Freuden des Schriftstellerlebens, Teil 132

Die 132 ist völlig zufällig. Aber ich weine immer ein bisschen herum, und immer wieder, und ich hab bestimmt schon 131 Mal herumgeweint.

Ich war heute bei einer Lesung von Neil Gaiman (nein, der hat mit der Weinerei nichts zu tun, der Mann ist ein begnadeter Entertainer), wo er aus Fragile Things vorlas und Fragen beantwortete. Den sollte man erlebt haben, bevor der Mann vor Stress einfach umfällt. Nuffn said - seinem Blog nach frage ich mich, wann er atmet.

Im Zug (nach Streit mit meinem Partner - keine Sorge, das ist morgen wieder vorbei, aber im Moment frisst es noch) habe ich dann so darüber nachgedacht, wie ich mir das Schriftstellerleben früher so vorgestellt hatte.

Ehrlich gesagt, gar nicht. In meinem Kopf besteht das aus Schreiben, und dass dabei Bücher entstehen, wird mir erst wieder bewusst (nach dem letzten Lektorat), wenn’s plötzlich bei Amazon steht oder mir jemand eine Email schreibt. Mein Kopf ist zu voll mit dem gerade aktuellen Buch, oder dem nächsten. Ich würde das auch tun, wenn’s keiner haben wollte. Manche gehen Sport treiben.

Was ich mir aber immer irgendwie vorstellte, ich weiss nicht genau warum, aber ich vermute, weil ich die Biographien anderer Autoren gelesen habe, in denen das so beschrieben ist … was immer irgendwo eine Rolle gespielt hat, war so ein komisches Bild von mir, wie ich ein Kapitel/einen Text aus dem Drucker/der Schreibmaschine reisse (sozusagen, vergessen wir mal moderne Drucker) und damit zum Partner/der Partnerin renne und das gerade Geschaffene vorlese. Freudestrahlend. Adrenalin. Die ganze Packung. Und bekomme ein Lächeln, vielleicht ein Lob, und ein Versprechen, wenn ich brav weiterarbeite, kriege ich in einer Stunde oder so einen Kaffee.

Der vorletzte Partner zog immer so die Augenbraue hoch, als hätte er sagen wollen “Ja und?” nun gut, der war auch viel intelligenter, gebildeter und abgeklärter als ich, und dieser … teilt es einfach nicht. Er versteht es nicht, es ist nicht seine Sprache, es ist nicht seine Art Text, und er liest keine Romane mehr. Schon gar nicht Shadowrun, oder DSA, aber auch ganz sicher nicht meine Familiensaga, und bei historischen Romanen mache ich mir keine Hoffnungen mehr.

Den Kaffee bekomme ich (wenn ich’s deutlich genug ANDEUTE!!!!), und meine Ruhe und meinen Frieden, egal was ich schreibe, und sei’s noch so abstrus. Kein Teilen. Früher hatte ich das, da habe ich dann meine Freunde angerufen und es ihnen vorgelesen, oder ausgedruckt und in die Schule mitgebracht. Das volle Programm. Leuchtende Augen, Teilen, Kommunikation.

Früher habe ich mir nur gewünscht, einen Partner zu haben, der mein Schreiben ernst nimmt. Einen der, wenn wir eingeladen sind, und ich plötzlich eine Szene im Kopf habe, die raus muss, und umgekehre und zu meinem Rechner hetze, einer, der dann die Einladung wahrnimmt und den Leuten sagt: “Nein, ist am Schreiben, und das ist gut so.”

Was ich habe, ist jemand, der sich das so oft aus reiner Höflichkeit (Engländer!) angehört hat, dass es bei mir mittlerweile reine Höflichkeit ist, überhaupt was zu sagen. Und ich bin kein höflicher Mensch. Höflichkeit gehört nicht zu meiner Natur, oder meinem erworbenen Verhalten, sorry. Das Maximum was ich schaffe, ist Rücksicht, und das nur mit Willensanstrengung.

Man kommt zu dem Punkt, an dem man lernt, die Schnauze zu halten, weil man jemanden, den man liebt, nicht nerven will.

Und wenn dann nicht nachgefragt wird, was man denn da so tut und macht, dann bleibt man eben stumm.

So liegt dann der frische Ausdruck im Drucker, und ich hole mir den Kaffee selbst.

Geht auch.

Explore posts in the same categories: Herumweinen, Leben, Schreiben

8 Comments on “Freuden des Schriftstellerlebens, Teil 132”

  1. Goswin Says:

    Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Meine Frau interessiert sich auch nicht für Rollenspiel, die Bücher die ich lese oder jene, die ich versuche zu schreiben.

    Aber das ist ok, dafür hat man doch einen Freundeskreis, dem man das in die Hand drücken (bzw. mailen) oder sich einfach darüber unterhalten kann . Deren Reaktionen bringen einen vielleicht weiter, als die “nette” aber uninteressierte Reaktion des Partners.

    Ihr habt doch andere Gemeinsamkeiten, reduzier es nicht aufs Schreiben.

    Think positive.

  2. Marquesate Says:

    Naja, ich haette mir nicht mal in meinen wildesten Traeumen vorgestellt dass mein Partner mit leuchtenden Augen sich fuer das interessiert, was ich schrebe. Kann ich ja auch irgendie verstehen, wenn ich mir so anschaue was ich denn da schreibe.

    Wie auch immer, habe jetzt einen, der die stete Quelle an Fakten & Information ist und sich gerne anhoert (weiss nicht ob so sehr gerne, aber wo soll er denn im Auto hinfliehen. *snerk*) was ich mir denn so plotmaessig ausgedacht habe und seinen Senf dazu abgibt ob er meint das sei realistisch, da er’s ja schliesslich wissen muss - und tut.

