Die Heldin der Arbeitssuchenden
Bevor ich gleich ins Bett falle, noch ein Loblied auf eine unbesungene Heldin der britischen Arbeitswelt. Dazu eine ganz kleine Erklärung: Während in Deutschland primär die Arbeitslosen-Verwaltung Leute in Lohn und Brot bringt (was bei mir damals nicht geklappt hat …), oder alles per Eigeninitiative gelöst wird, gibt’s hier in Britannia einen florienden Geschäftszweig: Job Agencies.
In Job Agencies sitzen Leute, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammenbringen - gegen Bezahlung, versteht sich. Diese Leute sind oft spezialisiert. Ich zum Beispiel war registriert bei mehreren Agenturen, die sich auf mehrsprachliche Akademiker spezialisiert haben - aber es gibt Agenturen für alles mögliche: IT-Arbeiter, Bürokräfte, oft hat man Spezialisierungen in einer Agency zusammengefasst. Einer kümmert sich um deutsch-sprachige Leute im Bereich Marketing/Sales, ein anderer bringt Uebersetzer und Medienleute unter.
Diese Leute fahren raus, treffen Personaler, lesen Lebensläufe, finden geeignete Kandidaten für offene Stellen, und schicken die dann bei den Firmen vorbei. Wird der Kandidat genommen, bekommt die Agentur, wo der Agent arbeitet, 17-20% von dessen Jahresgehalt als Provision - gezahlt vom Arbeitgeber. Von dieser Fang-Prämie bekommt der Agent, je nach Erfahrung und Zahl an “Abschlüssen”, die er macht, einen bestimmten Anteil. Gehen wir vom Durchschnittsgehalt in London aus, dann kommen sehr schnell 5-6tausend Pfund zusammen (ich war deutlich günstiger).
Das alles ist für den Kandidaten - also Arbeitssuchende wie mich - kostenlos. Manche Agenten kümmern sich, anderen geht’s um den schnellen Abschluss. Viele Agenten stellen sich bei der Vermittlung auch komplett auf die Seite der Arbeitgeber — da wird dann auch schonmal emotionale Erpressung betrieben (”Ich hab denen versprochen, dass du heute noch zusagst”).
Der Job Agent übernimmt auch das Geschacher um’s Gehalt. Je höher dieses ausfällt, desto mehr Provision, ist klar. Manchmal schachert der Agent auch gar nicht (wenn er zum Beispiel dem Arbeitgeber im Interesse weiterer Aufträge ergeben ist und sich hat einreden lassen, die Firma müsse sparen, oder so ein Unsinn).
Wie man erkennen kann, geht’s darum, schnell Leute unterzubringen, und beraten passiert oft gar nicht. Bei krassen Agenturen wird man wirklich zur Ware. Wenn denen der Lebenlauf nicht gefällt, bekommt man nie Angebote - dann muss man selbst wieder aktiv werden. Wenn aber gerade “der Typ gefragt ist”, dann kann man sich manchmal nicht retten vor Interesse.
Von allen Agenten, mit denen ich zu tun hatte, steht eine mit Kopf und Schultern über der Masse. Am Ende hat sie mich nicht vermittelt - ich hab ein anderes Angebot angenommen - aber in der Zitterphase hat sie mich super beraten, mich beruhigt, mir das Händchen gehalten, und mir Optionen gezeigt, mir Mut gemacht, und mir den Rücken gestärkt wie eine echte Freundin.
Dabei sollte, nach den Gesetzen des brutalen Turbo-Kapitalismus’, der den Jobmarkt hier beherrscht, das eigentlich eine totale Zeit- und Kraftverschwendung sein; es kann sich nicht rechnen - und besonders tragisch, wenn die Vermittlung nicht zustande kommt. Verlorene Zeit, verlorene Energie, verlorenes Geld.
Ihre Agentur heisst Languagematters. Für meine Begriffe die beste, schnellste & effizienteste Agentur für Mehrsprachliche in London. Und meine Beraterin ist Ramona Boehnstedt. Wir haben uns irgendwie vom ersten Moment an gemocht, und sie hat mir die ganze Zeit ganz lieb und menschlich warm und klug die Hand gehalten (ich bin kein schöner Anblick, wenn ich so die Nerven verliere).
Ich muss die Tage mit einem Blümchen und Pralinen vorbeistiefeln, am Leicester Square. Phantastisch, dass es solche Menschen gibt. Und wenn die neue Firma nichts ist, rufe ich Ramona an, und sonst niemanden. Ich mag die anderen Agenturen nicht mehr haben, zu kalt, zu stressig, zu sehr auf den schnellen Verkauf des Frischfleisches aus.
Danke dir, Ramona, du bist toll.
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September 28th, 2007 at 1:46 pm
Hi Alex,
Ramona hat mir den Link gemailt.
Ich bin ihr Freund und kann nur sagen: Danke! Du glaubst gar nicht wie sehr sie sich darüber gefreut hat und es ihr bedeutet.
Schön zu sehen, dass es noch nette Menschen gibt.
Gruß Carsten
September 28th, 2007 at 10:30 pm
Hi Carsten,
du hast ne tolle Frau und das war das mindeste, was ich tun kann. Sie hat mich fantastisch unterstuetzt, und ich schicke ihr jetzt alle meine genauso frustrierten Kollegen - vielleicht kann sie von denen wen unterbringen.
Weisst du, was fuer ne Sorte Pralinen sie mag? (Blumen hat sie mir verboten, aber Pralinen lass ich mir nicht nehmen …)