Edge of Darkness
Ich traue mich gar nicht, am ersten April irgendwas zu schreiben. Von daher nur ein kleines Update:
Ich hab jetzt “Edge of Darkness” fertig - feine, kleine Serie. Dafuer, dass sie 23 Jahre alt ist, hat sie sich wacker gehalten, und macht immer noch Spass.
Im Moment hoere ich die neue Platte von Abney Park: Lost Horizons; auf der Platte gibt’s auch deren Interpretation von “I am stretched on your grave” - ganz anders als die Fassung von Dead Can Dance. Erstere kann man hoeren, ohne in Schwermut zu versinken. Die Fassung von Dead Can Dance kann ich mir nur zu bestimmten Zeiten geben. Also im Sommer, und wenn’s mir ansonsten gut geht.
Ich lese derzeit im Bus The Undercover Economist - das Buch befasst sich mit der Wirtschaftswissenschaft im Alltag. Da ich Freakonomics sehr mochte, habe ich nach diesem - augenscheinlich aehnlichen Buch - gegriffen. In meinem Arbeitsalltag habe ich’s ja mit Wirtschaft zu tun, und zwar reichlich. Anders als Freakonomics ist “The Undercover Economist” aber Arbeit und nicht halb so unterhaltsam. Gleichzeitig lernt man mehr ueber Wirtschaftswissenschaften - warum wir alle fuer Bio zuviel bezahlen, warum Starbucks soviel fuer den (minderwertigen) Kaffee verlangen kann, und aehnliche Phaenomene. Kernbegriff des ersten Teils des Buches ist “scarcity power” - also “Mangelmacht”. Wer eine Ware hat, an der Mangel besteht, hat die Macht.
Aus dem Buch ergibt sich ganz logisch, warum Autoren immer den Kuerzeren ziehen: Es gibt massig Manuskripte, aber nur wenige Programmplaetze, die die Verlage absolut beherrschen - die Verlage haben die Macht. Autoren haben - theoretisch - auch Macht, denn gute Buecher sind Mangelware. Wenn die Verlage wirklich scharf auf Qualitaet waeren, haetten deren Verfasser Macht. Aber schaut man in die Regale des Hugendubels in Frankfurt, sieht man, dass das nicht der Fall ist.
Wollen Verlage ein Buch haben, streiten sich viele um eins - es entsteht Mangel. Entsprechend geht der Preis hoch.
Mit anderen Worten: Ich werde nie wieder fuer nur einen Verlag ein Buch schreiben, denn dann habe ich Null Macht; wenn’s der Verlag nicht nimmt, kann ich’s wegen Lizenzen nicht anderweitig verkaufen - die ganze Arbeit fuer die Hose. Und wenn das Buch dann fertig ist, geht’s an alle Verlage raus. Sollen sie sich ueberbieten.
Ja, ist alles nicht neu. Neu ist, sich das ganz brutal klar zu machen. Es geht im Literaturbetrieb nur um Macht - und Geld. Man muss die Regeln verstehen, um mitzuspielen. Schon spannend. Und Selbstverlag durch LuLu wird zum rebellischen Akt: Man gewinnt Selbstbestimmung zurueck. Aber im Grunde stand das ohnehin schon fest. Und im Grunde steht auch schon fest, dass ich “alternative” Veroeffentlichungswege gehen werde - und zwar fuer Projekte, die Verlage ablehnen, die keinen Markt haben, oder vielleicht sogar fuer Projekte, die Verlage mich zwingen wollen, zu aendern (Stichwort: “Tolles Buch, aber schreiben Sie mehr Sex! Und streichen Sie die Politik!”), oder fuer Projekte, die ich den Verlagen schlicht nicht goenne. Ich muss meine schoenen Soehne nicht alle auf den Strich schicken.
Und als Nebenbemerkung: “Mein Verlag” hat immer noch kein weiteres Geld ueberwiesen. Bei dem, was ich mittlerweile fuer die beiden Buecher bekommen habe, waere es weniger Aerger, die Dinger kostenlos ins Netz zu stellen.
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