Emotional durch

Im Moment bin ich emotional vollkommen untauglich. Mir geht viel im Kopf rum, und dann wieder gar nichts.

Tatsache  ist, dass in mir im Moment keine Charaktere sind. Ich schreibe zwar ein bisschen an der Soldaten-Oper, aber da reagiere ich im Moment nur noch auf die Zuwuerfe meines Co-Autors. Selbst lebt in mir gar nichts.  Manchmal blitzt was auf, aber es ist nicht genug, um auch nur eine Szene zu bekommen. Eher der Impuls zu schreiben als irgendetwas, was ich schreiben koennen wuerde.

Meine Charaktere sind alles Fremde, die hier laengst nicht mehr leben.

Ich kriege auch keinen Zugang zu irgendeinem der angefangenen Projekte, nicht mal die 160 Seiten des Familiendramas loesen irgendwas in mir aus. Totgeburt? Keine Ahnung. Im Moment bin ich kein Autor - nur “Zivilist”.  Seit der Mitte von Fatimas Traenen ging’s eigentlich bergab, seit Ende 2007 wurden die Intervalle groesser.

Vermutlich wie ein Kerl, der schleichend impotent wird. Ich vermisse es, mental, emotional, ja, aber ich bin nicht ungluecklich. Nur kreativ leer.  Meine Emotionen bewegen sich auf recht gleichmaessigem Niveau - bei allem spuere ich eine gewisse, schulterzuckende Distanz. Sachtexte schreiben geht, das geht immer, ich glaube nicht, dass ich bei wissenschaftlichen Arbeiten je wirklich ne Blockade hatte. Aber kreativ ruehrt sich nichts.

Ob das ganze mit der Transition zusammenhaengt, weiss ich nicht. Ich hab selbst mit Depressionen geschrieben. Ich habe selbst geschrieben, wenn jeder zweite Gedanke  war, ob ich mich nicht besser umbringen soll. Nur, weil ich die Transition auf einen Zeitpunkt verschiebe, wenn ich es mir leisten kann (finanziell, mental, beruflich) - vielleicht noch 1-2 Jahre … das kann meine Charaktere nicht vertrieben haben. Ich habe selbst unter krasseren Umstaenden und eigentlich immer geschrieben.

Vielleicht ist es der Stress. Ich liebe meinen Job. Vielleicht aber auch Faulheit, fehlende Disziplin, vielleicht lasse ich mich auch einfach durch alles (sinnloses Surfen im Internet, SKYPE, soziale Netzwerke, Foren) ablenken. Keine Ahnung.

Es waere schade um die ungeschriebenen Buecher - aber im Moment bin ich kein Schriftsteller, und das schon ziemlich lange nicht mehr. Falls das laenger dauert, stelle ich mein angefangenes Zeugs irgendwo online - gibt ja genug Stellen dafuer im Internet. Besser vier Kapitel “Feindesland” als gar keine, und das Familiendrama stelle ich dann auch hin, alte und neue Fassung. Waere schade, wenn das Zeugs einfach nur sinnlos vergammelt.

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5 Comments on “Emotional durch”

  1. Oliver Brünnler Says:

    OK, der Eintrag ist im Orkus verschwunden, also nochmal:
    Kopf Hoch Alex, das wird wieder! Ich kenne das auch. Manchmal kommt man in eine Phase, da bleiben die Stimmen im Kopf stumm, die Protagonisten sind wie Zombies im Kopf. Man ruft sie verzweifelt, aber keine Antwort kommt. Man zwingt sich zu schreiben, weil man unbedingt will und alles was man unter Mühen aus sich herausquetscht ist Mist, oder lebloses Zeugs, das nicht berührt. Man fragt sich ob man überhaupt noch schreiben kann, fragt ob man überhaupt noch schreiben soll.
    Woran das liegt? So genau weiß ich es auch nicht, zumindest nicht immer. In Phasen, in denen man viel um die Ohren hat, wo Job, andere Hobbys, Freunde usw. Zeit fressen, Zeit, die nötig ist, aber jegliche Kreativität für das Schreiben auffrisst. Man kommt dann in einem gewissen Flow, der einen mitreisst und in dem das Schreiben irgendwie keinen Platz zu haben scheint.
    Andere Phasen saugen die Kreativität irgendwie für andere Dinge auf, als ob es nur einen begrenzten Pool davon gäbe und der ausgeschöpft würde, so dass fürs Schreiben nichts mehr übrig bleibt.
    Und manchmal, wenn man davon Panik bekommt, es dann doch irgendwie erzwingen will ist alles irgendwie leer und tot.
    Manchmal hilft es mir, wenn ich etwas anderes als die Protagonisten am leben erhalte, nämlich die Dinge drumherum. Die Atmosphäre, die einzelnen Situationen etc. Dann geht es auch mal trotzdem, aber auch nicht immer.
    Irgendwann dachte ich mal es ginge nie mehr, aber es war nicht so. Der Funke kommt irgendwann zurück. Oft dann wenn ich bewusst aus dem täglichen, alles vereinnahmenden Flow ausbreche und Ruhe suche. Einfach ohne ans Schreiben zu denken Inseln schaffe um allem ein Schnippchen zu schlagen. Dann braucht es irgendwann nur einen Film, ein Lied, ein Buch und die Lust kommt zurück. Dann bricht ein Damm und es geht wieder eine Zeit lang. Hin und wieder trifft es mich dann aber auch unvermittelt in zeoten, in denen ich nicht schreiben kann, zeitlich gesehen. Dann ärgere ich mich und versuche den Funken zu retten, was oft nicht geht. Und oftmals betrifft der Funken dann nicht die laufenden Projekte, sondern was ganz neues, wie damals z.B. “Das Meer”.
    Auch wenn man “es” nicht immer “rufen” kann, z.B. durch darschellerische Versuche, ich habe gelernt dann es wieder kommt. Werf Deine Perlen daher bitte nicht vorschnell hin. Das wird wieder!
    Manchmal glaube ich, das Schreiben ist wie eine Beziehung und man ist halt nicht immer verliebt. Ich denek aber noch lange nicht daran mich scheiden zu lassen und ich denke Du solltest das auch nicht, oder? ;-)

