Spiel 06 - wieder zuhause
Heute habe ich frei. Ich wusste ja, dass ich krank werden würde. Nach der Spiel bin ich immer krank, Schatzi hatte gekränkelt, und offenbar hat der Stress mein Immunsystem so runtergeprügelt, dass seine Viren bei mir Chancen hatten.
Gestern sind wir aus Deutschland zurückgekehrt, ich warte gerade auf den Techniker, der unseren Festanschluss reparieren soll (ich glaube das erst, wenn ich’s sehe), Schatzi ist auf der Arbeit, und danach beim Vorstellungsgespräch. Mal schauen, dass ich was Nettes koche.
Jetzt aber zur Messe.
Ich gehe seit 1994 auf die Spiel. Da begann meine Hardcore-Rollenspielzeit so richtig. Davor war etwas DSA, aber fast kein Kontakt zu anderen Geeks und Rollenspielern. Richtig ging es los mit meinem damaligen Spielleiter Holger (der mich auf der Messe freundlich grüsste - was mich etwas überraschte… aber ich erinnere mich nicht mehr, weshalb wir Spannungen hatten … keine Ahnung. Könnte mit meiner Ex zusammenhängen, ich weiss es nicht. Zwölf Jahre ist ne verdammt lange Zeit).
Ich habe bisher erst ein Jahr verpasst - als wir zeitgleich nach Füssen gefahren sind, um im goldenen Oktober die Schlösser des verrückten Ludwig anzusehen, Neuschwanstein und so. Damit verbinden sich andere Erinnerungen an Dummheiten und meine eigene Naivität; eine dumme naive Loyalität, die ich mal gefühlt habe. Und das zu Menschen, die Vampire LARP spielten. Oy, dummer Fehler.
Anyway. Am Mittwoch flogen wir über Gatwick nach Köln/Bonn, dann weiter mit dem Zug nach Essen, einchecken im Holiday Inn, ein nettes 4 Sterne Hotel in Essen Mitte. Das Coolste an dem Laden war, dass einer der Angestellten an der Rezeption glühender Fading Suns Fan war und wusste, dass wir dazugehören. Wir bekamen immer ein super-nettes, breites Lächeln zu sehen, und auf der Messe tauchte er auch auf und erzählte von seiner Kampagne. Hach, ist das schön. Geeks, Geeks überall.
Bisher habe ich nur von der Firma aus so gewohnt, aber in Pfund umgerechnet war das gar nicht so teuer, obwohl das Holiday Inn Express (anderes Hotel) unserer Buchung und Vorbestellung verbaselt hat (vielleicht kann man bei 3 Sternen nicht soviel erwarten …); so jedenfalls buchten wir um auf das Hotel in dem “unsere” Amerikaner wohnten. Sehr angenehm, den Tag beim Frühstück planen zu können.
“Unsere” Amerikaner sind Chris und Dennis. Chris gehört zu Holistic Design, Dennis ist sein in Amsterdam lebender bester Freund und Trauzeuge. Schatzi und ich hatten versprochen, auch zu helfen.
Mittwoch sind wir mit den beiden beim Italiener gemütlich versackt (kleines, etwas nach Imbissbude aussehendes italienisches Restaurant an der Ecke, 10m oder so vom Hotel entfernt), am Donnerstag dann motiviert zur Messe.
Da wir keine Neuheiten zu verkaufen hatten, war’s ruhig am Stand. Die meisten Leute kamen nur, um ihre Fading Suns-Sammlung zu vervollständigen. Ich habe gerade Freitag und Donnerstag alle Leute getroffen, die ich treffen wollte/musste: Catherine von FanPro (um ihr zu sagen, dass das Buch fast fertig ist, ausserdem hatten wir ein nettes Gespräch zu dritt mit ihrem Praktikanten), André Wiesler (der mit komplettem LodlanD-Aufgebot da war), alte Freunde aus Essen und Gelsenkirchen (super-schnelles Update über deren Leben), Boris Koch (dazu ein eigener Eintrag; Boris hatte mir Catherine als “einen der schreiben kann” ans Herz gelegt hat, was für mich unwiderstehlich ist, solchen Leuten auf den Geist zu gehen), verschiedene Leute aus dem GroFaFo, Heike Wolf (plus Freund, bald Ehemann), meine Freunde Markus und Sandra (auch bald verheiratet), und Christian, der mir gerade hilft, Fatima auf den weiteren Weg zu bringen.
