Trailer zu Frank Millers “Three Hundred ” aka “300″

Vor Jahren ist mir Frank Millers Comic “300″ in die Hände gefallen. Ich bin bekennender Sparta-Fan - Krieger-Kulturen haben es mir historisch angetan, da fallen natürlich auch die Templer und andere Kriegerbünde drunter.

Derzeit sieht es aber so aus, als würde Hollywood nicht mehr auf “eigene” Ideen kommen - Comics sind ja quasi nur noch Ideenlieferanten. Und bis auf Spiderman 2 und X-Men The Last Stand habe ich auch fast alle gesehen.

Ich würde mich als “gelegentlichen” Comic-Fan bezeichnen. Ich lese The Punisher (allerdings nur die MAX-Ausgaben, in Sammelbänden), ich hab einiges an Sandman hier, ausserdem Der Skorpion, und mehrere Bände Meta-Barone. In gewisser Weise mag ich “schöne Comics”, oder “Düster-Comics”, aber ich suche nicht gezielt nach neuen Comics, ich verfolge die Szene nicht wirklich, und bisher habe ich noch keinen Manga gefunden, der mich wirklich anspricht. Ich bin wohl zu tief in der westlichen Kultur/Erzähltradition verhaftet, keine Ahnung. Es ist ganz sicher auch Ignoranz.

Jedenfalls: Nun wird auch Frank Millers “300″ verfilmt. Hier der englische Comic. Und der deutsche. Ja, der fällt ganz sicher in die Kategorie “Düster-Comics”.

Ich bin Sparta-Fan, vermutlich, weil ich die Athener nie richtig mochte (Athen hat nur leider unter den Historikern die bessere Presse - typisch), und Sparta und Athen die meiste Zeit ihrer Geschichte miteinander konkurrierten.

Das erste Mal hatte ich mit Sparta zu tun, als ich das Jugendbuch “Leonidas und seine Dreihundert” (oder so ähnlich) aus dem Altpapier fischte - und verschlang. Ich war in der fünften Klasse, die Welt war noch in Ordnung. Mein erstes Referat in Geschichte habe ich über die Schlacht bei den Thermophylen gehalten. Fünfte oder sechste Klasse. Ein Militär-/Kriegshistoriker war geboren.

Die Faszination hat mich nie verlassen.

Heute morgen fand Schatzi dann den Link zum Trailer.

Sieht phantastisch aus, sehr nah am Comic (Ich mochte ja auch Sin City); und trotzdem verspüre ich einen sehr unangenehmen Druck in der Magengegend. Der Trailer verkauft uns die Geschichte so: Eine kleine Schar “Westler” kämpft gegen die Horden der Perser (der Kern des Persischen Reiches - für alle, deren Geschichtsunterricht eine Weile zurückliegt - ist der heutige Irak), für “die Freiheit” und wird bis auf den letzten Mann ausgelöscht.

Die Perser sind alle hässlich, degeneriert, und natürlich sexuell pervers (siehe sich küssende hässliche Frauen im Trailer, oder Piercings, Fetisch-Gear und das Make-Up der Perser). Die Spartaner sind alle knackig, männlich und sehr sehr hetero. Echte Kerle, halt.

Natürlich werden die Perser so auch in den Quellen teilweise dargestellt; als unmännlich, degeneriert, und, heute würde man sagen “tuckig”. Nur sollte man nicht vergessen, dass sie den Griechen damals schon ca 2000 Jahre Kultur und Geschichte voraushatten - und dass wir im wesentlichen die ganze Geschichte aus Sicht der griechischen Geschichtsschreiber kennen. Das wäre ja so, als würde man jeden beliebigen Krieg anhand der Propaganda einer Seite betrachten. Das ist ungefähr zu vergleichen mit der lächerlichen Karrikatur, die Fox News den Amerikanern als Realität vorspiegelt.

