Was man bei der Recherche alles erlebt

Gestern habe ich einen netten Kontakt zu einer Bewohnerin einer afrikanischen Grosstadt bekommen. Zwecks Recherche des Familiendramas musste ich ein bisschen was über die dortigen Verhältnisse wissen. So kamen wir auch auf Gewaltverbrechen zu sprechen. Sie bestätigte, dass es in dieser Stadt ziemlich schlimm sei, und das Leute auch für kleine Geldbeträge abgestochen werden. Das passte mir gut in den Kram, und sie schlug eine Situation vor, wie’s meinem Nebencharakter an den Kragen gehen kann.

Es war ein sehr netter, kreativer Kontakt/Austausch, sehr hilfsbereit und ergiebig.

Dann bekam ich heute morgen vor der Arbeit eine Email von ihr:

“Sorry I can’t answer your email, my husband was stabbed last night.”

“Stabbed” im Englischen kann alles bedeutet - Tod oder Verletzung. Mir blieb die Spucke weg, und natürlich hab ich ihrem Mann alles Gute gewünscht - was auch sonst.

Was für ein verdammt unangenehmer Zufall. Für sie natürlich 1000mal schlimmer als für mich.

Bei mir kommt nur der Gedanke auf, dass das, über das ich schreibe, real passiert. Da draussen. Ich sitze hier mitten im Wohlstand in Europa, und in einem anderen Land werden Ehemänner auf offener Strasse verletzt. Das macht das ganze auf sehr unangenehme Art real und bringt alles auf den Boden der Tatsachen zurück.

Puh.

Und heute wollte ich auf der Arbeit den ganzen Tag schreiben, konnte ich aber nicht (kann im Büro nicht schreiben, nichtmal heimlich - ich kann mich einfach nicht konzentrieren).

Jetzt kann ich. Und mache mich an Kapitel 2.

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2 Comments on “Was man bei der Recherche alles erlebt”

  1. Indigo Says:

    Uh, das ist aber ganz übel wenn die Realität das Buch einholt.
    Dann hoffen wir mal, dass der Ehemann nicht tot ist.
    Und gut schreib!

  2. AlexW Says:

    Danke dir (ich warte mit Bangen, ob sie mir ne Email schreibt… aber natuerlich hat die jetzt ganz andere Sorgen… ging mir aber nicht aus dem Kopf).

    Der Wal hat sich gestern wieder 5 Seiten bewegt…

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