Wochenende

Bin auf dem Job wieder mal in der Deadline. Montag muss das Cover stehen, dann Editor’s letter - und ich zweifle jedes Mal von neuem daran, dass ich a) ueberhaupt eine Meinung habe und b) mir ueberhaupt eine Meinung erlauben kann.

Sei’s drum. Vielleicht faellt mir Sonntag nacht noch was ein.

Ich habe The Undercover Economist durch. Viel interessantes Zeugs drin. Dann ist Ratten!, jetzt bei Prometheus-Games, von Lulu angekommen. Das habe ich Donnerstag und Freitag gelesen. Und ich hoffe, dass Prometheus, bevor Ratten! jetzt bei ihnen verlegt wird, die ganzen Fehler finden, mit denen der Text gespickt ist. Ist naemlich ein echt schoenes kleinen “Indie” Rollenspiel, aber 5+ Fehler/Stilbrueller pro Seite sind einfach zuviel, vor allem, weil’s ne edle Farb-Ausgabe wird. Ich drueck die Daumen!

Dann habe ich vorhin das Sanity-Check-Lektorat von Ruinous Folly gemacht, einem weiteren Fading Suns Shard. Verblueffend, wieviel man selbst nach 3 oder 4 Durchgaengen noch findet. Fuer heute habe ich mir vorgenommen, meine 10k Woerter fuer Prisoners & Exiles zu schreiben. Das sollte auch klappen. Deadline fuer die erste Runde First Draft-Texte ist der 20. April - da komme ich gerade aus Wien wieder, wo ich zur Konferenz “muss”. Sollte lustig werden.

Ich mache mir auch Gedanken zu meiner weiteren beruflichen Entwicklung, aber das ist ein mittelfristiger Plan (wenigstens 12-18 Monate), weil ich meinen Job im Moment noch geniesse. Ich verdiene nur viel zu wenig Geld.

“Mein” Verlag hat am Donnerstag zugesagt, mir 50% des ausstehenden Honorars zu ueberweisen. Bin mal gespannt. Der Zustaendige hoerte sich an, als haette er’s schlicht vergessen, keine boese Absicht. Und man wartet sich die Beine in den Bauch. Fuer die zweiten 50% kann’s sich’s nur um Monate handeln, aber ich habe gesagt, dass ich mit 50% erstmal zufrieden bin. Trotzdem nervt es, dem Honorar hinterherzulaufen, und das mache ich auch nicht nochmal. Manche Leute arbeiten nur noch fuer den Verlag, wenn sie “up front” bezahlt werden. Davon schneide ich mir ein Stueck ab, das mache ich dann auch.

Schreibtechnisch haenge ich in massig Lektoraten drin (das mache ich immer nebenbei), ansonsten die Soldatenoper. Letztere wird bis 31. Dezember fertig, definitiv. Es hat sich einfach herausgestellt, dass sich die Soldatenoper nicht wirklich mit anderen Projekten vertraegt. Das Ding ist so gross und umfassend, darunter verschwinden alle anderen Projekte, und ich habe nicht genug “Headspace” fuer andere Buecher, abgesehen von Rollenspielkram und gelegentlichen Textchen. Aber ein Roman verlangt soviel Hirnschmalz, ich kann schlicht nicht zwei davon gleichzeitig schreiben. Nackenbeisser ausgenommen, der braucht null Headspace, das geht aus dem Rueckenmark, Grosshirn wird nicht gebraucht.

Ab spaetestens 1. Januar schreibe ich mein Familiendrama oder meinen “ernsten” historischen Roman. Und dann muss ich wieder in den Rhythmus finden, jedes Jahr ein Buch zu schreiben, bevor mich der neue Job - was auch immer ich dann tun werde - auffrisst. Genre, Projekt, alles total offen.

Familiendrama und das Kreuzzugsteil sind die wahrscheinlichsten Kandidaten, im Moment, aber wer weiss, was fuer ein Beinchen mir der Muserich stellt. Und ein kleiner, verbotener Gedanke fluestert mir zu, ob ich Voiata recyclen kann als Helden eines altmodischen kleinen Thrillers. Ihm den Adler zu nehmen wird schwierig - er loest viele Probleme mit Magie - aber er kommt sicher auch ohne Adler klar. Recherche waere heftig - aber andererseits ein Thema, das noch keiner richtig beackert hat. Mal schauen. In Afghanistan gibt’s bestimmt noch ein paar Stories *pack und schuettel*.

Hatte gestern ein SKYPE-Gespraech mit jemandem, der ganz vorsichtig fragte: “Ja, erm, du nennst dich ja AlexANDER Wichert …” und dann war ich ganz nett und sachlich und hab ihn darueber aufgeklaert warum. Die Reaktion: “Ja, mir macht das nichts … ich sehe dich jetzt nicht anders …”

Meine Antwort ist dann: “Haette ich von dir auch nicht gedacht.” Die etwas verspaetete innere Reaktion ist vielleicht kontroverser, konfrontativer: “Wenn du ein Problem damit hast, dann brauchen wir nichts miteinander zu tun zu haben.”

Es ist schlicht so, dass ich bin wie ich bin, und damit ist gut. Ich werde weder das Maul halten noch mich aendern. Nimm, oder lass, ganz einfach. Aber daran, dass ich’s nicht so gesagt hab, merkt man vielleicht, dass ich “Diplomatie” mittlerweile auf 0 gesteigert habe. :) Fuer mich ist es halt tagtaeglich Realitaet, der “Standard” sozusagen, und fuer mich ist eine andere Existenz schlicht fremdartig.

In any case, ich war heute schon produktiv und werde noch produktiver sein, ich muss nur P&E weiterschreiben.

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