Das Lektorieren hat mich wieder …
Nachdem ich mich jetzt eine gute Woche lang kaum konzentrieren konnte und auch nichts mehr lesen wollte (das geht immer vorbei, aber wenn’s gerade passiert, ist’s schlimm genug), kann ich jetzt wieder ohne Ekel Texte lesen. Sogar am Bildschirm.
Ich bekomme auch wieder Bilder und Szenen. Das Problem: von drei verschiedenen Projekten. Ich sehe Mischko wieder sehr klar vor mir, und freue mich darüber, wie glatt die drei Bücher zusammenpassen werden (wenn ich’s so durchziehen kann, wie’s geplant ist). Ich sehe Szenen von meinem Familienepos, und ich kriege Szenen aus dem Mittelalter.
Zwei Bücher parallel zu schreiben ist schwer genug, drei oder vier stelle ich mir unmöglich vor. Im Moment recherchiere ich ein wenig für das Familienepos und versuche, das, was nicht passte, passend zu machen. Im Moment klappt das sehr gut. Als ich das Ding 1999/2001 schrieb, hab ich die Recherche teilweise wirklich gründlich gemacht. So gründlich, dass das, was man als “science fiction” bezeichnen könnte, rausfallen kann, ohne ein Loch in’s Buch zu reissen. Nett. Natürlich muss ich das Teil komplett umschreiben, weil’s extrem “unsicher” wirkt, aber ich weiss jetzt, dass ich das Ding hingebogen kriege.
Und natürlich der historische Roman. Massenweise Recherche kommt da noch auf mich zu, wo ich im Moment doch lieber einfach nur lesen möchte.
Die Tage war das Colm Toibins “Mothers and Sons”. Eine Kurzgeschichtensammlung über die Beziehung Mutter - Sohn. Persönlich interessieren mich Väter mehr, eigentlich sind alle Familien in meinen Büchern kaputt (was daran liegt, dass meine ein Alptraum war), aber das war eine schöne Abwechslung von der Recherche und von den grauenhaften historischen Teil, das ich mir letzte Woche reingewürgt habe: Sechshundert Seiten Gelaber, Klischees und eine epileptische Perspektive.
Nach “Mothers & Sons” fühle ich mich seltsam klar, distanziert, dabei wacher. Sehr eigenartiger Effekt. Jede der Stories ist eine eigene, geschlossene Welt, und irgendwie kommt man den Personen unheimlich nahe, und liest weiter wie hypnotisiert. Ich werd’s nochmal lesen müssen, um’s so ganz und richtig zu verstehen, das erste Mal lese ich für’s Gefühl, beim zweiten oder dritten Mal kommt dann die Literaturwissenschaft in’s Spiel. Zumindest, wenn’s da eine zweite Ebene gibt.
Das Historienteil hat mich weder sonderlich unterhalten noch geistig irgendwie beschäftigt. Ausser, dass ich darauf wartete, wann’s der Autorin selbst zu blöd wird. Ist aber nicht passiert. Die zog’s wirklich bis zum bitteren Ende durch, inklusive einem Ende, dass klischee-iger nicht hätte sein können, wenn’s meine Grossmutter geschrieben hätte, die Rosamunde Pilcher und Konsalik für “Literatur” hält und beim Formulieren einer Urlaubpostkarte ins Stottern käme.
Deshalb ist es immer mal wieder schön, einen Autoren zu finden, über den man sonst nie gestolpert wäre. Wie sehr viele wunderbare Bücher, die ich gelesen habe, war auch das eine Empfehlung.
Ich denke, ich ordere dann mal die restlichen Werke von Toibin. Einfach schön, eintauchen zu können und in der Welt eines anderen zu leben. Ich bin gespannt, wie er Romane angeht. Das einzig Blöde war halt, dass es nur Kurzgeschichten waren.
Jedenfalls - es stehen etliche Sachen an, die lektoriert und überarbeitet werden müssen. Ausserdem hat FanPro heute das fertige Cover online gestellt. Ich mag’s sehr. Und kann kaum erwarten, dass meine Autorenexemplare es über den Kanal schaffen.
Gestern, beim Fechten, hab ich den praktischen Teil des Foil Level 2 Abzeichens der British Fencing Association abgelegt (die Circular Parry Quarte hab ich dann auch irgendwann fehlerfrei hingekriegt) - ohne Vorbereitung, der Trainer pfiff und zu sich und exerzierte das ganze mit uns durch. Nächste Woche muss ich dann was über “Fencing Code of Honour” (ist Fechten nicht klasse altertümlich? Ehrenkodex!) erzählen, die Bestandteile des Floretts, und die piste, und dann hab ich mein zweites Abzeichen und arbeite auf das dritte hin. Recht unvorhergesehen.
Ausserdem arbeite ich an den zweiten 5kg, die ich abspecken will, morgen ist also nach der Arbeit Muckibude angesagt. Und vielleicht fange ich wieder mit der Joggerei an - der Winter hier in Südengland ist im Grunde vorbei, es ist ziemlich mild, wird auch nicht mehr richtig kalt, gelegentlich ist’s ziemlich windig, und manchmal nass, aber kein Vergleich zu einem richtigen ausgewachsenen Ruhrgebiets-Winter.
Mal schauen. Jetzt noch ein Stündchen arbeiten, dann ist Freitag, und bald schon Wochenende. Dann kriege ich wenigstens was geschafft.
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