Neues Familienmitglied

Heute hat sich der Geek-Faktor dieses Haushaltes beträchtlich erhöht: Wir haben 3 funktionierende, aktive, in Betrieb befindliche Rechner auf 2 Personen. Dazu kommen 3 weitere mehr oder minder abgewrackte Rechner - zwei Desktops und ein Laptop. Macht: 6 Rechner und 2 Personen. Und, nein, nur Schatzi arbeitet im IT-Bereich.

Wir haben sogar (seit neuestem) ein funktionierendes Netzwerk. Seit 2 Tagen schickt Schatzi Emails von unten nach oben, in mein Arbeitszimmer. Wunder der Technik. Ich warte auf “Komm mal runter, ich will Kaffee”-Emails.

Erste Scout-Versuche auf diversen Webseiten ergaben einen Preisbereich von ca £400 für nen recht einfachen Laptop. Ebuyer hatte was Schönes, liefert aber nur in der Woche und nicht auf die Arbeit. Ich hätte einen Tag Urlaub nehmen müssen, nur um auf den Kurier zu warten. Sorry, Leute, aber seit ich mal zwei Tage Urlaub nehmen musste, weil ihr Knalltüten meine Lieferung geteilt habt, ohne mir was davon zu sagen, war’s das mit uns beiden.

An Specs wollte ich nicht viel: “Leicht, mit guten Batterien”. Aber das Philips Powerbook (oder wie die sehr kleinen Laptops heissen) schlug dann, trotz aller Eleganz und Schönheit, mit fast dem Doppelten zu Buche … und so dringend brauche ich auch keinen Laptop.

Dann schickte Schatzi heute ne Email, er habe “vielleicht einen gesehen”. Also nach der Arbeit zur Tottenham Court Road, in der schönsten Rushhour - macht ja anders keinen Spass. Wenn man die Tottenham Court Road in die andere Richtung läuft (also nicht Richtung Leicester Square) kommt man an tausenden Elektronik-Läden vorbei, alle fest in der Hand von Pakistanis/Indern/Bangladeshis.

Und dort begegneten mir dann auch 3 Beispiele für richtig schlechtes Verkaufen:

1) Verkäufer eins: “Was wollen Sie?” - “Einen einfachen Laptop, ca £400.” *Verkäufer redet in seiner Muttersprache mit dem anderen Verkäufer weiter*: Message: Für 400 Pfund muss ich mir keine Arbeit machen. Ich dreh ab. Verkäufer: “Nichts gefunden?” Ich: “Nein, danke, hab nur geguckt.”

2) Verkäufer zwei: “Kann ich helfen?” - “Einen einfachen Laptop, nichts Besonderes, nur leicht muss er sein, und um £400 kosten.” Verkäufer: “Ja, da drüben. Blah tolle Maschine, blah HP, blah Markenrechner.” Ich: “Und was wiegt der?” Er *sofort, ohne Nachdenken: “2.5kg.” Ich: *beeindruckt* “Ja, der ist ja hübsch und würde reichen.” Er: *zückt Taschenrechner*: “Der kostet *tipptipp* 399, mit Steuer, *tipptipp* 480, aber bar auf die Hand, *tipp tipp* genau 400!” *strahlt* Ich: “Nehmen Sie Karte?” Er: “Nee, cash hab ich gesagt.” Ich: “Ja, dann hole ich das Geld eben aus dem Automaten.” Er: “Neee, das geht nicht, soviel gibt der Automat nicht auf einmal raus.” Ich: “Das ist doof.” Er, feixend: “Glauben Sie mir, ich weiss alles über die Automaten hier in der Gegend.” Ich: “Ja dann schau ich mich erstmal weiter um, herzlichen Dank.” Lektion: Gutes Ego beim Verkaufen ist gut, Grosskotzigkeit ist schlecht.

3) Verkäufer drei: Ich sehe denselben Rechner, den ich mir schonmal angesehen habe und bleibe nachdenklich davor stehen. Daneben steht so ein Schluck Wasser in der Kurve mit hängenden Schultern, und sieht mir dabei zu, wie ich die Werte des Rechners mit dem daneben vergleiche. Er: “Kann ich helfen?” Ich: “Ich will eigentlich nur eine ganz einfache Maschine, zum Schreiben, muss nichts Besonderes sein.” Er: *beginnt in radebrechendem Englisch, mir das Schild vorzulesen, vor dem ich einige Minuten gestanden habe*, und wiederholt immer wieder: “Tolle Maschine, ganz toller Rechner, ist gut” Ich bedanke mich artig und verlasse den gastlichen Ort. Lektion: Lesen kann ich selbst.

Lerne: Dem Kunden bitte zuhören, selbst wenn dieser nur £400 ausgeben will. “Beratend verkaufen” nennt sich das dann.

Dann bin ich weiter zum Morgans, einer Kette, die Überschussware vertickt, um mir restaurierte (”refurbished”) Laptops anzusehen. Verkäufer hörte sich meine Specs an (”Batterie okay, leicht bitte, und sehr basic, mit Betriebssystem”), gab mir einen Flyer, kreiste die beiden Modelle in meiner Preisklasse ein, ging in Lager, holte die Teile, stellte sie vor mir direkt nebeneinander, und sagte, der eine habe 12 Monate Garantie und den besseren Bildschirm, der andere nur 6 Monate, technisch wären die völlig gleich.

Fünf Minuten später war der Laptop mein Eigentum.

Geht doch. Der Junge brauchte kein Ego, kein Verkauftalent, nicht viele Worte, und Kunde ist zufrieden.

Jedenfalls ist das schwarze Teilchen jetzt eingerichtet, und jetzt kommt noch OpenOffice drauf, dann schicke ich nen Haufen Daten drauf, kaufe morgen eine Laptop-Tasche, und bin stolzer Besitzer meines Zweit-Rechners für unterwegs. Und einen Namen hat er auch schon.

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2 Comments on “Neues Familienmitglied”

  1. goswin Says:

    bin neidisch, will auch ein heimatliches Netzwerk. Wir haben nur 2 Rechner auf 2 Personen, aber nur einer hängt am Internet :-(

  2. AlexW Says:

    Also unser Netzwerk war “Plug & Play” -Schatzi hat die TEile gekauft, eingestoepselt, lief. Kann also nicht so schwer sein. :)

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