Keine Schreib-Maschine

Ich weiss im Moment nicht einmal, wie es mir frueher gelungen ist, soviel zu schreiben. Oder gar, mich hinzusetzen und loszuschreiben. Nichts liegt mir im Moment ferner. Buecher machen ist nicht drin, der Gedanke allein zieht mich noch weiter runter. Pointless. Es fuehlt sich sinnlos an. Wofuer? Warum? Fuer wen? Fuer einen Verlag, der den Grossteil meines Honorars immer noch nicht ueberwiesen hat?

Ich sehe im Moment den Grund nicht. Der Markt ist extrem unguenstig, warum wieder die Ochsentour mit Agenten- und Verlagssuche. Was muss ich mir beweisen?

Ich hatte eigentlich mein ganzes Lebenlang nur ein Ziel: Autor werden. Nach fuenf Buecher ist das zwar alles ganz nett, aber nicht schreiben geht auch. Ich hab mehr Zeit fuer anderes. Ich muss niemandem mehr meine aktuellen Kapitel aufdraengen, keine Enttaeuschung mehr, wenn versprochenes Feedback nicht kommt. Kein Naegelkauen, keine Selbstzweifel, keine Nachtschichten. Kein staendiges Abklappern von Amazon- und anderen Rezensionen, kein Herzrasen, wenn irgendwem ohne Gesicht irgendwo im Internet meine Story gefaellt. Kein leiser Stich, wenn man doch verissen wurde.

Kein Gefuehl, was “besonderes” zu sein, oder “was zu sagen zu haben”. Alles Kinderkram. Nicht der staendige Kampf darum, das Rad immer wieder neu zu erfinden. Kein hoefliches Desinteresse, kein leises Seufzen von Freunden/Bekannten, wenn ich mit meinen Charakteren ankomme. Kein unausgesprochenes “Dann hast du keine Zeit mehr fuer X”, keine Vorwuerfe, keine Eifersucht. Kein Gefuehl mehr, ich wuerde mich wichtig machen wollen. Nicht mehr der Versuch, irgendwen fuer den Kram zu interessieren.

Wenn’s mich im Moment schon selbst nicht interessiert, wer *soll* sich auch dafuer interessieren. Ueber schwule Soldaten/Krieger/Spetsnaz/Herzoege/…./… schreiben auch andere, dafuer braucht’s mich nicht. Und ich brauche nicht mehr die Frage zu beantworten: “Warum schreibst du denn *sowas*…?”

Ein bisschen ein Jammer, dass ich mir vor einigen Monaten erst einen nagelneuen Laserdrucker gekauft habe. Aber der ist manchmal ja doch nuetzlich, wenn ich was lektoriere.

Im Moment werde ich das Blog jedenfalls zum Rezensieren und fuer Alltagskram verwenden. Ich bin seit Mitte 2007 kein Autor mehr. Autoren schreiben. Wer nicht schreibt, ist kein Autor. Und ich hoere einfach auf, dagegen zu kaempfen. Dann schreibe ich eben nicht mehr. Ob fuer ein paar Wochen, Monate oder Jahre, wen interessiert’s? Wenn’s wieder sein soll, kommt’s wieder, wenn nicht, auch gut. Komme ich vielleicht haeufiger dazu, Sport zu treiben. Ist auch gesuender.

Vor allem kann ich aufhoeren, Leuten damit auf den Geist zu gehen. Das ist auch mal was.

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5 Comments on “Keine Schreib-Maschine”

  1. Korvin Says:

    Hei, ich denke, das ist einfach mal eine Phase die du dir “gönnen” kannst.
    Versuch diese Zeit zu geniessen und vielleicht kommen dann mal ein wenig Inspiration und Lust zurück.
    *schulterknuff*

  2. Indigo Says:

    Du gehst mir nicht auf den Geist Alex, muss ich jetzt einfach mal so sagen.
    *knuddelz*

  3. Sebastian Keller Says:

    Das sind keine Worte der Verzweiflung. Das sind Worte an der Grenze zur Transzendenz. Ohne mystisch klingen zu wollen: Es lohnt sich noch einen kleinen Schritt weiter zu gehen…

    Und selbst wenn nicht: Wieder was dazu gelernt und einen Fisch aus dem Haifischbecken herausgenommen.

  4. jan Says:

    hey alex

    hm. der kommentar von vor einer woche scheints nicht überlebt zu haben… naja, kommt davon wenn man ne piratenverbindung nutzt.

    Hab gerade Fatimas Tränen gelesen. Gutes Buch, hat mir gefallen… v.a. wenn der Muezzin nebenan ruft oder ich auf der Fähre nach Kadiköy fahre. Sehr fein, auch wenn ich Flechette immer noch nicht so mag.

    Und zum Schreiben: Pause gönnen ist das eine - so wie ich ne verpsrochene Email nicht schreiben (und da bist du weiß Gott nicht der einzige) was anderes…

    aber ich hab ne entschuldigung: Der Frühling ist da - und ich hab ne Dachterrasse…

    also: Halt die Ohren steif und spuck nicht gegen den Wind!

    frohe Ostern, iyi Newroz, Shalon Purim,
    j.

  5. AlexW Says:

    @Korvin: Ich probier’s … ich glaube, es wird langsam besser. Viel lesen hilft.

    @Indigo: *knuddelt zurueck* Du warst auch nicht gemeint…

    @Sebastian: Die Haifische sind nicht die Autorenkollegen, das sind die Verlage und deren Marketingleute, die uns kollektiv in den Arsch ficken, wie der Englaender sagt.

    @Jan; Doch, ist angekommen. Ich muss die Kommentare nur manuell freischalten.

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