Nur noch Menstruationsopern?
Das sehr geile Buchprojekt einer Freundin ist auf der Frankfurter Buchmesse auf wenig Gegenliebe gestossen; ähnliches höre ich auch von anderen schreibenden Freunden, deren Bücher nicht verkaufbar sind.
Der Grund: sie haben männliche Hauptcharaktere.
Wir wollen also festhalten, dass die deutsche Buchszene im Moment einem umgekehrten Sexismus verfallen ist: Männer als Hauptcharaktere Pfui! Frauen als Hauptcharaktere Hui!
Die Buchszene hat sich also einem Fiebertraum Alice Schwarzers unterworfen. Alle historischen Romane sind jetzt komplett auf die angeblich weibliche Zielgruppe gepolt. Komplett. Abweichler werden weder gekauft, noch gedruckt, nicht beworben … usw. Vorauseilender Gehorsam gegenüber der Käuferschicht.
Im Marketing nennt man die Kopie eines erfolgreichen Produktes ein “Me too” (”Ich auch!”)-Produkt. Der deutsche Buchladen ist voller Me Toos, Me Threes, Me Fours.
Alles kopiert die Frauen-Schmöker. Mittlerweile hat man das Gefühl, es *gab* gar keine Männer in der Vergangenheit, und wenn, dann haben sie nichts wesentliches geleistet oder hergestellt.
Das ganze ist der unheilvolle Ausfluss des “historischen Liebesromans”. Die Kostüm-Fickereien, meist von amerikanischen Autoren zusammengestümpert, von deutschen Verlagen im Dutzend billig eingekauft, ein Ausschnitt von einem Oelschinken als Cover draufgeklatscht, mies von unterbezahlten Uebersetzern runterübersetzt und dann tonnenweise in die Regale mit dem Zeug.
Das ist richtig gut gelaufen, und mittlerweile sind alle historischen Romane so. Alle 50 Seiten wird gefickt. Der Hauptcharakter ist weiblich (typisch Liebesroman), und wir erleben ein “Frauenschicksal”. Und die typische Dinge, die Frauen machen. Sie werden sexuell belästigt, vergewaltigt, misshandelt, kämpfen gegen Nebenbuhlerinnen um den begehrten Mann, haben Sex, emanzipieren sich, übertreffen alle Männer, werden schwanger, gebähren, erleiden Fehlgeburten, verheiraten ihre Kinder …
Der Mann im historischen Roman definiert sich durch seine Taten. Die Frau im historischen Roman definiert sich durch ihren Unterleib/ihre Biologie. Männer sind Subjekte der Geschichte, Frauen sind Objekte ihrer Hormone.
Und das Zeug müssen wir lesen? Das Zeug wird gekauft?
Unfassbar. Es geht also nicht mehr um Geschichte, sondern nur noch um Eierstöcke.
Ich glaube, ich lass das mit der Schreiberei und male ab jetzt Aquarelle.
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November 5th, 2007 at 9:51 am
Du kannst jetzt nicht aufhören… ich warte auf die \
November 5th, 2007 at 9:52 am
… sollte eigentlich heissen:
Ich warte auf die Fortsetzung von den Tränen.
Fortsetzung in Anführungszeichen.
…aber die kann dein Blog-Script scheinbar nicht!
November 5th, 2007 at 11:01 am
Hihi, sozusagen der historische Eierstock. Genau deshalb lese ich im Moment keine historischen Romane mehr. Ist sehr viel Schund dabei und bei dem Überangebot schwer die Spreu vom Weizen zu trennen. Nichts gegen weibliche Hauptcharaktere, aber so bitte nicht.
Als Schottland-freud kann man sich in den entsprechenden Foren vor Gabaldon-Schmacht-Threads oft kaum noch retten.
BTW: DAs passt hier gerade: Habe mir gestern bei Amazon die BBC-Verfilung von E. Gaskels “Wives and Daughters” bestellt. Gut 3 Stunden gute Historienunterhaltung mit weiblichen Hauptcharakteren ohne Eierstöcke. Freu mich schon drauf. Äh, muss ich mich jetzt schämen, weil Mann sowas gerne schaut? ;o))
November 6th, 2007 at 1:06 am
Jawoll, wir hoeren jetzt gleich sofort (jetzt, hoerste? Wie, biste immer noch dabei? Gezz iss aber schluss!) mit dem Schreiben auf, und waehrend Du huebsch Aquarelle malst, stricke oder sticke ich was Nettes fuer die zukuenftigen Kinder und Kindeskinder, denn sonst waere meine Existenz ja nicht erfuellt. Gelle?
Jetz aber mal sofort wech mit den Soldaten und hin mit den Soldatinnen, am besten noch alle als Maenner vekleidet, nie auffallend, und schwer im Kampfgetuemmel in hautengen breeches, darob sich unter Kugelhagel in gutausehenden Feind vergucken und ihn dann anonym freilasse, wenn Rhett Butler Typ Feind gefangengenommen wird, und so weiter und so fort. Vielleicht ist’s genehm im Englischen Buergerkrieg?
*wuerg*
November 9th, 2007 at 1:21 am
Danke. Endlich sagt´s mal jemand lauter als nur im Geheimen!
(Und trotzdem liebe ich Maeve Binchys Romane
)
November 11th, 2007 at 5:23 pm
@Stefan: Nein, Nummer 3 mache ich auf jeden Fall fertig …
@Oliver: Nein, schaemen musst du dich nicht - ich kann sowas nur gar nicht geniessen…
Aber ist ales GEschmackssache. Gabaldon & Clone finde ich aber unsaeglich.
@Marquesate: Weisst du, das wuerde sich sogar verkaufen - in Deutschland zumindest *wuerg*
@Franzi: Wie, auch Leidtragende?
November 16th, 2007 at 12:58 am
Welch offene Worte
Ich muss auch immer grinsen, wenn ich diese Reihe bei Weltbild sehe, teilweise sind die Cover einfach zu geil: Der dunkelhaarige Wikinger und so
November 17th, 2007 at 4:10 pm
@Bernd: Ja, “historisch” ist da nur der Untertitel und das Weltbild an sich. *hust* Was da teilweise auch fuer reaktionaerer Dreck drunter ist …