bald platzen will).

Arbeitstechnisch ist ne Menge los, London steht Kopf, ich schreibe, um mich herum tuermt sich die Arbeit. Ich schreibe. Ich habe ein rasend schlechtes Gewissen, weil im Moment alles liegenbleibt. Aber ich schreibe. Ich schreibe, ich schreibe, ich schreibe. In meinem Kopf ist kein Platz fuer irgendwas anderes, ich  kriege kaum mein Tagwerk geschafft, der Haushalt liegt in Truemmern, ich vergesse zu essen, ich hab auch keinen Hunger, kaum Durst, ich schreibe, als ginge morgen die Welt unter.

Ich bin total drauf, ich reite das Adrenalin, ich bin uebergluecklich, ich sitze kichernd und mit Traenen in den Augen vorm Bildschirm, so stark ist der Flow, so geil ist das Schreiben, so befreit bin ich von all dem, Dreck, der Scheisse, der Depression, den endlosen Nackenstechereien, dem Kleinkrieg, denn ich schreibe. Ich fliege wie ein Adler, reite den Wind, ich schreibe, und bin vollkommen gluecklich und eins mit mir selbst.

Ich schreibe wie besessen, ich haue am Tag dreitausend bis fuenftausend, auch schon mal sechstausend Woerter “first draft” raus, ich muss, ich muss einfach, denn dafuer bin ich hier, dafuer bin ich gemacht, das kann ich, das muss ich, das will ich, und wenn die Welt um mich zusammenstuerzt, heute schreibe ich meine zweieinhalbtausend Woerter. Ich muss. Ich bin Medium und Puppe, ich bin Meister des Universums, ich schreibe, hinter mir weht der Staub kilometerhoch in die Luft, so schnell bin ich, so stark bin ich, habe alles ausser Kontrolle. Ich bin eine Supernova im Herzen meiner Galaxie.

Ich schreibe.

Vollkommenes Glueck.

Alex als Lektor

Posted December 30th, 2008 by AlexW
Categories: Lektorieren

Aufgrund einer kuerzlichen Frage - was mache ich eigentlich, wenn ich “lektoriere”? Ich bin ja in dem Sinne kein professioneller Lektor, vielleicht ist der Begriff irrefuehrend. Die Taetigkeit ist doch so komplex (und nimmt soviel von meinen Tagesablauf ein), dass sich ein Blogeintrag lohnt.

Ich lese - mit dem Stift in der Hand und dem skeptischen Geist angeknipst. Was mir nicht klar ist, was ich an Tippfehlern/krummen Bildern/seltsamen Ausdruecken sehe, streiche ich an und mache Verbesserungsvorschlaege. Im allgemeinen verwende ich dazu in WORD “Aenderungen Verfolgen” und die Kommentarfunktion.

Je nach Ausgereiftheit des Manuskriptes kann das ganz unterschiedliche Formen annehmen. Wenn mir ein mehrfach veroeffentlichter Kollege wie AW sein fertiges Manuskript zuschickt, dann weiss ich, da stimmt alles. Dann schaue ich als Historiker rueber, ob ich, sagen wir, Anachronismen entdecke, oder ich mache nur noch Line-Editing, also Tippfehler/krumme Ausdruecke jagen.

Es kommt auch darauf an, wie weit das Lektorat gehen soll - wenn mir ein Kollege sagt, ich greife zu tief in seinen Stil ein, dann nehme ich mich zurueck. Ich versuche bei allem, den ureigenen Stil des Kollegen zu respektieren und nicht jeden Satz umzuschreiben. Sich da rauszunehmen ist manchmal fuer einen Egomanen wie mich eine besondere Herausforderung, aber im groben und ganzen, denke ich, geht das ganz gut.

