Treibhaus und Mode
Alex waechst gerade ein neues Pseudonym. Man steckt einen Samen - oder, weniger metaphorisch - eine Idee in ein Stueck fruchtbare Erde (ein menschliches Hirn), giesst, und wartet.
Mir waechst ein neues Pseudonym. Mit etwas Hilfe. Ich mache aus dem Russen-Fetisch einen neuen Namen, schmiede ihn mit wie Tony Stark Mark I geschmiedet hat (und - was ein Film!). Alex bleibt, uebersetzt, Sascha, Alexei - in die Richtung.
Vermutlich Sascha. Erinnert mich an einen Sascha, in den ich in der Grundschule verschossen war - und mich neu verschoss, als er eines Tages, nach seiner Zeit als Zeitoffizier beim Bund vor meiner Tuer stand. Ich mag grosse blonde Maenner, vor allem, wenn sie so ein Grinsen haben. Ist aber nichts draus geworden. Kumpelschiene, viele Kinogaenge, philosophieren bis spaet in die Nacht. Damals haette ich ihn gewollt. Heute ist das eine nette Erinnerung.
Dann muss “Wichert” uebersetzt werden, dabei hilft mir gerade eine russische Dame, die ich ueber die Soldatenoper kennengelernt habe. Wichert ist “Kaempfer”, “Krieger”. Dabei bleibe ich, das passt. Alternativ Namen, die auf Tugenden basieren - “Standfestigkeit” (nicht in *dem* Sinne, mehr wie Englisch “steadfast”), “Staerke”, sowas. Ansonsten gibt’s den Weg ueber die Krafttiere. Alex Adler, Alex Waschbaer. Wobei mir im Moment ganz stark nach Adler zumute ist - oder Waschbaer mit gefletschten Zaehnen. Die kleinen Biester haben verdammt lange, verdammt weisse Zaehne … letztens auf einem Photo gesehen. Moechte man nicht in der Wade haengen haben.
Was auch immer das wird, das wird mein Porno-Name, wenn ich jetzt in die Schwulenporno-Ecke gehe. Erstens ist das die einzige Moeglichkeit fuer mich, dieses Jahr einen weiteren bezahlten Eintrag fuer die Bibliographie zu bekommen, zum zweiten hat mich das immer gereizt, und ich schreibe seit gut zwei Jahren an einem Hardcore-Projekt, das allerdings voellig unverkaeuflich ist. Ich hab schwulen Sex immer nebenbei geschrieben, habe meine Sex- oder Erotikszenen in meinen Buechern immer gezaehmt, um’s jugendtauglich zu halten, aber jetzt gehe ich den anderen Weg.
Das Pseudonym ist dann fuer diese Projekte - und natuerlich mache ich’s oeffentlich. Ihr werdet den Namen jedenfalls erfahren. Es geht nur darum, den Namen “Alex Wichert”, der mittlerweile mit Fantasy, Shadowrun und Fading Suns verbunden ist, nicht auch noch mit expliziten schwulen Sexstories in eine Kiste zu werfen - das ist einfach ein anderer Bereich, das passt nicht zusammen. Wer wirklich alles von mir lesen will, kann’s aber rausfinden, ein bisschen Google, Blog finden, Recherche. Das sollte passen. Ausserdem wird’s von hier aus gelinkt.
Kommen wir zu dem, worueber ich eigentlich schreiben wollte. Ich war die Tage in der Innenstadt, um mir einen Guertel zu kaufen. Klamottenshoppen mit mir ist einfach. Ich gehe rein, steuere die entsprechenden Regale an, nehme, was passt und gefaellt, und gehe zur Kasse. Mein Guertel bei Primark kostete 50 pence - zu dem Preis vermutlich Kinderarbeit, Primark ist wie C&A, nur noch viel billiger und trashiger, aber ich wollte nur einen Guertel. Einen ganz primitiven Guertel, nichts besonderes, etwas, das meine Hose hochhaelt, die mir dank viel Training mittlerweile am Hintern haengt, bis ich soviel Gewicht - oder Umfang - verloren habe, bis es sich lohnt, neue Garderobe zu kaufen.
