No Rest for the Wicked
Gestern sind wir frueh nach Coventry gefahren, zu Schatzis Grossmutter. Seine Schwester kam auch - Weihnachtsgeschenke abgeladen, geredet, festgestellt, dass seine Verwandtschaft im allgemeinen weniger wahnsinnig und netter ist als meine (im Durchschnitt, wie gesagt, Ausnahmen bestaetigen die Regel).
Gestern spaet abends nach Hause gekommen, und es drohen drei Projekte, die ich teils vorbereiten, teils abschliessen, teils schreiben muss. Prisoners & Exiles fuer Fading Suns, das Familiendrama, und ein Co-Projekt, das wieder was ganz anderes ist.
Zum Familiendrama gibt’s ein paar Neuigkeiten - naemlich, dass die Verlage beim “Genrewechsel” das ganze Manuskript haben wollen. 120 Seiten sind nicht genug. Offenbar ruiniert man sich den “Ruf”, wenn man “Genre” schreibt. Fantasy, SF, Cyberpunk, alles egal, offenbar kann ein “Fantasy-Autor” selbst bei einem Mainstream-Buch nicht aus seiner Haut. Glauben die denn, im letzten Kapitel lasse ich einen Drachen durchs Bild fliegen? Wenn es eine Elben-Invasion gaebe, haette ich die doch bestimmt im Exposee erwaehnt, oder?
Oder vielleicht bin ich nur in meiner Eitelkeit angeknabbert, weil ich die letzten 4 Buecher nur auf Basis vom Exposee (und am Anfang noch mit Probekapiteln) verkauft habe. Vielleicht soll mich das wieder auf den Boden zurueckholen. Ist auch gut. Ich glaube nach wie vor an dieses Buch, und laut Agenten-Freundin ist es deutlich besser als im ersten Entwurf. Ich muss mich halt einfach bis Mai durch die geschaetzten 400 Seiten kaempfen, die das Buch noch an Laenge hat. Denn dann hab ich einen Monat zur Ueberarbeitung und dann kriegen die Lektoren den Text genau in ihrer Urlaubszeit vor der Frankfurter Buchmesse.
Ich darf mich nur nicht ablenken lassen und das Ding jetzt durchziehen. Ich arbeite ja immer an mehreren Projekten gleichzeitig (und seit bald 18 Monaten an der Soldatenoper), aber das Familiendrama muss jetzt wenigstens bis Mai absolute Prioritaet bekommen, sonst schaffe ich das nie, 400 Seiten in 4 Monaten. Kleinkram kann ich nebenbei noch immer schreiben, logisch, wenn ich mal eine Stunde zwischendurch habe, aber die Kern-Kreativzeit geht drauf fuer dieses Buch. Es geht nicht anders.
Ausserdem denke ich gerade ueber ein Sachbuch nach. Durch meinen Beruf habe ich fantastische Quellen in einem Bereich, der nicht nur boomt, sondern real Leben veraendert - die Art, wie die deutsche/oesterreichische/schweizerische Wirtschaft funktioniert und wie sich das Geld bewegt. Das fuer den “Mainstream” verstaendlich aufzuarbeiten ist mit Sicherheit eine spannende Kiste - und ich habe privilegierten Zugriff auf die Leute, die diese Veraenderungen vorantreiben. Ausserdem laesst sich im Sachbuch real Geld verdienen. Und, verdammt, ich langweile mich einfach zu schnell in einem Bereich. Ich bin ein Generalist, und ich brauche staendig neue Herausforderungen. Ich mache bis Mitte des Jahres einen Plan dafuer, bequatsche das mit meinen “Klienten” - wenn die nein sagen, stirbt das Kind vor der Geburt - und dann suche ich mir einen Verlag. Andererseits habe ich mittlerweile eine Handvoll sehr nette und hilfsbereite Kontakte, und ich bin in der privilegierten Situation, diese auch zusammenfuehren zu koennen.
Anyway. Plaene habe ich massenweise. Im neuen Jahr werde ich mich ein bisschen mehr aufs Geldverdienen konzentrieren. Weniger unbezahlt oder “auf Verdacht” oder “gering bezahlt”, und mehr auf das konzentrieren, was die Kohle bringt oder bringen kann. Ich will irgendwann eine Immobilie kaufen, ich will ein bisschen finanzielle Sicherheit, was zuruecklegen fuer spaeter, oder falls was Schlimmes passiert. Bin ein Mai-Stier, ein bisschen Sicherheit ist schon ne feine Sache; das ist, bisher, mein Vorsatz fuer 2008.
Aber bis dahin kaempfe ich an fuenfzehn Fronten und darf meinen Hauptkriegsschauplatz nicht aus den Augen verlieren: Dieses. Buch. An. Dem. Ich. Seit. 1999. Arbeite. Ich hab das immer fuer nen Witz gehalten, dass Autoren laenger als, sagen wir, 2 Jahre an einem Buch arbeiten. Nein. Das kann passieren, und es ist eine Plackerei, aber was muss, das muss.
Entsprechend werde ich Weihnachten recherchieren, schreiben, und ich hoffe, dass ich wenigstens die naechsten 3 Kapitel soweit erledigt bekomme. No Rest for the Wicked.
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