  2. Thomas Michalski Says:

    Hi :-)
    Ist eigentlich nicht meine Art, Blogeinträge weit zu kommentieren und persönliche Postings zumeist aus prinzipiellem Willen zur Distanz ohnehin nicht, aber da ich mich nicht zuletzt in einigen deiner Worte ziemlich wiederfand: Ich wäre nicht zu voreilig mit der Herausgabe der angefangenen Texte.
    Ich hatte vor einer Weile eine vergleichbare Durstphase und “in mir leben keine Charaktere mehr” ist die vielleicht erste Metapher, der ich bereit wäre zuzustimmen. Aber gib der Sache einfach mal was Zeit.
    Hatte bisweilen auch so meine Zweifel, aber diese Phase ging auch vorbei und ein Aufwärtstrend kam daher … schau einfach mal. Aber es wäre umgekehrt schade, Fragmente zu veröffentlichen, nur um nachher zu bedauern, wahlweise fragmentarisch bereits bekannte Arbeit unter ganz komischer Erwartungshaltung doch noch veröffentlichen zu wollen oder aber die Projekte dann doch ad acta zu legen, weil der erste Schub doch raus ist.

    Sah mich gerade irgendwie motiviert, das loszuwerden … hoffe das geht jetzt nicht zu nahe oder so, aber wie gesagt … kam bekannt vor, wollte teilen.

    Viele Grüße,
    Thomas

  3. Sebastian Keller Says:

    Hallo!

    Ich glaube ich hatte auch das Beitrag-verschwindet-im-Orkus-Problem. Im Kontrollfeld unten sind auch immer die selben Ziffern und Buchstaben aufgetaucht.

    Mein Vorschlag: Jag die Charaktäre zum Teufel, zumindest für eine Weile. Ich glaube es ist schlimmer gar nicht zu schreiben, als vermeintlich “sinnlos” zu schreiben. Mach was neues, mach was altes, mach was total dämliches, das men keinem Menschen zeigen kann. Schreib in Wasser, schreib mit Feuer, schreib auf Luft, aber schreib.

    Wenn Deine Charaktere sehen, dass Du auch ohne sie weiter machst werden sie es früher oder später mit der Angst zu tun bekommen und winselnd zu Dir zurückgekrochen kommen. Garantiert.

  4. Susanne Says:

    Oh Mann, Mann - was soll ich sagen? Ich quäl mich seit fast zwei Monaten oder noch länger durch genau diese Phase … bloß mit dem fiesen Unterschied, dass ich einen stramm näherrückenden Abgabetermin habe. Könnt ihr euch das Gefühl vorstellen, mit irgendwie toten Protagonisten sich Tag für Tag, Zeile für Zeile weiterquälen zu müssen? (Manchmal zuckt dann die Truppe ein bisschen, ich schöpfe wieder Hoffnung - und am nächsten Tag liegen sie wieder leichenblass rum und ich kenn keine von den Leichen …)
    Urlaub wäre gut - aber statt dessen hab ich Handwerker. *Jammer*
    Es ist aber durchaus eine Erleichterung zu sehen, dass nicht nur ich unter diesen Phasen leide … ich dachte schon, bei mir wäre was kaputt. ;-)

  5. AlexW Says:

    @All: Danke fuer den Zuspruch - und die geteilten Erfahrungen … hat sich immer noch nicht viel geaendert, aber zumindest kann ich wieder ans Schreiben denke, ohne, dass es mir total abstrus vorkommt…

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