Buch 3 erstmal zurückgestellt
Im Moment gehe ich 3-4 mal die Woche ins Fitness-Studio; vielleicht schaffe ich’s, das auch in Essen aufrechtzuerhalten (Das Holiday Inn hat einen “Fitnessraum”). Wäre schön, ich fühle mich wohler in meiner Haut, wenn ich den Stress rausarbeite.
Die letzte Arbeitswoche war sehr seltsam (und ich muss Montag & Dienstag wieder hin, Dienstag wenigstens zum allerletzen Mal) - ich hab fast angefangen, mir einzubilden, mein Job wäre ja gar nicht so schlimm. Aber das lag daran, weil ich in den letzten 2 Wochen tatsächlich einiges an Abwechslung hatte. Die letzten 2 Tage dagegen habe ich wieder denselben Dreck gemacht wie die letzten 18 Monate vorher - Pseudoanalysen schreiben tut meinem Hirn einfach weh. Montag und Dienstag schreibe ich davon nur noch eine - die letzte meines Lebens. Ich weiss nicht, ob ich sie werde “geniessen” können; ich werde, denke ich, einfach nur erleichtert sein.
Meine unmittelbare Vorgesetzte ist zur ANUGA unterwegs, Chef ist in Florida. Die Temp ist wieder weg, und die Halbe Stellen-Frau ist am Dienstag da. Wir sind also dann ca zweieinhalb Leute. Das ist okay. Meine unmittelbare Vorgesetzte hat mich gestern dann sogar kurz umärmelt, und ich hab mir eingebildet, sie sei gar nicht so schlimm. Aber auch das ist der rosige Schimmer des Gekündigten.
Ansonsten stelle ich gerade meine Planung für meine Bücher um - ich schiebe Kreuzzug/Feindesland nach hinten, was finanzielle Gründe hat. Ich bin ab November auf etwas weniger Gehalt, und muss zusehen, dass ich an meine Kohle komme. Da manche Honorare noch nicht bezahlt wurden, muss ich mich auf Bücher konzentrieren, die eventuell Geld bringen.
Wenn die Honorar-Forderungen beglichen sind, mache ich mich gern wieder an die Arbeit, aber im Moment bin ich doch etwas, sagen wir, ungehalten. Mal sehen, wie sie auf die freundliche Erinnerungs-Email reagieren.
Das heisst nicht, dass ich Buch 3 nicht schreiben werde - das heisst im Moment nur, dass es auf der Prioritätenliste deutlich hinter den Familienroman rutscht. Der sollte bis spätestens Mai fertig werden - und das wird noch ein hartes Stück Arbeit. Im Moment recherchiere ich dafür internationale Waffengeschäfte - und werde dafür auch sicher noch ein paar Amazon-Pakete ordern. Die Schreiberei deckt im Moment gerade mal meine Recherche-Kosten, und deshalb ist es auch so wichtig, dass ich mein Geld irgendwann mal bekomme; Recherche, wie ich sie mache, ist nunmal richtig teuer, aber dafür weiss ich nach der Recherche auch real etwas über das, was ich schreibe.
Nehmen wir als Beispiel Kapitel 7. Plotmaessig passiert ein bisschen was, aber im wesentlichen beweist sich ein Charakter gegenüber einem anderen. Dieser andere ist einer der wichtigen Nebendarsteller, und seines Zeichens Waffenhändler. Mein Hauptcharakter will sich dem gegenüber beweisen & in das Geschäft einsteigen. Wieviel weiss Klein Alex über internationale Waffendeals? Nur, was so ziemlich schlecht und oberflächlich recherchiert im SPIEGEL gestanden hat.
Reicht mir das? Antwort: Nein. Ich muss wissen, wie der Charakter denkt. Ich muss wissen, welche Deals ihm gerade im Kopf rumgehen, was ihn geprägt hat, wieviel Geld er damit real verdient (soviel ist klar, es ist kein armer Schlucker), ich muss wissen, was er als Insider denkt, dass das besonders wichtig für das Business ist. Ich muss mir seine Position zueigen machen, denn sonst bekommt ihr keinen echten Waffenhändler, sondern das Klischee eines Waffenhändlers, das wir alle, durch Fernsehen und Kino vergiftet geprägt konditioniert im Kopf haben. Wie komme ich da hin? Meistens gehe ich zum Human Rights-Regal in einem grossen, gut sortierten Buchladen. Foyles in London, zum Beispiel. Und verbringe eine vergnügliche halbe oder ganze Stunde damit, mir ins Ruhe anzusehen, was die Buchhändler bei Foyles für gut halten (und deren Auswahl ist meistens richtig gut). Dann nehme ich den Stapel mit, meist 3-4 Bücher, bringe die nach Hause, arbeite sie durch, und recherchiere parallel offene Fragen auf anderem Wege. Aber ohne Bücher geht gar nichts. Und solche Bücher sind, anders als Dan Brown-Reisser, meistens auch teuer und werden nicht reduziert.
Und dann setze ich mich hin und schreibe über einen echten Waffenhändler, der sich während der Recherche in meinem Kopf herauskristallisiert hat. Klar, Klischees wären billiger, aber damit will ich weder meine noch eure Zeit verschwenden.
Deshalb muss ich bezahlt werden. Der Spass ist teuer, und ich will trotzdem gelegentlich in den Urlaub oder nach Deutschland fliegen. Und deshalb liegt Buch 3 erstmal auf Eis. Sorry für die Verzögerung, aber es ist wirklich nicht meine Schuld. ![]()
October 15th, 2007 at 11:19 am
Schau dir mal “Lord of War” an!
Handelt genau von dem Thema!
“Waffenhandel”
October 27th, 2007 at 10:52 am
Hab ich.
Und wird auch ausgeschlachtet …