So haben wir Bücher verkauft, Fading Suns erklärt, haben zwischendurch Runden über die Messe gedreht, wo ich dann meistens bei irgendwem hängen geblieben bin, bis ich wieder zurück musste. Viel habe ich nicht gesehen. Hallen 5 und 6, das war’s eigentlich. Bei FanPro in Halle 5 dann noch Christian Lonsing getroffen, welcher Fatima inhaltlich checken wird, und Thomas, der sich im Messestress gut gehalten hat.
Samstag war’s voll. Brust-an-Rücken voll. Pandaemonium. Ich war froh, im Stand Platz zu haben und die Menge an mir vorbeiziehen zu sehen.
Für mich macht die Messe am meisten Spass, wenn ich was zu tun habe. Zum Einkaufen würde ich nur einen Tag hingehen - und das meiste verpassen. Aber wenn man was zu tun hat, zu arbeiten, bekommt man mehr mit (und manche Aussteller geben anderen Ausstellern Rabatt
).
Was habe ich also gekauft? Die Leute am Nachbarstand waren so nett, dass ich Nornis gekauft habe, ein kleines System, das ein paar Leute einfach auf die Beine gestellt haben. Hut ab für den Mut und das Engagement. Die Haupt-Illustratorin hat mir auch einen Phönix gezeichnet. Yay, brennende Adler/Kraniche! ![]()
Ausserdem den Psychonauten-Band von Degenesis. Ich werd’s wohl nie spielen, aber das macht bei dem Artwork nichts. Klaus Scherwinski hat mir was reingezeichnet (”Was soll’s werden?” - “Bitte nichts Hässliches.” Ja, ich bin oberflächlich). Sehr schön, muss ich mal photographieren.
Dann Call of Cthulhu. Schatzi kam mit der Idee an, und ich mag, wie detailliert das ganze ausgearbeitet ist. Hauptregelwerk auf Englisch, Kampagnen auf Deutsch. Vielleicht spiele ich das wirklich mit meinen Engländern. Zumindest können die nicht einfach die Kampagnen lesen. War günstig - der Mensch vom Highlander hat wirklich gute Deals gemacht.
Dann “Schattenlehrling” von Boris Koch, sowie dessen Kurzgeschichten-Sammlungen “Dionysos tanzt” und “Der adressierte Junge”. Boris dann noch auf die Nerven gegangen. Sehr nett. Oder sehr geduldig. Oder beides.
Massig CDs zum Schreiben. Fünf Stück von Midnight Syndicate, alle drei von Erdenstern (auch nette Leute!, da war irgendo ein Nest auf der Spiel), und einige Mittelalter-Compilations (Miroque?), sowie eine CD von Schandmaul (ich kann ohne das Lied “Dein Anlick” nicht mehr leben … gah! Kitsch-Alarm!). Alles für den historischen Roman, den ich zu schreiben gedenke. Und, wie gesagt, auf Pfund umgerechnet war das alles sehr günstig.
Am Sonntag haben wir dann alles zusammengepackt, gezählt und verpackt, und sind dann zu meinem Onkel in Düsseldorf, wo’s dann leckere Lasagne gab und ein Bett zum Schlafen. Am Montag sind wir dann in die Düsseldorfer Innenstadt getigert und haben da mit Sybille, einer Ex-Studienkollegin, Buchläden unsicher gemacht (und waren auf dem Markt auf dem Carlsplatz). Gekauft haben wir nicht wirklich was - wir waren noch zu erschlagen, und ich von der durchbrechenden Erkältung auch etwas zu kurzatmig um mich jetzt wirklich in den Trubel zu stürzen. Und der Koffer war auch schon arg schwer.
