Fein, fein, wir haben’s begriffen, China

So toll ich teilweise Olympia finde - der Waterwuerfel, das Vogelnest, die sexy Sportler, Usain “Lightning” Bolt - mittlerweile geht mir eines richtig auf die Nuesse, und das ist Chinas Unsportlichkeit.

Gut, man kann von einem Land, in dem Sun Tsu gelebt wird, nicht “fair play” erwarten. Das ist ein britisches Konzept, einigermassen erfolgreich in den gesamten Western exportiert. Und solange es um quantifizierbare Leistungen geht (Hoehe/Weite in Zentimetern, Platzierung im Feld, Schnelligkeit in Sekunden) ist auch alles in Ordnung. Da geht’s um Objektivitaet (wenn wir mal ignorieren, dass Doping immer im Spiel ist/sein koennte). Schlimm wird’s, wenn das “menschliche Element” hinzutritt.

Dan naemlich schieben sich die Chinesen die Punkte zu, dass es kracht. Besonders auffaellig war das im Tae Kwon Do und den anderen Kampfsportarten. Schatzi war/ist selbst Braungurt im Tae Kwon Do und hat Tuerniererfahrung, und ich gehe davon aus, dass er weiss, wovon er redet, wenn er sagt, etwas war ein Treffer oder kein Treffer. Und so entscheiden die Kampfrichter permanent zu Gunsten der Chinesen; frei nach dem Motto, das ist unser Sport, unsere Olympiade, und unsere Goldmedaille, stellt euch auf den Kopf, egal, wie gut ihr seid, das sind UNSERE.

Sport *ist* politisch. Grossereignisse sind politisch. Aber man koennte den Chinesen noch ein paar Punkte geben dafuer, dass sie sich grosse Muehe geben - aber ein bitterer Beigeschmack bleibt. Eine Kolumne im Handelsblatt die Tage brachte es gut auf den Punkt:

“Wenn Sie zu den Spielen nach Peking kommen, werden Sie Hochhäuser, weite Straßen, moderne Stadien und begeisterte Menschen sehen”, schrieben vor Monaten der bekannte Bürgerrechtler Hu Jia und der Anwalt Teng Biao in einem offenen Brief. Die ausländischen Besucher könnten allerdings nicht sehen, dass alles “auf der Grundlage von Missständen, Tränen, Inhaftierungen, Folter und Blut gebaut” sei. Im April wurde Hu Jia wegen “Untergrabung der Staatsgewalt” zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Teng Biao hat im Mai seine Anwaltslizenz verloren. In China gebe es bei den Menschenrechten keine Fortschritte, sagt Mark Allison von Amnesty International in Hongkong. Die Lage habe sich eher verschlimmert: “Aktivisten wie Hu Jia sind eingesperrt worden, gerade weil sie einen Zusammenhang zwischen den Spielen und Menschenrechten hergestellt haben.”

Moskau wurde boykottiert wegen des Afghanistan-Krieges. Viele juedische Sportler sind nicht nach Berlin gekommen. So sehr ich mich fuer die Sportler freue, desto unsympathischer werden mir die Chinesen. Vielleicht haben die olympischen Spiele und die krassen Verletzungen von Pressefreiheit, Menschrenrechten, die Verurteilung zweier alter Frauen (77 und 79 Jahre alt) zum Arbeitslager und massenweise andere widerliche Verbrechen zu wenigstens einem gefuehrt: Der Welt ist klarer als je zuvor, dass sie es mit Sun Tsus Erben zu tun haben, wo alles Strategie ist, und das gepaart mit einem allmaechtigen, voellig gewissenlosen, widerlichen Machtapparat. Wie bei allen Unterdrueckerstaaten gilt die Verurteilung dem System, nicht den individuellen Chinesen.

Mein olympischer Anti-Held: China.

Mein olympischer Held: die kroatischen Segler, die den Daenen ihr Boot geliehen haben - und die Daenen haben, trotz Protest der Spielverderber Italien & Spanien, Gold gemacht. Das ist fair play, das ist der olympische Geist. Go, Kroatien! Go, Daenemark!

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2 Comments on “Fein, fein, wir haben’s begriffen, China”

  1. Soulsnatcher Says:

    Was war schlimm an Sun Tsu?
    Das bei Sportarten bei denen ein Richter entscheiden muss oft andere Interessen siegen ist leider wahr. Sieht man auch im Boxen, Reiten etc.
    Eklig aber leider wohl menschlich.

  2. AlexW Says:

    Sun Tsu widerspricht durchaus dem olympischen Geist, finde ich…

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