Yay, Herbst
Frühherbst ist meine Lieblings-Jahreszeit. Ich mag Uebergänge (und keine Ahnung, wie der ASCI-Code für das grosse ‘ü’ ist), wenn es plötzlich, eines Morgens, nach Herbst riecht. Nun gut, der Tag war letzte Woche irgendwann, aber dann hat Hurricane George im Golf von Biscaya uns das Wetter durcheinandergebracht. Plötzlich 26 Grad in Zentral-London, und am nächsten Tag Sintflut.
Draussen vorm Fenster wirkt das Licht gealtert, wie’s nur im Herbst aussieht. Zeit, Pullis zu kaufen. Mein zweiter Herbst im englischen ‘Exil’, ganz sicher nicht der letzte. Solange die Beziehung hält, wenigstens. Ich kann mir nicht vorstellen, mich in einen anderen Engländer zu verlieben. EngländerINNEN scheiden ganz aus. Die sehen alle gleich aus, und bisher habe ich noch keine/n getroffen, wo ich dachte “Och, jo.”
Das Problem ist wirklich die Mentalität. Die Menschen, die ich hier “face to face” am sympathischsten fand, waren Deutsche im Exil, ein Waliser, die Familie meines Partners, und ein paar Italiener und Spanier. Vielleicht komme ich einfach nicht mit Distanziertheit klar. Alle Engländer, die ich befragt habe (”Sag mal, seid ihr so, oder könnt ihr auch anders?”) meinten, ich solle “Londoners” nicht mit “Engländern” gleichsetzen.
Stimmt. In der Firma arbeitet ein sehr netter, offener Typ, und der kommt, wie Schatzi, aus dem Norden. Chris, Schatzis Bekannter, mit dem ich am besten klarkomme, kommt aus Newcastle.
Sollten hier alle Brücken abbrennen, gehe ich entweder nach Deutschland zurück, oder weiter in den Norden (falls man da Arbeit bekommt - deshalb sind die “Northeners” ja auch jetzt “Londoners”, wegen der Arbeit), oder ich warte, bis es im Ruhrgebiet wieder Jobs gibt. Oder hole mit hier Qualifikationen und Erfahrung, mit denen ich sogar im Ruhrgebiet Arbeit bekomme.
Bis dahin mache ich hier das beste draus. Aber “Heimat” ist das hier nicht. Und wird es auch nie. Dafür lebt hier der falsche Menschenschlag. Manchmal sehne ich mich nach der unkomplizierten, entwaffnenden, ruppigen Herzlichkeit des Ruhrgebiets.
Und jetzt noch was zur Jahreszeit; für alle, die dachten, die Kürbis-Köpfe wären nett.
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