Ich bin schockiert

Nun, halten wir fest, dass ich nicht einmal den Job/die Karriere wechseln kann, ohne ein massives Drama für alle Beteiligten zu erzeugen - zwei Job-Agenten, und alle meine Freunde & Bekannte, inklusive einer sehr netten Lady, die mir morgens den Kaffee brüht.

Ich habe gekündigt, und es war schön. Mein Chef rieb sich über’s Gesicht und sagte: “Das Timing könnte nicht schlimmer sein”, die Personalerin versuchte, mir Stress zu machen (”Wir entlassen niemanden früher aus dem Vertrag, das haben wir noch nie getan!”), aber Chef hat mich ne Woche früher gehen lassen. So komme ich zu einer Woche Urlaub (die ich jetzt echt brauche), und fange meinen neuen Job am 29. Oktober an.

Ich bin frei!

Ich war erst bei einem anderen Interview - wieder Marketing Research - aber offenbar gehört es da zum Job, gelegentlich aus Restaurants, Cafés und Hotels rausgeworfen zu werden, weil man auf fremdem Grundstück Fotos macht. Damit hab ich so meine Probleme - selbst wenn sie mehr zahlen als ich im Moment kriege. Und die Leute waren nett, schönes Büro, auf der anderen Seite von London, echt schöne Gegend. Und ansonsten lief das Interview auch sehr gut. Aber … ich habe auf diversen Produktmessen echt ein paar unschöne Erfahrungen gemacht (”Was tun Sie hier?” - “*Erklärung*” - “Verpiss dich!”) - und ich kann und will nicht gegen die Interessen anderer handeln. Das belastet mich, das macht auch keinen Spass. Vielleicht bin ich nicht konfliktfähig, oder zu moralisch, aber ich bin einfach nicht kaltblütig.

Meine Mutter hat immer gesagt: “Handle so, dass du dir jeden Morgen im Spiegel in die Augen blicken kannst.”

Studium mittelalterlicher Geschichte führt auch noch zu ganz altmodischen Werten wie Ehre, Integrität, und “Gesicht” - ich weiss, dass die aus der Mode sind, aber ich will keinen Job, der dagegen verstösst.

Ich sprach dann mit meiner zukünftigen Chefin, fragte sie, wie das day-to-day business bei der Firma aussieht, und sie hat alle Aengste ausgeraeumt. Ich muss nichts verkaufen - nur representativ sein, ich muss nichts aus Leuten rausziehen, die wollen mit uns reden, und sind im allgemeinen nett und offen (ist für die kostenfreie Werbung, und wir sind ein big name).

Nachdem viele Jobs im Marketing Research-Bereich so sind wie oben beschrieben, habe ich beschlossen, dass ich mich auf die Finanzer einlasse.  Was ironisch ist, weil ich gerade mal so eben mit meinem Bankkonto klarkomme. Ich weiss nichts über Private Equity, nur, dass es keine “Heuschrecken” sind, wie der SPIEGEL - in üblicher BILD-Manier - 2005 schrieb.

Alle Leute, die ich in dem Bereich getroffen habe, waren kultivierte, sozial intelligente, sehr höfliche Menschen (ganz gegen mein eigenes Stereotyp); diese Sozialintelligenz macht es einfach, mit ihnen zu interagieren. Natürlich habe ich Angst wegen Stallgeruch und so - ob ich als hochgeschufteter Prolet zwischen den massgeschneiderten Anzügen nicht zu weit raussteche - ich meine, Autor, Rollenspieler, Geek … und die glauben trotzdem, ich passe zu ihnen. Okay. Ich hab Angst, und freue mich wie Larry - endlich wieder lernen, endlich entwickeln, endlich Kontakt mit Menschen. Ich werde halb forschen, halb networken. Und kann meine Anzüge tragen, und meine Manschettenknöpfe (ich *liebe* Manschettenknöpfe - der einzige Grund, Hemden zu tragen, wenn ihr mich fragt …). Und alle 6 Wochen nach Deutschland fliegen! (Frankfurt, was eher nicht so dolle ist, aber in der Nähe von FFM wohnen Freunde… und ich kann gelegentlich Urlaubstage reinbuttern, um in Deutschland zu bleiben & meine Freunde zu besuchen. FFM ist ja per ICE und IC gut angebunden :) ).

Und da Schatzi um die Ecke arbeitet, können wir uns zum Lunchen in einem der vielen Banker-Cafés treffen. Es ist der Hammer. Ich hätte nie gedacht, dass ich da reinpassen/-finden könnte. Und so fliessend aus der aktuellen Firma wegkomme.

Der Hammer. Ich bin echt fertig (okay, wegen Vollmond drei Nächte richtig schlecht geschlafen …), und werde meine letzten drei Wochen im alten Job mit einem feisten Grinsen absolvieren. Jetzt kommt der schöne Teil: Abschiedsfeiern.

Und am 16. heisst es dann: “… und danke für den Fisch!”

Ich kann’s nicht erwarten.

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4 Comments on “Ich bin schockiert”

  1. Stefan Graf Says:

    Irgendwie passt der Titel des Beitrags nicht so ganz zu dem Inhalt! ;)

    Freut mich, dass du eine Stelle gefunden hast die dir zusagt.
    Klingt nach einem dicken fetten Smiley im Kalender! :D

  2. Indigo Says:

    Klingt Sahne, Gratulation! Dann wünsch ich dir mal alles gute für deinen neuen Job!

  3. Mao-B Says:

    G R A T Z ! Und viel Erfolg im neuen Job :-D

  4. AlexW Says:

    Danke! :)

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