Voll langweilig
Viel ist nicht los. Ich hab am Wochenende fast nichts geschafft, weil die Erkältung in meinen Nebenhöhlen Amok läuft. Ein bisschen lektoriert/Korrektur gelesen, viel nachgedacht über meine berufliche Zukunft, etliches recherchiert. Und das ist alles eher weniger spannend für ein Blog.
Gestern haben wir uns Episode 6 der ersten Staffel von “Rome” angesehen. Was dann, ausser “Oz” die einzige Serie ist, die mich je wirklich interessiert hat, nachdem ich den Kinderschuhen entwachsen war. Als Kind war ich ein TV-Junkie. Noch zu jung, um selbst zu schreiben, und meistens mir selbst überlassen.
Und mir ist wieder mal aufgefallen, wie genial es wäre, meine Ideen/Worte auf dem Schirm zu sehen - Kino oder Fernsehen wäre mir ziemlich egal. Trotzdem läuft das fast auf einen kreativen death wish hinaus - welcher Autor ist schon damit zufrieden, wie es umgesetzt wird? Da werden Charaktere umgeschrieben, Sachen geschnitten, das Ende geändert. Hm.
Dann hat sich ein weiterer netter Kontakt nach Deutschland ergeben - und dann habe ich noch einen jungen Schweden am Hacken, der auch “writer” werden will. Auch super-nett. Wenn ich gerade selbst weniger produktiv bin, schaffe ich’s wenigstens noch, andere Leute zum Schreiben zu animieren oder den ein oder anderen Hinweis zu geben.
Recherche gestern war primär auf Youtube. Es gibt tatsächlich Leute, die in ein fremdes Land fahren, eine Kamera aus dem Taxi halten und 10 Minuten “Innenstadt” aufnehmen. Dank Youtube weiss ich jetzt sogar, wie das staatliche Fernsehen aussieht (17 Minuten). Ich weiss, wo die Amerikaner stationiert sind, wo die französischen Marine-Landetruppen ihre Wüstenübungen machen, und auch die Myspace-Seiten von diversen Amis, die gerade da stationiert sind, waren sehr ergiebig. Wenn auch sehr unappetitlich. Die kulturelle Arroganz der Amerikaner ist schwer zu ertragen, wenn die sich über das Land, in dem sie stationiert sind, lustig machen und, typisch, alles in den Dreck ziehen. Null Verständnis, null kulturelle awareness. Zwanzigjährige Proleten, die mit ihrem Schwanz wedeln, nur, weil sie Waffen tragen dürfen. Ganz ehrlich? Die Sorte verdient alles, was sie kriegt. Aber US Marines sind ja nicht gerade für ihre geistige Tiefe bekannt.
Ich habe sogar einen Artikel gefunden, wo jemand für drei Tage in der örtlichen Drogenszene abgetaucht ist. Sehr interessant. Jetzt muss ich nur noch meinen Charakter von A nach B bringen, obwohl der dazu im Moment so gar keine Lust zu haben scheint.
Hmmm. Andererseits sagt Schatzi, kann ich ein bisschen ’schummeln’ - denn die Leute, die wissen, wie’s wirklich läuft, sind nicht ohne weiteres greifbar, im Grunde sind die Details auch nicht wichtig, und ein beliebiger Leser wird sicher nicht ohne weiteres per Google rausfinden können, wo’s falsch war (wenn ich das schon nicht rausfinden kann). Ich muss nur, wie immer, mit einigem Selbstbewusstsein eine logische Lösung finden und darf mich nicht davon abhalten lassen, dass ich nicht weiss, wie’s läuft. Da kommt der Historiker durch - lieber Schulternzucken als Lügen oder Erfinden.
Ich behalte das Problem mal im Auge, schreibe eine Lösung, die Sinn macht, versuche rauszukriegen, ob was anderes ‘realistischer’ ist, und schreibe es um, wenn ich’s rauskriege. Ansonsten hab ich halt ‘gelogen’. Sitzt mir quer, aber ich kann nicht das ganze Buch daran aufhängen.
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