Einmal sollte ich fuer eine Kollegin (HW) das Manuskript auf Soll-Laenge kuerzen, Verlagsvorgabe.  Das waren 15%. Da sie keine Szene zuviel geschrieben hatte, und das Buch genau so passte, habe ich mir die Fisselarbeit gemacht, und Satz fuer Satz gekuerzt, hier eine Wiederholung, da einen unnoetigen Wechsel in einem Dialog, dort Fuellwoerter wie “vielleicht”, “ein bisschen”, oder “etwas”. Da hatte ich ein Excel-Sheet im anderen Fenster offen und die Kapitel mit Zeichenanzahl eingetragen: Haben. Soll. Prozent (gekuerzt). Prozent (zu kuerzen). Am Ende kam ich auf genau 15% - und die Kollegin (die mittlerweile den Wald vor Baeumen nicht mehr sah) zufrieden. Auch da habe ich natuerlich Tippfehler gejagt, aber das wesentliche Moment war, es auf Soll-Laenge abzuschleifen.

Ich lese einigermassen viel fuer Autorenkollegen. Also fuer Freunde oder naehere Bekannte, deren Manuskripte bereits einen bestimmten Standard haben. Die Gegenleistung ist, im allgemeinen, ein fertiges Buch, reine Unterhaltung und eventuell denselben Dienst an meinen Manuskripten - das Prinzip “Meine Hand waescht deine”.

Ich hatte die Ehre und das Vergnuegen, ein Dutzend oder mehr Buecher zu lesen, die erst Monate oder Jahre spaeter erschienen sind - manche sind gut genug, um veroeffentlicht zu werden, und wurden wegen irgendwelchem Unsinn noch nicht eingekauft. Ich kenne halb-fertige Projekte veroeffentlichter Autoren, und habe auch die Freude daran, etwas Geburtshelfer zu spielen. Ich mache einfach gern Buecher.

Es gibt reichlich Leute, die mir ihr Manuskript - oder ihre Doktorarbeit, oder ihre Seminararbeit - “andrehen”, das “mal eben” zu lesen. Frueher habe ich das auch gemacht, meist fuer null - Freundschaftsleistung in manchen Faellen, pure Gutmuetigkeit in anderen. Ich habe das zurueckgeschraubt. Ich verlange nicht viel, aber irgendeine Form von Gegenleistung muss ich haben, denn die Zeit, die ich mit einem fremden Manuskript verbringe, verbringe ich nicht mit einem eigenen. Ich habe Lektorate von Manuskripten auch schon zu Hochzeiten oder Geburtstagen verschenkt. Wenn man daran denkt, dass ich zwischen 10-100+ Stunden pro Manuskript einsetzen muss, und wenn man einen eigenermassen qualifizierten Stundenlohn zugrunde legt (von dem ich selbstverstaendlich Steuern in UK zahle), schon kein schlechtes Geschenk, abgesehen vom Aufwand und der Tatsache, dass es ein “persoenliches” Geschenk ist.

Dann bin ich in einer Textwerkstatt als Coach taetig - faste in reines Hobby, denn reich wird man mit sowas nicht. Dort betreue ich Manuskripte in jedem Zustand; und lasse mich nach dem dortigen Standartsatz bezahlen. Der Stundenlohn steht in keinem Verhaeltnis, aber das macht nichts, denn ich kann mir die Projekte aussuchen und arbeite nur mit denen, die “etwas haben” - das Projekt muss mich reizen, auf einer gewissen Ebene anmachen, und das sind ziemlich wenige. So habe ich schon mehreren Buechern von Nicht-Freunden auf die Welt geholfen, denn Manuskripte muessen heutzutage fast perfekt sein, dass Verlage einen Debuetanten einkaufen. Ich habe mal einen 1,600 Seiten Roman auf 550 Seiten gekuerzt - das war ein bisschen so, wie einen - eleganten - Zahnstocher aus einem Baum zu schnitzen und war viel Schweiss, Blut und Traenen, sowohl fuer den Autor als auch fuer mich.

Solche Lektorate sind Coaching und Lektorat in einem.