Montag abend dann nach Essen zurück, um Markus und Sandra (Sandra erkältet) auf den Geist zu gehen. Dann spielten wir eine halbe Runde Talisman. Dann wieder zum Bahnhof und von dort nach Köln, in der Hoffnung, Florian von Freizeitheld zu treffen. Selbiger hatte die elektronische Kette (aka Handy) vergessen. Na gut, dann auf ins Café Reichard, wo ich ein traditionelles Frühstück verzehrte (also was mit Käse, Schinken, Brötchen und Quark), während Schatzi die “Wok Pfanne” riskierte und von den schleimig-klebrigen Glasnudeln nicht so angetan war. Er hatte halt mit Reisnudeln gerechnet. Schleimiges Essen kann er nicht ertragen, deshalb isst er keine Pilze und keine Bananen.
Dann eine Runde durch den Dom (ich liebe diese Kirche), dann die Hohe Strasse entlang, wieder Buchläden. Tobias Meissner (den mir Catherine auch dringend ans Herz gelegt hat) hatte niemand. Dafür alle Bände Heitz und Hohlbein - wie überall. Wenigstens stand der “Kettenhund” auch bei vielen der Buchläden im Regal. Trotzdem hätte ich den Meissner gern gehabt.
Naja. Dann kamen wir an Kämpgen vorbei, einem Schuhladen in Köln, die wirklich irre, gut designte und ausgefallene Schuhe verkaufen. Dort dann ein paar Halb-Stiefel (quasi aus einem Stück Leder gearbeitet) und ein paar irre aussehende Halbschuhe gekauft. Das sind die teuersten Schuhe, die ich je besessen habe. Aber sie sehen einfach saugeil aus und passen perfekt. Ich wollte ja ohnehin Schuhe kaufen in Deutschland; ich hätte nur nie gedacht, dass das so einfach, schnell und gut über die Bühne geht. Ich bin allergisch gegen die Anprobiererei und die normalen Kompromisse, die man machen muss. In dem Laden: Alles perfekt.
Dann in die Apotheke, um Thymian-Hustensaft zu kaufen, und in den Zug zum Flughafen, während mich die Erkältung voll im Griff hatte. Nase und Kopf zu, bellender Husten, kurzatmig, müde und knurrig. Hab’s ja immer noch - aber langsam löst sich der ganze Dreck aus den Bronchien. Morgen werde ich normal arbeiten können. Kein Krankenschein.
Ein Highlight auf der Messe war, als mich jemand damit lobte, dass ich im Kettenhund gegen das Klischee des “lustigen/verweiblichten Schwulen” schreibe. Klasse, hat mich sehr gefreut, dass die “Message” ankommt. Ich hasse diese klassische Besetzung von “Clown-Charakteren” als schwul. Schwul ist nur eine Orientierung - dabei werden weder Hoden noch Rückgrat operativ entfernt. Sorry. Kerle bleiben Kerle. Hoffentlich kommt das bei den Medienmachern irgendwann mal an - und vielleicht gibt’s dann vernünftige Vorbilder für Leute im Coming Out.
Selbst, wenn die “Szene” konservativ ist, wie jemand anderer sagte - mich langweilt der Hetenkram. Es gibt genug heterosexuelle Charaktere, genug heterosexuelle Stories. Ein Problem meiner Identitätsfindungen (ich musste da ein paarmal durch, und habe mehrfach “verloren”, was ich “gefunden” hatte), war, dass diese Klischees dominant waren. “Starke” Frauen waren unerotisch oder lesbisch, ungeschminkte Mädchen “bekamen keinen ab”, und Schwule sind immer tuntig und mädchenhaft. Abweichende sexuelle Orientierung war immer “komisch”, und niemand (schon gar nicht in Schule oder “Bravo”) sprach darüber. Richtig lustig wurde es dann als Transexuelle als Zerrbild von Kerlen mit Bartwuchs in langen, glitzernden Abendkleidern dargestellt wurden.
