Alex spielt: Assassin’s Creed

Obwohl Gears of War (stimmt das, ist das Spiel in Deutschland indiziert???) ja mein erklaertes Lieblingsspiel ist, und ich kürzlich wieder einmal von vorne angefangen habe (bin gerade im “Nightfall”-Kapitel), finden ja durchaus auch andere lang erwartete Spiele den Weg zu uns.

Schatzi hat eine ganze, riesige Kollektion - meist “taktische Shooter” oder “Rollenspiele”. Wir haben die ganze Tom Clancy-Reihe, die Splinter Cell-Reihe - und da passte Assassin’s Creed genau in unser Profil.

Fuer mich unter anderem auch deshalb, weil Assassin’s Creed (im folgenden jetzt “AC”) extrem geil aussah im Trailer; es kam recht historisch rueber, und allein, wie die mittelalterlichen Staedte Damaskus, Jerusalem und andere animiert/eingebaut waren, gefiel mir sehr gut.

Also hat Schatzi gestern bei GAME (Computerspiel-Kette) AC gekauft. Und mir in der Mittagspause vorbeigebracht, Logik: Dann kannst du spielen, wenn ich abends beim Rollenspiel bin. Ruecksichtsvoll isser definitiv (es sei denn, es geht um Hausarbeit…).

Alles Folgende hat SPOILER. Wer weiterliest ist selber schuld.

AC ist allerdings nicht, wie der Trailer erwarten laesst, ein Spiel, dass komplett im Mittelalter spielt. Es gibt eine zweite Handlung, die sich um einen Barkeeper dreht, der von zwei irren Wissenschaftlern gefangen gehalten wird, die ihn auf einen “Animus” legen - kurz gesagt eine Maschine, die seine DNA liest. Laut der Theorie des Wissenschaftlers sind die Erinnerung der Vorfahren in unseren Genen gespeichert.

Coole Sache, eigentlich - und hat “FORTSETZUNG” ganz gross in die Praemisse geschrieben.

Nur reisst dieser Nebenplot den eigentlichen Hauptplot auseinander. Der verrueckte Wissenschaftler will an die verschluesselten Informationen in der DNA des Bartenders kommen, und dafuer muss dieser die Erlebnisse seines Vorfahren (”the Ancestor”) durchleben - also das eigentliche Spiel. Der Barkeeper ist ein totdroeger, langweiliger, bockiger, kindischer kleiner Drecksack, den man auch ’spielt’, der aber rein gar nichts tun kann, weil ihm alles moegliche erklaert wird - gaehn - und der im Grunde nur Versuchskaninchen ist.

Ausserdem ist er der erste “farbige” Hauptcharakter in einem Xbox360-Spiel, der nicht ein ‘Gangsta’ ist. Kaputzenpulli traegt er trotzdem.

Und wem das alles politisch zu inkorrekt ist, fuer den beginnt das Spiel mit dem Hinweis: “Dieses Spiel wurde geschaffen von einem multikulturellen Team von Leuten mit verschiedensten religioesen Hintergruenden”. Alles klar - man kann also nichts ueber farbige (muslimische?) Charaktere machen, ohne, dass man sich nach allen Seiten hin absichern muss?

Dabei ist die Idee, einen Assassinen (”Haschaschin”) zu spielen, also einen der Killer einer fanatischen Splittersekte des Islam, die den Kreuzfahrern im Mittelalter boeses Kopfzerbrechen bereitet haben, eine sehr geile Idee. Dann so einen “wir sind uns unserer Verantwortung als Spieledesigner voellig bewusst”-Sticker draufzukleben ist doch echt ein bisschen doof, oder?

Innerhalb des Spiels kann man sich komplett frei bewegen, wenn man nicht gerade durch leuchtende Waende abgehalten wird, die immer dann erscheinen, wenn man seine Aufgaben nicht geloest hat - wohl, um ein Verlaufen im Spiel zu verhindern. Ansonsten kann man ueber Daecher balanzieren, Waende hochlaufen/klettern, von hohen Tuermen runterspringen (”leap of faith”) und dabei in Heukarren landen - und es ist wunderschoen designt und animiert, mit liebevollen Details ohne Ende. Altair (dem Assassinen) fehlt ein Finger. Er traegt naemlich eine Klinge im Armschoner, die, wenn er die Faust schliesst, nach von gleitet - in die Luecke des Ringfingers. Wir koennen vermuten, dass der Ringfinger absichtlich entfernt wurde, um das Messer besser einsetzen zu koennen. Wie saucool.

Leider ist die “Immersion” (das Eintauchen in die Welt) immer wieder behindert durch den Gegenwarts-Plot, der langweilig, nervig und ueberhaupt total ueberfluessig ist. Als haetten die Spieleschmiede Angst gehabt, Kiddies mit einem Spiel im Mittelalter zu ueberfordern. Ich jedenfalls bin immer total genervt, wenn der Mittelalter-Plot unterbrochen wird.