Dabei fiel mir was Merkwuerdiges auf. Es gibt hier eine Klamottenkette fuer Fette. Uebergroessen. Von mir auch “The Fat Shop” genannt. Uebergrosse ist hier in UK ab Kleidergroesse 16 - mehr aus 16 bieten die meisten normalen Laeden nicht mehr an … das entspricht, wenn ich’s recht im Kopf habe, einer deutschen 46. Und wie ich so den Fat Shop ansehe, faellt mir auf, dass dieser nur Frauenkleidung hat. Und es keine Maennerabteilung gibt.
Nun waere es viel zu optimistisch, zu denken, dass in UK nur die Frauen fett werden - bei dem Konsum von Chips und billigem weissen “Brot”, bei dessen Anblick man schon Diabetes mellitus bekommt, und das die Ukians in sich hineinstopfen, als gaebe es kein Morgen. Chips - bzw, “Crisps” sind ein voellig akzeptabler “Snack” und fuer viele UKians runden die Crisps das Mittags-/Lunch-Mahl erst so richtig ab. Es ist voellig ueblich, einen Kollegen zu sehen, der sich dick Lunch reinfuttert, dann auf die Crisps verzichtet - unter Stoehnen und Seufzen, man sei ja “auf Diaet”.
In dieser sehr naehrstoffreichen Gesellschaft gibt es sowohl fette Maenner als auch Frauen. Und obwohl viele davon eine unglueckliche Neigung haben, in Sportbekleidungsketten XXXL-Trainingsanzuege zu kaufen und dann auch zu tragen, fragt man sich, unschuldig, wo sind denn die Fat Shops fuer die Maenner?
Antwort: XL+-Groessen sind ganz normaler Teil des Angebots - deshalb gibt’s keine Fat Shops for Men. Nur eine Frau, die Groesse 46+ traegt, geht in einen Fat Shop. Mit anderen Worten, ein fetter Mann wird aus dem normalen Angebot bedient, eine fette Frau muss zum “Spezialisten” (der “Evans” Fat Shop verkauft seine Klamotten mit saftigem Aufschlag im Vergleich zu Primark oder jeder anderen, eher guenstigen Klamotten-Kette). Botschaft fuer mich: Die Fette Frau ist eine Aberation, eine Ausfall-Erscheinung, und wird mit hohen Preisen sanktioniert, Der Fette Mann ist normal, zumindest jedoch voellig akzeptabel, und Maennerklamotten kosten ohnehin weniger, weil das maennliche Hirn beim Shoppen noch genug funktioniert , um einfache Kosten-Nutzen-Rechnungen aufzustellen (zumindest habe ich den Eindruck, die EnglaenderInnen kaufen wie ein Rausch …).
Interessanter kleiner Einblick in den ganz alltaeglichen Sexismus, den das ganze Land einfach so mitmacht. Ein anderes Beispiel sind exorbitante Preise fuer alle Tittenhalter, die nicht im ‘akzeptablen’ Mass-Bereich von A bis C daherkommen. Fuer zwei Quadrat-Zentimeter Stoff mehr wird dann gleich krasser Aufschlag faellig, und die Damen, die die uebergrossen Fettbeutel am Koerper haben, muessen das latzen, damit ueberhaupt wer ihnen die Gnade gewaehrt, dass diese fetten Euter irgendwie untergebracht werden. Lustigerweise kann eine A-, B- oder C-Frau auch durchaus ohne BH auf die Strasse gehen, waehrend das mit D, DD, oder E/F weniger lustig ist - und auch scheisse aussieht.
Wenn man die Preise sieht, muss man vermutlich fuer den Grossmut, dass die D+-Groessen ueberhaupt hergestellt werden, noch dankbar sein.
Ich hab’s immer gewusst: Mode ist von schwulen Maennern gemacht, die Frauen und den weiblichen Koerper hassen.
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