Lohn der Schmerzen
Den Eintrag habe ich gerade schonmal geschrieben, aber dann wurde der Server sehr langsam, und am Ende hat’s den Post gefressen. Naja, egal. Schreibe ich’s eben nochmal.
Ich habe mir vorgenommen, zu meiner alten Form von vor 2 Jahren zurückzukehren. Da hatte ich sehr viel Zeit und die Ambition, der Armee beizutreten (noch ein Plan, um meine Rechnungen bezahlen zu können, aber mich hätte der Propaganda Op-Info-Bereich extrem gereizt. Als Historiker bin ich ein Verarbeiter und Auswerter von Informationen – ich hätte von da aus versucht, zum MAD zu gehen. Ich hätte sogar Arabisch gelernt, aber im wesentlichen wollte ich die Nazis aufspüren und das Handwerk legen. Erm, also Hintergrundchecks machen.
Anyway – für diese Karriere hätte ich fit sein müssen, und das habe ich dann mit Hilfe von McFit auch fast geschafft. Wenigstens hätte ich den Sporttest schaffen können. Ich war also einigermassen fit, und hatte richtige, echte Muskeln (3-5 mal pro Woche 2-4 Stunden Fitness-Studio, von Cardio bis Muskeln).
Dann riss ich mir mit einer unglücklichen Bewegung die Bandscheibe raus. Der Schmerz ist unbegreiflich und mit das Schlimmste, was ich je durchgemacht habe. Und da ich zu dem Zeitpunkt so blank war, dass ich meine Krankenkassen-Beiträge nicht mehr zahlen konnte, und entsprechend nicht mehr krankenversichert war, habe ich monatelang mit den Schmerzen laboriert. Die Erstversorgung machte ein Notdienst (Spritze), danach ein kleines Päckchen Tramal, und als das durch war, habe ich im wesentlichen gehofft, dass es vorbei geht, und dabei immer wieder, über Monate dieses übelkeiterregende Gefühl von Wirbeln, die aufeinanderknirschen.
Ich war durch mit Sport, hab ich quasi gar nicht bewegt, war auch nicht daran zu denken. An den Folgen knacke ich noch heute. Im linken Bein immer noch deutlich weniger Kraft in der Wade (als würde sich ein Teil des Muskels gar nicht spannen), und die äusseren anderthalb Zehen des linken Fusses sind taub. Merke ich mittlerweile kaum noch, war für meine Joggerei aber das Aus. Ich habe nicht genug Kraft in dem einen Bein – mein Laufen sieht immer noch wie schiefes Hoppeln aus.
Fechten mache ich für die allgemeine Fitness/Koordination (und mich reizt, dass es ums Töten geht ein Kampf ist), Tai Chi, um zur Ruhe zu kommen. Seit Dienstag habe ich mich in meinem 5. oder 6. Fitness-Studio meines Lebens angemeldet, um den Rest meines Körpers in den Griff zu kriegen. Heute war mein “Assessment�, also: wieviel Kraft/Ausdauer habe ich. Die Trainerin macht Kickboxen, und motivierte mich, wirklich alles zu geben. Yeu. Gut geschwitzt. Aber sie meinte, ich wäre gar nicht schlecht für einen Anfänger. Verdammter Stolz. Ob ich mich morgen bewegen kann?
In dem Studio wird gewogen, Fett gemessen, Massband angelegt, und alles notiert. So stelle ich mir Weight Watchers vor, nur ohne die Demütigung. Es gibt sogar fortlaufende Ernährungs-Schulungen und Esspläne falls ich das wollen sollte - ich weiss sicherlich genug über Ernährung, um klarzukommen, dito über Trainingstheorie – mehr als die meisten Fitness-Trainer, mit denen ich je zu tun hatte, denn wenn ich etwas recherchiere, dann weiss ich auch was - und das Beste ist, dass in dem Studio auch wirklich Menschen trainieren, die fett sind bei denen der Körper völlig aus dem Ruder ist. Und die trotzdem Spass haben.
Ich denke, da bleib ich.
Gestern war der einzige Tag diese Woche ohne Sport. Morgen wollte ich kurz wieder hin, Muskeln in Beinen und Rücken aufbauen, vielleicht fange ich dann sogar wieder mit der Lauferei an. Die Taubheit und fehlende Kraft kann man bestimmt kompensieren, auf lange Sicht.
Und ganz wichtig ist, dass ich meine Schilddrüse gecheckt bekomme. Familienkrankheit. Vermutlich brauche ich Hormone, damit der Stoffwechsel in Gang kommt. Dinge können so einfach sein. Warum mir nie ein Arzt gesagt hat, dass mein dicker Hals vermutlich mit der Schilddrüse zusammenhängt, ist mir auch nicht klar. Mich hat da erst ein Laie darauf angesprochen, während der Aehnlichkeit meiner Symptome mit denen seines Vaters. Kein Arzt. Trotz normalen Essens fett zu sein, und nie Gewicht zu verlieren, quasi nicht zu schwitzen, generell ständig mit der Trägheit zu kämpfen, kalte Füsse und Hände … wieviele Symptome brauchen die denn, dass die einem mal was sagen, die Aerzte?
Ist ja nun wirklich weder selten, noch unbehandelbar. Und ich hätte mir viel erspart.
Am 16. habe ich einen Arzttermin, dann auf ins Krankenhaus zum Bluttest. Dann zurück zum Arzt, und hoffentlich recht bald Hormone.
Anyway. Irgendwann fühle ich mich wohl in meiner Haut, das habe ich mir vorgenommen.
Trotz Muskelkater.
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October 7th, 2006 at 7:29 pm
Da drück ich dir dann mal die Daumen. Meine Frau hatte dasselbe Problem: Schilddrüsenerkrankung, erkannt erst mit 20. Sobald die Behandlung begann, kam auch die Besserung: Deutlich weniger Müdigkeit, die erste wirklich erfolgreiche Diät, deren Gewichtsverlust auch dauerhaft gehalten wurde und einfach besseres Wohlbefinden.
October 7th, 2006 at 7:39 pm
Ja, ich hab ne Menge Hoffnungen, dass es dann besser wird. Ich esse voellig normal, sehr gesund, und trotzdem lege ich zu. Das ist einfach nicht fair.
Abgesehen von meiner Schlafkrankheit.
Deiner Frau liebe Gruesse, unbekannterweise.