Kommen wir zum Plot. Oh weia. Der Plot ist echt nichts, ueber das es sich lohnt zu berichten. Erst ist man der krasses Ober-Assassine, dann macht man nen Fehler, dann wird man bestraft (angeblich getoetet… aber natuerlich ist das alles nicht “echt”, *gaehn*), dann muss man sich wieder hocharbeiten, von A nach B reiten, laufen, klettern, dabei massig Leute umbringen - die eigentliche Aufgabe scheint zu sein (ich hab’s noch nicht durchgespielt) neun Leute umzubringen, und ich hab gerade den ersten, in Damaskus. Und falls es euch gewagt vorkommt, einen drogensuechtigen Selbstmordattentaeter des Mittelalters zu spielen - das sind nicht die echten Haschaschin. Diese hier sind - jedenfalls nach Fassung der Designer des Spiels - ganz nette Leute - alle ihre Opfer waren schuldig, und die Kreuzritter sind alle fies & korrupt. Sie toeten, um den Frieden zu sichern. Wer sich dabei an der Rechtfertigungen der politischen Morde durch den CIA erinnert fuehlt, hat damit sicher recht. Fuer den Frieden ist die Metzelei immer okay, ganz klar. Bitte whuzz?

Lachen musste ich, als mein Assassine einen “Waffenhaendler” umbringen musste. Da waren die Amis ein bisschen … sagen wir … unhistorisch. Waffenhaendler waren nicht die boesen Gesetzesbrecher, die sie heute sind. Da hat wer versucht, die “Boesen” aus anderen Zeiten ins Mittelalter zu uebersetzen. Ich biete mich gern als historical consultant an beim naechsten Spiel.

Den duennen Plot koennte man verziehen (ich meine, ich LIEBE Gears of War, und das ist echt kein Tolstoi), aber der Dialog ist richtig scheisse. Ich hoffe, dass sie ein paar talentierte Autoren fuer die deutsche Fassung nehmen. Das Voice Acting und auch die andere “schauspielerische Leistung” der beiden Hauptcharaktere ist richtig schlecht - der Rest spielt/spricht okay.

Dazu … Assassin’s Creed nimmt sich selbst nicht nur ernst, es nimmt sich bitter ernst. Lachen verboten (anders als bei Gears of War). Der Hauptcharakter ist ein arrogantes Arschloch, der “cool” sein will, aber nur wirkt wie ein verzogener Teenager. Zielgruppe ist also klar - andere bockige Teenager.

Motivation des Charakters? Fehlanzeige. Seine Motivation ist reiner Gehorsam, sein Nachfahre hat gar keine Motivation. Wen interessieren solche Charaktere?

Fazit: Das optisch & technisch schoenste Spiel, das ich seit langem gesehen habe, und ich werd’s wohl auch durchspielen, aber beim naechsten Mal bitte einen guten Autoren/Drehbuchschreiber/Hauptdarsteller anheuern, bitte. Das nervt naemlich echt und macht den Gesamteindruck kaputt, und die *anderen* Leute im Team haben sich offensichtlich sehr viel Muehe gegeben.

Fazit des Fazits: Ich spiel’s fertig, und danach dann Gears of War oder Deus Ex. Nicht ganz so shiny, aber ohne Nerv-Effekt, mit Charakteren, die mir was bedeuten.

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2 Comments on “Alex spielt: Assassin’s Creed”

  1. Jari Says:

    Interessant! Hatte gerade (keine 3 Stunden her) einen Beitrag im deutschen TV über das Spiel gesehen und mir überlegt, ob ich mir nicht doch eine Konsole zulegen sollte. Grafik hat mich schon sehr angesprochen und diese Freiheit fand ich auch sehr nett. Kenne ich sonst von keinem Spiel. Das man den Auftrag lösen kann wie man will ist nicht neu (Hitman), trägt aber auch zur Atmosphäre bei.

    Das unbedingt der “politisch korrekt”-Stempel drauf muss, finde ich aber entäuschend. Gibt doch genügend Spiele bei denen es nicht ist. Z.B. GTA, da bekommt man für Cop-killen Geld und Punkte, kann zum Pimp werden und verkauft Drogen.

    Ich denke, ich würde aber trotzdem Freude an dem Spiel haben. Dazu kenne ich mich mit der Historie nicht genug aus, um solche Ungereimtheiten zu erkennen.

    Worauf läuft AC bei dir zuhaus?

  2. AlexW Says:

    Auf der Xbox360. :) Es ist manchmal langwierig (gerade die Sub-Questen nerven nach 8-10 Stunden Spiel schon), ich wuerde also vielleicht warten, bis es gebraucht oder guenstiger zu haben ist.

    Und alles wartet gespannt auf Mass Effect :)

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