Besonders stimmt mich besorgt, dass dieser Film in dieser Form eine Finanzierung gefunden hat. Hollywood zahlt für ein Epos, mitten im Irak-Krieg, in dem eine westliche Kriegerkultur den degenerierten “Persern” zeigt, wo der Hammer hängt, und dabei bis auf den letzten Mann stirbt. Aber, hach, der Ruhm. Süss und ehrenhaft ist es, für das Vaterland zu sterben (dulce et decorum est pro patria mori) - das ist die Botschaft, und der Film sieht morbide und todesverliebt aus, dass mir die Spucke wegbleibt.

Vor 10 Jahren. Oder in 10 Jahren. Jetzt allerdings, ist ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt. Wenn das die Mythen sind, die sich die Amerikaner derzeit selbst erschaffen, wird mir ganz schlecht.

Aber natürlich wird das das typische Publikum nicht mitkriegen. Sie werden weder die Parallele ziehen, noch den echten historischen Hintergrund kennen. Es wird alles nur “cool” aussehen, und die Botschaft wird gefressen: “Sterben für die Freiheit.”

Der “War on Terror” ist ja, laut dem Bush, nichts anderes als “Selbstverteidigung”, und ein “Präventiv-Krieg”, um die Freiheit und die amerikanischen Werte zu verteidigen.

So dient die Mythenfabrik Hollywood dem pseudo-faschistischen Regime, das im Entstehen ist, und wir finden, das sieht “geil” und “cool” aus.

Frank Miller, was haben sie dir angetan?

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4 Comments on “Trailer zu Frank Millers “Three Hundred ” aka “300″”

  1. Jahleesu Says:

    Also ich kenn den Comic nicht, kann dazu also nicht viel sagen…

    Aber so hässlich find ich die sich küssenden Persischen Frauen nicht, eigentlich eher im Gegenteil…
    Und meiner Meinung nach kommen die Spartaner zumindest im Trailer auch nicht sonderlich gut weg, jähzornige Kinderquäler und Kriegsverrückte, ist jetzt auch net so positiv, oder?

    Naja, ich bin gespannt und werd ihn mir glaub ich angucken….

  2. AlexW Says:

    Ich finde, sie werden extrem positiv und die Gegner extrem negativ dargestellt. Nun gut, bei den M\edels hab ich nicht genau hingesehen, mein Typ waren die nicht… :)

  3. Chaosdada Says:

    Also ich finde die Perser rein vom Trailer her auch nicht übermäßig negativ dargestellt - abgesehen von diesem riesigen, monströsen Kerl. Sie haben Piercings? Und wieso soll das negativ sein? Sie tragen Schmuck und individuelle Verzierungen, während die Spartaner, nunja, eben spartanisch sind, minimalistische Fanatiker, deren Obsession der Krieg ist. Natürlich ist das ganze ein wenig darauf getrimmt den Heroismus der Spartaner herauszustellen, was ich aber überhaupt nicht bedenklich finde. Meiner Meinung nach waren sie das nunmal wirklich und es ist insbesondere unbedenklich weil dies in einem Verteidigunskrieg geschah, und soweit ich weiß König Leonidas sich opferte um den Rückzug seiner Männer zu decken.

  4. AlexW Says:

    Ich habe mittlerweile das Artbook zum Film gesehen. Tolles Design, keine Frage, aber mein Eindruck bleibt bestehen. Obwohl Allan Moore in einem Interview sich offenbar selbst negativ zu den Spartanern aeussert - ich muss den Film sehen fuer ein abschliessendes Urteil.

    Was den Verteidigungskrieg angeht, sieht’s in der realen Historie uebrigens anders aus: Die Spartaner haben vor dem Einmarsch der Perser in Griechenland sich in der persischen Interessensphaere eingemischt - was die Perser durchaus als Provokation wahrgenommen haben…

    Leonidas hat, nach Meining wenigstens eines Historikers, seinen Onkel ermordet, um Koenig zu werden. Der Mann ist also eine durchaus ambivalente Gestalt.

    Das Heldentum der Spartaner stelle ich auch nicht in Abrede - hoechstens den Zeitpunkt des Filmes. Das Timing. Das ist *richtig* ungluecklich. Naja, es gibt noch ein Statement, wenn ich ihn dann wirklich real gesehen habe. :)

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