Ein leichtes Zucken
Ich vergleiche das “Abchecken” meiner Buchideen immer mit “anstubsen”. Ich stubse regelmaessig die halb-fertigen Buecher an, und schaue, ob sich irgendwas regt - will ich das schreiben, kann ich das schreiben, sehe ich Bilder, kommen Gefuehle & Eindruecke in mir hoch?
Heute hat seit Wochen wieder mal was gezuckt. Ausgerechnet eine Story, die sehr sehr alt ist. Ausgerechnet Fantasy. Ich mache “Elbenzorn” von Susanne Gerdom dafuer verantwortlich. Andere Buecher des Genres zu lesen inspiriert mich. Ich sehe, wie die Kollegen Probleme angegangen sind, und wie man eine Story baut. Es muss kein Dramas sein, dieser Schreibprozess - ich blockiere mich auch selbst mit zu hohen Erwartungen. Dabei weiss ich genau, dass ich nie ein Nobelpreisler werde. Das ist okay. Ich kriege in meinem Job schon genug mit, wie die Welt ‘da oben’ funktioniert. Als Redakteur einer Finanzzeitung hat man doch etwas andere Einblicke. Den Literatur-Olymp brauche ich nicht zu erklimmen.
Von daher kann ich auch von mir selbst stehlen und mich wieder kopieren - die Geschichte, die heute morgen gezuckt hat, ist naemlich gut fuenfzehn Jahre alt. Ich muss dabei an ein Fakt denken, dass ich kuerzlich gelesen habe: schon der weibliche Embryo traegt alle Eier in sich, die er je haben wird. Millionen davon. Und im Laufe des Lebens werden die immer mehr abgebaut, ein ganz natuerlicher Prozess, bis nur die paar hundert uebrig sind, die Frauen waerend ihrer fruchtbaren Zeit “brauchen”.
Im Moment kommt es mir vor, als waere ich vollkommen unfaehig zu was “neuem”, und kehre deshalb zu dem zurueck, mit dem ich als Teenie herumgespielt habe. Die Praemisse der Story steht, der grobe Plotbogen auch, ich weiss sogar, worum’s “eigentlich geht”. Gleichzeitig habe ich nicht genug Motivation, nicht genug Zeit, nicht genug Kraft, und wen interessiert die Story? Schwule Herzoege passen gerade wirklich gut in das Die Elfen, Die Zwerge, Die Trolle, Die Drachen, die Wiedergaenger, Die Dosenoeffner, Die Rauchwolken, Die Pferde Der Helden, Die Tavernen Voelkerkonzept der grossen Publikumsverlage.
Vielleicht fange ich ganz klein an und schreibe’s erstmal (irgendwie…) und versuch’s zu verkaufen, und wenn’s nicht klappt, mache ich’s ueber LuLu. Dann wuerde ich auch nicht zensiert, denn ich denke schon, dass es da einige sehr heftige, dunkle Szenen geben wird.
Aber im Moment bin ich nichtmal in der Planungsphase. Ich muss das Ding erstmal komplett durchentwickeln, plotten, und die Welt bauen. Das wird ewig dauern. Und bis dahin hat’s vielleicht aufgehoert zu zucken oder was anderes zuckt staerker. Im Moment kann ich nichts dazu sagen, das kreative “Low” bleibt mir erstmal erhalten.
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March 8th, 2008 at 10:38 am
Das mit dem inspirieren kommt mir bekannt vor.
Manchmal ist es bei mir auch ein Hörbuch, wo ich dann nicht mal drauf achte, was passiert oder so, sondern einfach nur auf den klang der Stimme höre.
March 22nd, 2008 at 1:07 am
Inspiration schlaegt zu - das kann auch morgens die Fahrt nach London sein - sehen, wie die Sonne ueber der Themse aufgeht. Ich glaube immer mehr, dass Inspiration eine Einstellung ist.