Anyway. Noch ein Grund, über das zu schreiben, was ich schreibe. Sozusagen als “Betroffenes”. Und natürlich, weil mich Hetenkram langweilt, wie gesagt. Die einzige Hetero-Liebesgeschichte, die sehr traditionell ist und die mich nicht langweilt, steht in Flechettes Hintergrund. Aber das ist Futter für SR-Roman Nummer 3.
So, Hustensaft, dann schreiben. Der Techniker ist nicht aufgetaucht. Typisch. Und rasch den Doktotr anrufen, was bei meinem Bluttest rausgekommen ist. Keine Sorge, nichts Ernstes … naja, wie man’s nimmt. Schilddrüse ist keine Kleinigkeit; aber am wichtigsten ist, dass ich endlich rauskriege, was los ist.
Explore posts in the same categories: Deutschland, Leben, Lesbian/Gay/Bisexual/Trans
October 25th, 2006 at 4:09 pm
Das war gut, dass du das HI-Express nicht genommen hast. Aus eigener erfahrung kann ich dir sagen: die normalen HI-Hotels verdienen mindestens 2 Sterne mehr! Oder aber das HI-Express in dem ich unglücklicherweise mal abstieg, war ein besonders mieses Exemplar, aber eigentlich hatten die mir da das alles als “für Expresshotels selbstverständlich” verkauft. Ha, so ein Schei*.
Und hör nicht zu viel Schandmaul, ist doch eh alles Hetenkrams
October 25th, 2006 at 4:19 pm
Die Amis kannten beide - HI Express und HI - und meinten, das Fruehstueck allein waere schon “extrem viel besser” - genug, um den leichten Aufpreis zu rechtfertigen. Ich glaube, naechstes Jahr sind wir wieder dabei…
Und leider haben die Heten auch gute Musik gemacht. Pet Shop Boys oder Elton John… hm. Nein, ich fuerchte, das reicht nicht zum Schreiben.
October 25th, 2006 at 4:42 pm
Hi Alex,
ich hoffe Du hälst Dein Messewort?!
Mit den CDs dürftest Du nix falsch gemacht haben. Die von Erdenstern hab ich mir auch mal gegönnt und die Syndicate (D&D) auch. Bis jetzt ganz angenehm die Silberlinge.
Mit Schattenlehrling und D-tanzt von BK dürftest Du auch gut liegen. Hab beide bereits durch und war davon angenehm überrascht. Obwohl BK Werke insbesondere seine Kurzgeschichten Sammlungen die Massen spalten. Evt man liebt sie oder man hasst sie!
In diesem Sinne.
October 25th, 2006 at 5:07 pm
Ich glaube, ich gehoere zu denen, die BK lieben.
Aber eine ausfuehrliche Rezension kommt, wenn ich den Schattenlehrling aus habe.
Von Midnight Syndicate habe ich auch noch die Horror-Sachen mitgenommen. Falls ich Cthulhu leiten sollte/werde. Wirkten alle extrem atmopsphaerisch auf mich. Das brauche ich…
October 25th, 2006 at 5:40 pm
Schattenlehrling werd ich morgen wohl beenden
. Bis jetzt gefällt mir der Roman. Aber mal das Ende abwarten und dann sacken lassen, bevor es an die Rezi geht. D-tanzt musste ich auch erstmal ein paar endlos lange Tage sacken lassen. Da es mal was anderes war/ist als sonst.
Übrigends hab ich am SA versucht Dich auf der SPIEL nochmals anzutreffen, allerdings warst Du wohl nie am Stand wenn man mal vorbeischaute und so blieb meine “Neugier” auf FS sehr klein!
in diesem Sinne…
October 25th, 2006 at 10:49 pm
Bleib’ halt bei Rammstein, die sind zwar Heten, aber die nehmen’s nicht so genau. Ist denen doch egal. Mann gegen Mann? Fan fiction? Pretend blow job? Whatever.
October 26th, 2006 at 8:19 pm
@v1: Naja, naechste Messe. Wir haetten sowieso kein Hauptregelwerk mehr gehabt.
Auf http://www.fadingsuns.de gibt’s aber Stories. Und mehr info auf http://www.fadingsuns.com.
@Marquesate: Rammstein? Immer!