    Aber das lesen zu wollen was ich schreibe? Koennt’ ich mir nicht vorstellen, will er auch nicht so. Aber Toleranz und akzeptanz, das geht dann schon, und das ist schoen.

    Also, Kaeffchen gibt’s, mehr als reine Schottische Hoeflichkeit, und klever Senf.

    Ich glaub’ diejenigen, die Partner haben die mit leuchtenden Augen an den Lippen/Tastatur haengen, die sind wohl superduenn gesaet …

    Aber Du kannst’s ja mir erzaehlen, meine Aeuglein leuchten schon. ;-)

  3. Heike Says:

    Moin Alex,

    was hältst du davon, wenn du dann einfach mal durchklingelst “Ich habe einen frischen Ausdruck!” und ihn entweder direkt vorliest oder schnell rüberschickst? :)
    Wenn der Partner kein Interesse hat/ den Text nicht mag, müssen halt die Freunde einspringen :) Ich kenne das.

    Liebe Grüße
    Heike

  4. AlexW Says:

    Heya Goswin,

    Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Meine Frau interessiert sich auch nicht für Rollenspiel, die Bücher die ich lese oder jene, die ich versuche zu schreiben.

    Nervig ist sowas. Vor allem isses ja nicht “einfach nur so ein Hobby”, sondern wirklich Teil des Lebens. Das waere so, als wenn einer das Kind des anderen nicht mag, oder hasst, was der andere kocht, oder …

    Aber das ist ok, dafür hat man doch einen Freundeskreis, dem man das in die Hand drücken (bzw. mailen) oder sich einfach darüber unterhalten kann . Deren Reaktionen bringen einen vielleicht weiter, als die “nette� aber uninteressierte Reaktion des Partners.

    Wissen die Goetter. :)

    Ihr habt doch andere Gemeinsamkeiten, reduzier es nicht aufs Schreiben.

    There’s this little thing called love …

  5. AlexW Says:

    Naja, ich haette mir nicht mal in meinen wildesten Traeumen vorgestellt dass mein Partner mit leuchtenden Augen sich fuer das interessiert, was ich schrebe. Kann ich ja auch irgendie verstehen, wenn ich mir so anschaue was ich denn da schreibe.

    Naja… okay. Frueher hab ich ihn zu Plot und so gefragt, aber nach dem letzten “Klingt wie voelliger Schwachsinn” lasse ich das auch lieber. Gegen negative Kritik vom Partner kann man sich naemlich nicht so richtig wappnen…

    Wie auch immer, habe jetzt einen, der die stete Quelle an Fakten & Information ist und sich gerne anhoert (weiss nicht ob so sehr gerne, aber wo soll er denn im Auto hinfliehen. *snerk*) was ich mir denn so plotmaessig ausgedacht habe und seinen Senf dazu abgibt ob er meint das sei realistisch, da er’s ja schliesslich wissen muss - und tut.

    Ja, vielleicht kommt Schatzi da auch mal hin. … Glaub ich aber nicht. Nee, nicht wirklich. Dafuer isses jetzt schon zu lange. Naja, ich kann mit seinen besten Freunden-Rollenspielrunden nicht viel anfangen (Untertreibung des Jahres, bitte, Hauptgewinn).

    Also, Kaeffchen gibt’s, mehr als reine Schottische Hoeflichkeit, und klever Senf.

    Ich mach meinen Kaffee lieber selbst. 90% der Kaffees in diesem Haus mache ich; aber er trinkt immer einen mit… *grummel*

    Ich glaub’ diejenigen, die Partner haben die mit leuchtenden Augen an den Lippen/Tastatur haengen, die sind wohl superduenn gesaet …

    Naja, wenn ich einen Fanboy faende, muss ich sagen, wenn er dann noch groesser waere als ich und man koerperlich zusammenpasst, waere das ein echtes Argument… *hust*

    Aber Du kannst’s ja mir erzaehlen, meine Aeuglein leuchten schon. ;-)

    Nicht die DSA oder Shadowrun-Sachen… :)

  6. AlexW Says:

    Heya Heike!

    was hältst du davon, wenn du dann einfach mal durchklingelst “Ich habe einen frischen Ausdruck!� und ihn entweder direkt vorliest oder schnell rüberschickst? :)

    Dafuer muss unser Telefon wieder fuinktionieren. Oder installiet SKYPE, dann les ich’s dir auch vor. Und was lesen angeht - ich will mal wieder was von dir lesen… :)

    Wenn der Partner kein Interesse hat/ den Text nicht mag, müssen halt die Freunde einspringen :) Ich kenne das.

    Stimmt! Schreiber die mit Nichtschreibern/nichtfans verpartnert sind, muessen zusammenhalten!

  7. Mao-B Says:

    as the saying goes:

    no pain, no gain… :roll:

  8. Kanzler von Moosbach Says:

    Da bin ich wieder mal froh das meine Freundin mein größtes Hobby mit mir teilt und irgendwie fühl ich mich auch wohl das sie zu meinem anderen Hobby eine gewisse Distanz hat, das hilft einem auch weiter.

    Aber will man wirklich einen Fanboy/girl oder einen Partner? Klar Unterstützung ist wichtig, gegenseitige Unterstützung aber ich denke man sollte sich selbst klar sein was man möchte und erwartet Fanboy, Distanz, konstruktive Kritik, ne starke Schulter oder ne Mischung aus allem?

    mfg, kvm

    PS Ich muß gestehen ich bin da jetzt irgendwie über den blog drübergestolpert und habe nur einen einzigen Eintrag gelesen, also ist es nicht so das ich mir jetzt eine Meinung aneignen könnte/dürfte.

Comment: