Lunch & mehr

Das dekadente Londoner Leben hat mich Donnerstag komplett vereinnahmt. Ich arbeitete so an einem Artikel, versuche, eine Bank, die gerade zu 25% gekauft worden war, anzurufen, um ein paar Sachen zu klaeren, und bekomme eine osteuropaeische Dame dran, die sich als “die Ehefrau” vorstellt. Blinzel. Aeh, was?

Antwort: Der Anruf an die Firmen-Nummer war auf’s Handy umgeleitet, und Herr G war nicht da. Ausserdem sei er im Urlaub. Okay, sorry, kann schonmal probieren. Immerhin, sagte die Dame mit leicht pikierter Stimme, ist Feiertag.

Oh shit. 1. Mai, denke ich, und kruemme mich innerlich. In England ist naemlich der Feiertag am Montag. In dem Moment war mir auch klar, dass ich sonst niemanden erreichen koennen wuerde. Aber alles, was ich tun konnte, war Leute anrufen und Fakten klaeren. Zwickmuehle. Gluecklicherweise waren am Ende die Infos online zu kriegen (Geschaeftsberichte sind zwar droege zu lesen, aber fuer Beschaeftigenzahlen und “assets under management” die beste Quelle, wenn man sich durchgebissen hat), den Artikel konnte ich also dann doch noch fertig machen. Und ich war ohnehin zum Lunchen mit einer PR/IR (IR - Investor Relations)-Dame verabredet. Sowas faengt ganz unverbindlich an, einer laesst im Gespraech fallen, dass er auch mal wieder nach London kommt, und dann macth man ein Treffen zum Lunch oder Kaffee aus, um “ein Gesicht zum Namen/der Stimme” zu haben.

Und das fuehrt dann dazu, dass man zusammen luncht, sich sympathisch ist, und ich dann am Ende den Rest des Tages freigenommen habe (weil: Arbeit ungmoeglich), um ihr die besten Buchlaeden in der City zu zeigen. Dazu viel Kaffee, viel Gelaechter, viel tiefsinnige Diskussionen. Ein rundum erquicklicher Tag, und ich habe wieder viel gelernt ueber die Arbeit auf “der anderen Seite”, sowie die Firmen, fuer die sie arbeitet oder gearbeitet hat - streng genommen hatte es also schon Arbeitsnutzen. Und ich musste wieder an den Satz meines Vorgaengers denken: “Das werden unsere Freunde.”

Absolut moeglich, ganz natuerlich, und irgendwie auch richtig schoen.

Freitag hatte ich ohnehin frei - dann Wochenende, Montag frei wegen Feiertag, und Sonntag ist mein Geburtstag. Schoen, so ein langes Wochenende, eingeleitet mit einem netten Lunch und Diskussionen ueber Finanzinvestoren und die “Szene” in Deutschland. Manchmal denke ich, das passiert mir alles gar nicht - aber es ist so klasse. Ich liebe es. Allein die Menschen sind toll, das Thema ist interessant, und es ist Mai und ich bin ohnehin gut drauf (trotz letztem Eintrag).

Und jetzt ab in die Stadt. Schatzi will mir noch Geschenke kaufen.

Explore posts in the same categories: Job, Leben

Comment: