Zu viel
Im Moment häuft sich alles ein wenig: Zwei Bomben in der Londoner Innenstandt gefunden, nen Haufen offizielles Zeug zu erledigen, und eine mega-stressige Woche auf der Arbeit. Ich bin total platt. Dazu kommt, dass mein “kleiner” Cousin, eines der wenigen Familienmitglieder, die was taugen und mit denen ich Kontakt habe, zuhause rausgeflogen ist, und ich muss Flüge buchen, Klamotten kaufen, Sachen organisieren, und und und. Wow. Gut im Stress. Zwei Tage Wochenende sind einfach nicht genug.
Wenigstens konnte ich meinen Reisepass heute von der dt. Botschaft in London abholen. Mein “biometrisches” Passphoto zeigt ein ganz subtiles, angedeutetes, schiefes Grinsen, mehr so einen ironischen Zug um den Mundwinkel - das ist das erste Mal, dass mir ein offizielles Photo gefällt.
Dann kam heute noch ein Stück Vergangenheit auf mich zu; die beste Freundin meiner Mutter (zu der ich lange nach der Grundschule hinging) hat mich im Internet ausfindig gemacht und gesagt, mein Bild erinnert sie an meine Mutter. Plötzlich sind 22 Jahre weg, ich bin wieder 10, und freue mich; erinnere mich an mich als Kind, an ihre beiden Söhne, Christian und Stefan, die Umgebung, die Gerüche in ihrer Wohnung - als Kind riecht man alles intensiver, und einzelne Räume haben ganz eigene Gerüche, vermutlich hängt das mit den individuellen Reinigungsmitteln zusammen, oder … ich weiss es nicht. Was ist mir noch im Gedächtnis? Die CD-Glyzerin-Seife im kleinen Badezimmer, ihr Hund - Asta - ein Boxermischling, total lieb, sabbernd, mit rauhen Fell, der Garten, der Parkplatz, das Gitter am Hof, das wegen der Hunde immer zu sein musste. Die Gegend, die wir als Kinder durchstreiften. Es gab eine Strasse, die unser “Gebiet” genau abmass - weiter durften wir nicht.
Wie Christian immer mit den Hausaufgaben rang (ich hab meine immer schnell hingeklatscht, aber der verbrachte unter Umständen den ganzen Abend damit, was für mich eher langweilig war), wie wir Zorro und alles mögliche andere gespielt haben. Wie meine “Geschlechtsverwirrung” losging, weil Christian darauf bestand, ich hätte mein “biologisches” Geschlecht. Und Freunden will man ja auch nicht wehtun.
Ich glaube, ich war ein komisches und streitbares Kind. Irgendwann mit 9-10 bekam ich das mit den Bürgerrechten in den falschen Hals und hab mich gegen Stubenarrest und irgendwelche Anweisungen gewehrt mit dem Hinweis, das sei gegen meine Rechte (!).
Ich erinnere mich an Parkettfussboden, und wie toll man dadrüber rutschen konnte, wie ich stundenlang Puzzles gelöst habe (nur um mittendrin die Geduld zu verlieren). Ich erinnere mich an Brigitte-Kochbücher, und den Kampf meiner Mutter, mit ihren 1,75m auf unter 60kg Körpergewicht zu kommen (laut ihren goldfarbenenen Brigitte-Kalender ging’s runter auf 54kg). Ihre Freundin hat da mitgemacht. Ich erinnere mich an einen rotbärtigen Riesen, den Partner der Freundin, der mir immer irgendwie “komisch” vorkam, ein bisschen Angst war da reingemischt (ich mochte Männer mit Bärten nie). Ich erinnere mich an den Nachbarn, der Kaninchen züchtete, an die Katzen der Nachbarin, die vielen Kaninchen und das Verbot, den Garten zu betreten wenn der schlachtete - die Verbindung zwischen dem Block mit den Beileinschlägen in der Nähe des Kaninchenschuppens und dem Verschwinden der älteren Kaninchen hab ich nie gezogen. Der Nachbar hielt einen altdeutschen Schäferhund im Zwinger, den ich von kleinauf kannte. Wunderschönes Tier, und wie traurig war ich, weil der Hund draussen in der kargen Zelle leben musste. Ich konnte das nicht verstehen, dass es “Gebrauchshunde” gibt.
Ich glaube, diese Zeit in der 3. und 4. Klasse war mit die schönste.
Auch das 1. und 2. Jahr waren nicht schlecht, da allerdings massiv von meiner tyrannischen Tante und dem Alkoholiker, dem dem sie verheiratet war, überschattet. Die ersten beiden Jahre Grundschulzeit bin ich nach der Schule zu meiner Tante gegangen (die wohnte ca 50m Luftlinie von der Schule weg). Da musste ich dann “essen, was auf den Tisch kommt” - und wenn ich’s nicht gegessen habe (ich war immer ein Sturkopf) musste ich den ganzen Nachmittag/abend am Küchentisch sitzen, nicht reden, mir die Zeit nicht vertreiben, und mein Cousin und meine Cousine (die meine Tante auch geschlagen hat) durften nicht mit mir reden. Kindererziehung primitiv und mit Gewalt. Ganz grosse Leistung. Tante E. ist eine der Hauptinspirationen für den Vater in meinem Familiendrama - und kommt noch um Meilen zu gut weg. Aber das ist alles Recherche. Die namenlose Furcht vor dem - zumindest körperlich überlegenen - Erwachsenen, wie die Frau wie eine Furie in die obere Etage stürmte um ihre Kinder zu schlagen, und meine Mutter muss ihr verboten haben, die Hand gegen mich zu heben, aber ihre Kinder hatten beide nichts zu lachen.
So sehr ich meinen Cousin vermisste, ich war froh, von meiner Tante wegzukommen, und hatte zwei richtig gute Jahre bei der Freundin meiner Mutter. Cilla. Ich kann nicht einfach gewesen sein, aber es war schön.
Und nach diesem kleinen trip down memory lane gehe ich wieder ins Bett. Weiterschlafen, damit ich morgen schreiben und arbeiten kann. Ich will mein Kapitel 3 fertimachen, und Fading Suns weiter auf den Weg bringen.
Oder schreibe ich vorher die Email?
Ich glaube, ich schreibe vorher noch die Email.
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July 1st, 2007 at 9:29 am
Oo ohh da erzählst du aber tief aus dem Nähkästchen
aber kann das recht gut verstehen komme selber aus einer familie wo die Hunde mehr zu sagen hatten als die kinder. Ich durfte z.b nicht im Garten spielen mit dem ball, da die hunde mir dan nachlauften und sie selbigen dan irgendwan auser atem waren (es waren immer sehr fette hunde da sie immer fein von unserem tischen essen durften). U.s.w meine Tante die bei uns wohnte war immer sehr gut darin meine freunde zu verscheuchen mit ihrer lauten unfreundlichen art das inerhalb kürzerster zeit niemand mehr zu uns wolte….Sontags wen andere Kinder fein Zeichenfilme kuckten durfte ich in die Sonntagsmesse, fein 1 stunde lang in dieser Miefigen Kirche vollbringen in der Mir immer der kalte schweis rann und ich mit der Ohmacht kämmpfte (keine ahnung warum denke mal das O2-Weihrauch verhältnis war nicht ganz ok. Desweiteren durfte man natürlich nicht Spielen am Sonntag und so verbrachte man die zeit mit Zeitschrieften vom Kiosk die man von seinen Taschengeld kaufte und dan mal 6 mal lieste, die Bilder auschnitt, aus seiten Flugzeuge bastelte oder sachen abzeichnete.Irgendwan kamm dan aber die zeit in der man sich dan einfach widersetzte ^^ man merkte das die freunde auch eine wohnug hatten in deren garten man sogar trotz hunde spielen durfte, es eltern gab denen es egal ist das es sonntag ist und das man Geld auch zurücklegen kann um sich z.b etweas zu kaufen was die Eltern nicht grade für sinnvoll hilten (damals das regelwerk des schwarzen auges, auch eine katastrofe eigetnlich da sie es als anzeichen für satanismus hilten ((ich trug zu der zeit schon mehr schwarz und hörte Metalica)) )
Aber an einige dinge erinnere ich maich auch immer wieder gerne
eine davon ist als mein Kumpel mich das erstemal zu einer Rollenspiel gruppe mit hingeschliffen hat, ich hatte glaube danach niemals mehr solch ein spiel indem ich mich so verloren habe wie an diesem Abend…eine Liebe war geboren.
Ansonsten:
Ruhig angehn - erst mal schön…
Lage peilen - und dann mal sehn.
Stress ist schlecht - jetzt mal in echt.
Die Welt wird sich trotzdem noch drehen.
Ruhig angehn - so glaub es mir,
dann kriegt Dein Magen kein Geschwür.
Stress macht fett - und schlecht im Bett.
Statt ackern geh Dich amüsieren.
(wiedermal die Ärzte ^^