Reise, Reise

Das hier habe ich gerade im Blog eines Freundes/einer Freundin gefunden:

“And though that soul found a home, somehow, in the internet, being able to live in this virtual reality unhindered by this one-gendered body, this was not the place and could not be.”

Unhindered by this one-gendered body.

Das ist genau das Problem, genau der Nagel, genau der feste Punkt. Auch der Grund, auf einer Ebene, für das Pseudonym, für viele Dinge, die ich tue und denke.

Ich würde mir wünschen, die reale Welt wäre wie das Internet. Man könnte aussagen: “Ich bin Mann/Frau/Zweigeschlecht/Androgyn” und die Leute würden es glauben, sehen, und würden sich nicht daran aufhängen, was sie als biologisches Geschlecht sehen. Ich würde mir wünschen, es gäbe Identitäten wie Nicknames im Internet, an denen weder zu erkennen ist, welches Geschlecht/welche Geschlechter die Person hat, noch wird es im Internet je wichtig - die Wahrscheinlichkeit, dass man “weird_097″ im echten Leben treffen wird, ist sehr gering.

Ich habe natürlich die Wahl, nicht öffentlich aufzutreten (jetzt nicht mehr … da ich’s schon gemacht habe, lässt sich der “Schaden” nicht mehr reparieren), aber, um ehrlich zu sein, rede ich zu gern persönlich mit Lesern, um mich in der Anonymität zu verstecken. Warum auch? Mit Lesern zu reden ist eine der wenigen schönen Erfahrungen, die das Schreiben und das Veröffentlichen mit sich bringt.

Aber natürlich gibt es immer Leute, die dann meinen, mich als Geschlecht X “outen” zu müssen. Weil, aus irgendeinem Grund wird meine Entscheidung, unter diesem Namen in Erscheinung zu treten, nicht respektiert. Dann wird das Wort “Autor” (das ich auf mich anwende) plötzlich mit der “outenden” Silbe “-in” versehen, und damit werde ich dann in eine Schublade gesteckt, aus der ich mich solange ich denken kann zu befreien versuche.

Wir Transgender haben Mühe genug, uns selbst zu finden. Dann nur, weil wir Schwänze oder Titten haben, uns als Männer oder Frauen zu bezeichnen, ist schlicht rücksichtslos und fühlt sich an wie ein Schlag ins Gesicht.

Deshalb können wir oft nur im Internet frei sein. Oder in virtuellen Spielwelten wie World Of Warcraft, oder in einem MUSH, oder sonstwo. Dort spielt es keine Rolle, da sind wir wir selbst, frei von einem Körper, der nicht das ist, was wir sind.

Manchmal wünsche ich mir die Realität genauso. Manchmal wünsche ich mir, man könnte filtern, wie einen andere sehen. Manchmal wünsche ich mir, es gäbe ein Personalpronomen jenseit von “er, sie, sie”, oder ein Abzeichen, das alle erkennen, und dessen Träger dann als Transgender behandelt wird, und nicht als “Geschlecht X”. Geschweige denn “geoutet” wird, oder respektlos einfach einem Lager zugeschoben wird, teilweise aus Ignoranz, teilweise, weil man unsicher ist.

Es ist eine vertrackte Kiste und ein weiter Weg. Mein Freund/meine Freundin geht den Weg jetzt auch, und ich wünsche ihr/ihm alles Gute auf dem Weg.

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