Manchmal fragt mich jemand lieb (”Duuuu, Alex …”) und so wachsen mir dann weitere Manuskripte zu. Im letzten Fal handelt es sich um ca 220 Seiten eines Romans, den ich in Wales auf dem Laptop gelesen habe - da der Roman noch im Entstehen ist, habe ich damit nicht mehr gemacht als ihn zu lesen. Ich greife nur auf ausdruecklichen Wunsch in ein “Work in Progress” ein, denn das letzte, was ich will, ist einen Autor zu entmutigen, bevor das Buch fertig ist, und so womoeglich eine Blockade zu erzeugen. Eine Feedback-Email braucht eine Weile, aber ich muss mich da bald dran machen.

Und dann lese und lektoriere ich noch massig anderes Zeug. Hier mal ein Fachartikel, dort ein anderer “Gebrauchtext” - das sind meist nur eine Stunde oder vielleicht zwei, und mache ich je nach Laune, Bezahlung und verfuegbarer Zeit.

Mehr oder weniger fliessend ist hier der Uebergang zum Coaching. Ich habe eine Reihe “junger” Autoren, um die ich mich ein bisschen kuemmere, und denen versuche ich den ein- oder anderen HInweis zu geben, was das Schreiben angeht, und das funktioniert am allerbesten ueber direktes Feedback zu idealerweile fertigen Texten. Das kann extrem aufwendig werden (wenn man bei Bienen und Blumen anfangen muss), aber in gewisser Weise sehe ich das auch als Pflicht eines Autoren an, den Nachwuchs zu foerdern. Mir haben damals auch Autoren, die weiter waren als ich, einige Pointer gegeben, ohne die ich nie soweit gekommen waere, und das ist meine Art, es zurueckzuzahlen.

Ich kann das nur nicht die ganze Zeit machen oder ich komme selbst nicht mehr zum Schreiben, und es macht auch mehr Sinn, wenn der Jung-Autor bereits das wesentliche Handwerk drauf hat. So kommt es vor, dass ein hoffnungsvoller Padawan vor der Tuer steht, mit “Alex, hilf mir”, und nach einer Inspektion stellt sich heraus, der junge Autor hat keine Ahnung, was eine Perspektive ist. Dann gebe ich ihm eine Liste mit Buechern und den freundlichen Hinweis, er moege wiederkommen, wenn er das gelesen und verstanden hat. Meist tauchen sie dann nach einigen Monaten oder zwei Jahren wieder auf und sind auf dem Stand, das wir mehr miteinander anfangen koennen, und meine Hinweise wirklich Hinweise sind und keine 24/7-Betreuung.

Aber auch hier muss man zueinander passen, und der Jung-Autor muss es bitter ernst meinen mit der Veroeffentlichung, denn es gibt soviele “koennte/moechte/wuerde-Autoren”, die einem einfach die Zeit stehlen und einfach nicht die Disziplin haben, um sich hinzusetzen und real an einem Buch zu arbeiten. Ich kann die Disziplin nicht ersetzen. Ich kann niemanden bei der Hand nehmen, und durch ihr eigenes Buch fuehren, denn dann ist es mein Buch.

Und am Ende muss man was aehnliches wollen. Ich habe zwar viele unterschiedliche Autoren betreut, aber es gibt Manuskripte, die mir einfach gegen den Strich gehen, wie zum Beispiel, wenn der Hauptcharakter eine Heulsuse ist, oder sich der Autor ueber Minderheiten lustig macht (Knick-Haendchen-Schwule stossen mir sauer auf), und wenn ein Autor seine Minderwertigkeitskomplexe sehr unsubtil und unleserlich verarbeitet, dann fehlt’s einfach an der gemeinsamen Basis. Ich habe goetterseidank die Wahl, was ich lesen will, und ich mache von dem Recht Gebrauch, denn wenn ich mich durch einen Text quaelen muss, kommt dabei fuer beide Seiten nichts Konstruktives raus.

“Lektorat” ist also alle Textarbeit, “praktische” Autorenausbildung, Feedback, und Line-Editing/Beta-/Test-Lesen. Teils bezahlt, teils nicht bezahlt, immer zielgerichtet (Ziel: fertiges Buch/kommerzielle/professionelle Verwertung), aber nie ganz umsonst.