Kreative Selbstverteidigung
Gestern habe ich eine (weitere) Bekannte aus meinem Leben entfernt. Wobei - sich in Foren zu begegnen und auf SKYPE zu chatten ja noch nicht das reale Leben ist. In einer Forendiskussion warf sie mir vor, alle meine Charaktere seien gleich und Mary Sues - also reine Abziehbilder meiner eigenen Wuensche:
Mary Sue, sometimes shortened simply to Sue, is a pejorative term used to describe a fictional characteridealized and clichéd who plays a major role in the plot and is particularly characterized by overly mannerisms, lacking noteworthy flaws, and primarily functioning as wish-fulfillment fantasies for their authors. Perhaps the single underlying feature of all characters described as “Mary Sues” is that they are too ostentatious for the audience’s taste, or that the author seems to favor the character too highly. The author may seem to push how exceptional and wonderful the “Mary Sue” character is on his or her audience, sometimes leading the audience to dislike or even resent the character fairly quickly; such a character could be described as an “author’s pet”.
(Mehr zum Begriff auf Wikipedia)
Die eigentliche Diskussion ging gar nicht um meine Charaktere, sondern generell um schwule/bisexuelle Charaktere im “Mainstream” - die Frage ist naemlich, ob ich, um ueber “sexuelle Minderheiten” schreiben zu koennen, den Mainstream hinter mir lassen soll und nur noch im Nischenprogramm ueber Homos/Bisexuelle schreibe, oder ob ich (weiterhin) versuchen soll, “mein” Thema im Rahmen von Buechern abzuarbeiten, die *nicht* auf die enge Zielgruppe ausgerichtet sind.
Ihr Angriff kam entsprechend aus dem Hinterhalt - die Sorte unprovozierter Angriff, an dem man merkt, dass es nicht ums Thema geht, sondern nur darum, anzugreifen. Als ich nachfragte, ob sie es a) wirklich so meinte, und b) wir dasselbe unter “Mary Sue” verstehen, hat sie mir beides bestaetigt. Sie habe einen schlechten Tag, deshalb saehe sie das so.
Da ich nicht ihr Lebensgefaehrte bin, bin ich nicht bereit, zum Aggressionsabbau zu dienen; ich habe ihr auch (meines Wissens nach) nichts getan, sondern im Gegenteil vor einigen Monaten noch ihre Bewerbungsunterlagen ueberarbeitet, ihr Mut gemacht und Zuspruch gegeben und mit ihr gebrainstormt, wie sie an das Interview drangehen kann/soll.
Ich bin durchaus bereit, konstruktive Kritik anzunehmen, nur war rein gar nichts konstruktiv an ihrer Aussage - es ging nur darum, mich anzugreifen. Und ich lasse mir ungefaehr alles sagen, auch, dass ich fett und launisch und haesslich bin, aber nicht, dass ich einen Autorenfehler wie Mary Sues begehe. Da reisst der Strick, da werden die Klauen ausgefahren, und in diesem Fall fuehrte das dazu, dass ich nicht zum Gegenangriff uebergegangen bin (wie ich’s frueher getan haette - hau mir ein Messer in den Ruecken und warte auf die Pilzwolke, war frueher mein Motto), sondern ich habe ihr ein schoenes Restleben gewuenscht, nach einem herzlichen “Fuck you”, und danach ist die Dame auf meiner “Ignore”-Liste gelandet. Filter bedienen kann ich.
Fuer mich ist das Entfernen negativer Menschen, die mich in meiner Eigenschaft als Autor unprovoziert und sinnlos angreifen, kreative Selbstverteidigung. Bei dem Nicaragua-Buch kann ich naemlich weiss Adler kein Arschloch gebrauchen, die mir sagt, dass meine Charaktere alle handwerklich schlecht gemacht sind.
Das hindert mich am Eintauchen, und daran, am Schreiben Spass zu haben. Wenn mein soziales Umfeld dabei Federn lassen muss, dann ist das fuer mich voellig legitim.
Jetzt hoffe ich, dass ich genug Selbstbeherrschung haben werde, wenn ich ihr zwangslaeufig Ende Oktober begegne.
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