Alex arbeitet historisch …
Der nächste Shadowrun-Roman plant die Eroberung meiner vorderen Hirnlappen: Es tauchen Szenen und Bilder auf, aber noch kein richtiger Plot - klar weiss ich, wie’s endet, aber ich weiss noch nicht, wie ich dahinkomme, und nochmal laufe ich nicht wie bei Fatimas Tränen in die “mir wird schon was einfallen, wenn’s soweit ist”-Falle. Das hat das Schreiben wirklich unnötig schwer gemacht - und die Ueberarbeitung erst!
Und solange “Feindesland/Kreuzzug” (oder wie er auch immer heissen wird) nicht mit einem wasserfesten Konzept ankommt, kriegt er keinen Platz auf der Tagesordnung. So einfach ist das. Stephen King beschrieb den kreativen Prozess mal als “Jungs, die im Keller Möbel rücken”. Genau das ist es. Die Teile schieben sich hin und her, und irgendwann passt es. Fatima rückte sich bis in die letzten paar Wochen der Ueberarbeitung hin und her. Das kommt davon, wenn die Prämisse nicht funktioniert, und man alles umbauen muss. Also: Runter in den Keller, arbeiten.
Und damit ich die Jungs beim Möbelschieben nicht störe, befasse ich mich mit dem historischen Roman, bei dem alles Wesentliche passt. Während unten noch die Aufbauanleitung gesucht wird, wischt der historische Roman schon die Arbeitsflächen der Einbauküche sauber, damit man da bald kochen kann. Ich befinde mich bereits im inneren Zwiegespräch mit meinem Hauptcharakter, der mich im Moment vom Feeling her an Irato aus Sand und Blut erinnert. Das wird einer Freundin in Deutschland sicher gefallen. Und wird sicher interessant, sobald er seinen eigenen Kopf entwickelt.
Ich werde mich also heute mit einem Excel-Spreadsheet amüsieren, auf dem ich die Jahreszahlen sortiere. Hab ich noch nie gemacht, aber ich bin’s meiner Ehre als Historiker schuldig, dass auch alles passt.
Ein erstes Feedback von meinem Agenten war positiv, a la “Klingt nach den ganz grossen Gefühlen, bin gespannt, wie Sie das machen”. Ja, bin ich auch. Vor allem der Liebesplot wird interessant. Meine Männer sind durchaus bereit, füreinander zu sterben, aber in einer Hetero-Kiste weiss ich nicht, ob ich das glaubwürdig rüberkriege. Aber es gibt einen “Plan B”, der den Charakter motivieren könnte. Kein Risiko eingehen, mit der Motivation steht und fällt das ganze Buch.
Und somit halte ich mich jetzt an meinen eigenen Ratschlag aus diversen Schreibworkshops (nach dem Motto: Write as I say, not as I write) und baue den Plot nach Jahreszahlen.
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