Alex liest kreuz & quer

Am Wochenende wieder nichts auf die Reihe gekriegt. Okay, mit Ausnahme des genialen Kapauns, den ich in die Bratröhre geschoben habe. Das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen “Sonntagsbraten” gekocht habe, und der Kapaun kam golden und knusprig aus dem Ofen, mit Zitronen und Orangen und Kräutern gefüllt und war ernstzunehmende Konkurrenz zu den zehn besten Sachen, die ich je gegessen habe.

Und es ist schön, wenn die männliche Hauptrolle in seinem Leben einem bestätigt, das sei eines der besten Federviecher, die er je gegessen hätte. Und da er ein wahrer Chickenraptor ist, bedeutet das was. :) Aber ich war selbst erstaunt, obwohl’s eigentlich lächerlich einfach ist, wenn man’s erstmal gemacht hat.

Ansonsten habe ich erste Szenen zu “Kreuzzug/Feindesland” im Kopf, und muss mich um mein Familiendrama kümmern. Um wieder auf Deutsch zu denken, hab ich mir ein paar deutsche Bücher besorgt, und tatsächlich 2 Buchläden in London gefunden, die dt. Literaturgut verkaufen. Der “European Bookshop” war ne Pleite (obwohl er extrem viele franz. Comics hatte), aber Grant & Cutler hatte dann ne anständige Auswahl. Zwar stand da auch ne “Wanderhure” herum, aber gut, nicht jeder Deutsche, der nach London auswandert versteht was von Literatur. Einen “Tribun” von Iris habe ich gesichtet, und mir ein paar Bücher von Remarque geholt.

Ich brauche jetzt was, was stilistisch eher auf meiner Linie liegt. Remarque schreibt modern und unprätentiös, aber er hat schöne und starke Bilder. Ja, wenn ich wie der klinge (natürlich bin ich nur ein kleines Echo, selbstredend), wenn ich mein Familiedrama überarbeite, bin ich’s zufrieden.

Heute habe ich von Colm Toibin “The Story of the Night” zuende gelesen. Der Mann ist genial. Den Vergleich mit Scott Fitzgerald braucht er nicht zu scheuen, und gegen Hemingway sieht er *sehr* viel besser aus. Ich bin Fan und schäme mich kein Stück. Dieses Buch war ein heftiger Ritt, deprimierend und schön und tragisch und tief.  Hypnotisch. Es hat auch wieder Sachen hochgeholt, den Tod meiner Mutter, die ganze Grausamkeit & Dummheit meines Vaters, und den HIV-Fall in meiner Familie … irgendwie fasst Toibin einem in die Seele, aber nicht zerstörerisch. Menschlich, zutiefst menschlich. Ich hab auch keine Antworten, scheint er zu sagen, aber das ist, was ich fühle. 

Manche Bücher sind atmende Lebenwesen, und dieses möchte ich knuddeln und streicheln und dann ganz sanft ins Regal stellen, wenn’s eingeschlafen ist.

Wenn ich jemals auf dem Level schreiben könnte, wäre ich glücklich. Wenn nicht, ist’s auch gut, soviel Talent hat nicht jeder, und das ist okay.

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2 Comments on “Alex liest kreuz & quer”

  1. Indigo Says:

    Aber ist doch eine faszinierende Sache, oder? Dass jemand den man gar nicht kennt, einen mit dem was er aufgeschrieben hat so berührt. Es gibt Bücher, die gehören einfach zu meinem Leben. Sachen die ich gelesen habe und wo ich mir gedacht habe „Ja, genau das ist es! Genau so, ich war nur vorher nicht in der Lage es für mich zu formulieren, auch wenn ich es immer gewusst habe.“

    Oder Sachen, die mich zum lachen bringen, weil sie mit einem ganz einfachen kleinen Satz mein Weltbild mal kurz auf den Kopf stellen oder aber eine neue Sichtweise oder einen Aspekt dazu fügen über den ich vorher noch nie nachgedacht habe. Und manchmal stell ich das Buch dann wieder ins Regal und frage mich, ob es „da draußen“ allen Menschen so geht, die dieses Buch lesen.

    Und jetzt wo ich eine Tochter habe, erwische ich mich bei den Gedanken „Und das muss ich ihr geben damit sie es liest wenn sie etwas größer ist, das ist so toll / interessant / schön…“ Ich mache mir mentale Listen der Bücher, die ich meiner Tochter geben oder vorlesen möchte, einfach weil ich sie so schön finde. Dabei ist meine Kleine gerade mal 6 Monate alt…na gut, bald 7…aber sie ist noch mehr als weit davon entfernt, sich von mir Geschichten vorlesen zu lassen.

    Wobei… Geschichten erzählen ist eine ganz eigene Sache. Ich erzähle ihr einen Witz über einen Eisbären, wenn sie müde ist, denn sie hat einen Plüscheisbären. Und ich erzähle ihn immer mit denselben Worten. Diese kleine „Ritualgeschichte“ hilft ihr beim einschlafen.

    Worte sind schon Klasse… geschriebene Worte sind aber noch besser…
    Boa bin ich froh, dass ich lesen und schreiben kann. Wenn man das nicht kann, da entgehen einem doch Welten, oder?

  2. MaDsaM Says:

    Bücher sind lebendig…

    Dann kann ich dir von John Connoly “The Book of lost things” empfehlen. ;)
    Kurz, knapp, prägnant. Prosa, aber richtig gut zu lesen und mit einer guten Portion “Moral” gespickt, die aber nicht allzu Fingerzeigig (gibt´s dieses Wort? *g*) daher kommt und somit richtig Spaß macht zu lesen.

    Biba

    SaM

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