Alex liest Korrektur

So kommt man zu mehr Arbeit. Gestern habe ich eingewilligt, mir mal die Doktorarbeit eines Freundes anzusehen. Es geht um Kosmologie, und der Freund ist Physiker. Ich habe alles mögliche korrekturgelesen - ich werde gelegentlich sogar dafür bezahlt - darunter die Doktorarbeit eines Zahnarztes, der sich mit Kieferchirurgie beschäftigte, aber nicht tippen konnte. Dabei habe ich ne Menge über den menschlichen Kiefer gelernt. Götter wissen, wann man das mal gebrauchen kann.

Die Arbeit ist auf Englisch, und das Englisch, obwohl verdammt gut, klingt oft noch “zu deutsch”, vor allem im Satzbau. Ich wette, dass keiner der Gutachter das geringste Stilgefühl hat - mein Professor damals hat guten Stil jedoch mitbewertet: Er sagte, das der Stil darüber entscheidet, wo die Arbeit hingeht, wenn sie zwischen zwei Noten steht. Historiker müssen schreiben können.

Der Kollege kann gut schreiben. Wir haben einiges an Online-Rollenspiel miteinander gemacht; aber ich kann dem ganzen noch einen kleinen Schliff verpassen. Und da schlägt dann mein Perfektionismus durch.

Während ich also gestern so über dem Text zur Hintergrundstrahlung sass (und dabei mein Wissen über den Weltraum, sowie meine LateX-Kenntnisse auffrischte), tauchte meine Ko-Autorin im Chat auf, und fragte mich, ob ich ihr Buch publikationsfähig machen würde. Sie hat schon zwei Deadlines vorbeizischen lassen, und kann den Text nicht mehr sehen. Ich mag den Text, sehr sogar, darüber bin ich damals auf sie aufmerksam geworden. Natürlich sagt man da ja; denn lesen wollte ich den Text ohnehin nochmal - es ist ein wirklich schönes Epos über zwei britische Soldaten, die sich ineinander verlieben … nein, es ist eigentlich viel schwieriger und komplizierter … eine ziemlich abgefuckte und sehr romantische Geschichte, die zwischen zwei Buchdeckel gehört. Und mehr Erfahrung im Editing kann mir nur gut tun, lebenslauftechnisch.

Was mein eigenes Editing angeht: Die nächste Korrekturphase von Fatimas Tränen läuft. Ich wollte nochmal in meinen Reiseführer schauen und einige Landesfakten checken, Fakten abklopfen. Es wird auch wieder gestrichen und einige Szenen muss ich ausbauen. Flechette kommt zu kurz, und Reynard sollte was zum Kämpfen kriegen. Die beiden lassen sich zu sehr die Show stehlen.

Jetzt muss ich nur eine Petition einreichen, den Tag auf 36 Stunden zu verlängern. Ich habe nämlich auch noch ca 100 Seiten vom Deutschen ins Englische zu übersetzen.

Ansonsten habe ich - Schande über mich - das “Pop”-Album von Paris Hilton gehört. Besonders “Turn it Up” ist witzig; eigentlich ein ganz flotter “Pop”-Song (ja, sorry, der Witz muss sein, bei Paris denke ich immer an billige Pornos) mit R’n'B-Elementen (was ich gelegentlich sehr mag), der stark so klingt, als hätten den dieselben Leute geschrieben, die Britney Spears die Knaller geschrieben haben. Und arrangiert. Sie klingt sogar wie Britney, nur ohne das Talent. Rauchig, atemlos, Text ist “sexy” (naja… *gähn*, sagte ich schon “billiger Porno”?) und voller “saftiger “Anspielungen”" (hier braucht es wirklich doppelte Anführungszeichen, sorry).

Der Refrain hat mich fast vom Stuhl gehauen vor Lachen. Ich schwöre, Paris Hilton bellt. Ganz ernsthaft. Keine Luft in der Lunge, und ohne elektronische Hilfsmassnahmen auch keine Stimme. Das klingt wie Kläffen. Womit wir wieder beim billigen Porno wären. Wenigstens kann man Paris jetzt als “bitch” bezeichnen, und der Begriff bekommt noch eine weitere Bedeutungsdimension. Hier ist der Song auf YouTube; das Bellen hört man zum ersten Mal ab ca 1:30 Minuten. Nichts trinken, wenn ihr hingeht.

Aber - flott gemacht. Zwei oder drei gute Songs hat das Album durchaus, man würde sich nur wünschen, sie hätten jemanden mit Stimme genommen.

Mein Votum: Gute Musik, wenn ihr mal das Badezimmer/die Küche scheuern müsst und zwischendurch lachen wollt.

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2 Comments on “Alex liest Korrektur”

  1. Marquesate Says:

    es ist ein wirklich schönes Epos über zwei britische Soldaten, die sich ineinander verlieben … nein, es ist eigentlich viel schwieriger und komplizierter … eine ziemlich abgefuckte und sehr romantische Geschichte, die zwischen zwei Buchdeckel gehört.

    Awwwww naja, das verlieben ist auch nicht gerade so einfach. der eine tut’s ganz klar und mit Pauken und Trompetem und der andere? Tscha, der verliebt sich nie, aber der liebt eines Tages.

    Abgefuckt, das ist schon wahr. Wusste gar nicht dass Du’s romantisch fandest, soll ich jetzt erroeten, grinsen oder kotzen? ;-p

    Wenn Du nicht Ja gesagt haettest haette ich nicht gewusst was ich machen solte, denn, wie gesagt, ich habe as ganze Dingen total umgeschrieben auf Papier und das kann ja wohl nicht Sinn und Zweck gewesen sein!

  2. AlexW Says:

    Awwwww naja, das verlieben ist auch nicht gerade so einfach. der eine tut’s ganz klar und mit Pauken und Trompetem und der andere? Tscha, der verliebt sich nie, aber der liebt eines Tages.

    Stimmt. *hachseufzt*

    Abgefuckt, das ist schon wahr. Wusste gar nicht dass Du’s romantisch fandest, soll ich jetzt erroeten, grinsen oder kotzen? ;-p

    Ich wuerde davon abraten, alles zu kombinieren… :)

    Wenn Du nicht Ja gesagt haettest haette ich nicht gewusst was ich machen solte, denn, wie gesagt, ich habe as ganze Dingen total umgeschrieben auf Papier und das kann ja wohl nicht Sinn und Zweck gewesen sein!

    Nee, isses auch nicht. Ich mach’s auch, keine Sorge. Ich freu mich auch darauf, das Teil nochmal zu lesen, und meine Arbeitsweise kennst du ja jetzt.

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