Fremder in einem fremden Land

Ich bin seit Montag aus Deutschland zurueck. Ich bin letzte Woche Donnerstag abends hingeflogen, wurde dann von einem lieben Freund am Flughafen abgeholt und nach Duesseldorf gefahren. Freitag war ich in einem Fitness-Studio hinter dem Duesseldorfer Bahnhof trainieren und amusierte mich ueber die ca 16jaehrigen Tuerken-Jungs, die meinen, dass man die Kurzhantel fuer den Bizeps mit Schwung aus der Huefte besser hochkriegt. Stimmt auch, aber der Bizeps muss dann auch deutlich weniger arbeiten als erhofft. Sehr lustig, wenn so halbe Portionen mit Hanteln vorm Spiegel protzen - und dann ganz konsterniert zusehen, wie ich (aelter als 16, kein Tuerke, falsches Geschlecht) meine Freihantel-Uebungen ebenfalls vor dem Spiegel mache.

Habe mit meinem Onkel dann lang ueber alles moegliche debattiert - Coming Out, was man so will im Leben, das Verbrechen, dass in meiner Familie begangen ist, mehr Geruechte zu anderen Verbrechen. Ich werde bald soweit sein, dass ich den ganzen Dreck kreativ aufarbeite.

Hab am Donnerstag kurz vor Abflug einen zahlenden Job angenommen, ein ganz wunderbares Manuskript aufzupolieren, und werde zu dem Zweck etwas mehr Hochliteratur lesen - in Richtung Michael Ondaatje, Margarete Thain. Die Messlatte fuer dieses Projekt haengt extrem hoch. Und je mehr ich lese, desto mehr nervt mich schlecht oder auch nur schwache Prosa. Vielleicht hebe ich jetzt echt langsam richtung Hochliteratur ab. Gleichzeitig habe ich aber einiges an Comics gekauft - vor allem einige Batman-Klassiker und “Red Son”, ueber Superman, der nicht in den USA runtergekommen ist, sondern in der UdSSR unter Stalin.

Mein Hirn braucht die Abwechslung. Freitag dann in Wuppertal Foren-Treffen, was sehr lustig war. Morgens frueh zum Earthdawn/Fading-Suns-Con, aber voellig verpeilt, denn nur 4 Stunden oder so geschlafen. Ich habe dann am Ende Texte fuer Fading Suns ueberarbeitet. Ueberarbeiten geht immer, wenn auch langsam.

Sonntag dann ausgeruht, Fortsetzung des langen Gespraechs mit meinem Onkel. Montag nach Koeln gefahren, im Brave New World (RPG-Shop) “Die Trolle” von Christoph Hardebusch gekauft.  Versucht, mit einem Kollegen Kontakt aufzunehmen, denn eigentlich wollten wir uns ja treffen. Im Starbucks rumgehangen, seltsame Unruhe, am Ende viel zu frueh zum Flughafen, da fast 3,5 Stunden rumgehangen, Die Trolle angefangen. Im Flieger nach Gatwick, mit dem Zug zur Victoria Station, nach Hause. Ausgepackt. Ins Bett gefallen. Dienstag gearbeitet. Nackter Stress auf der Arbeit, um in letzter Minute noch meine Preisverleihung auf die Beine zu stellen. Ich brauche einen neuen Job.

Dienstag sehr frueh ins Bett. Man merkt das Alter. Nach 10 Stunden Schlaf einigermassen wieder “bei mir”, Arbeit wird stressiger und nerviger, ich nehme den Unsinn seit Tagen mit in den Schlaf und hoffe, dass das alles keine Katastrophe wird. Mittwoch Sport. Cliff schickt mir die naechste Gmuender-Anthologie, die redigiert werden muss. Zwanzig Seiten. Donnerstag muede. Fast vierzig Seiten. Freitag muede, Rest redigiert. Um 23 Uhr ins Bett.

Heute personal training. Kettlebells, die immer noch verdammt heftig sind - Squat, Lunge, “Super-Sets” fuer Arme und Schultern. Und das auf einen halben Eiweiss-Shake als Fruehstueck. Klatschnass nach Hause, das Nicaragua-Kapitel aufgerufen. Redigiert. Um mich stapelt sich die Arbeit. 150 Seiten des Fremd-Manuskriptes irgendwie zwischen letztem Donnerstag und gestern redigiert. Spiele mit dem Gedanken, unter die Systema-Leute zu gehen. Endlich wieder Kampfsport.

Blog geupdated. Im Moment bin ich in meinem Leben im wesentlich Passagier. Aber es ist verlockend, einfach zu reagieren und einfach zu tun, und sich dann zu fragen, wo die Woche geblieben ist. Nach dem Kurzbesuch war mir wieder klar, wie wenig ich nach Deutschland passe, wie wenig ich nach England passe. Ich bin mittlerweile so entwurzelt, ich koennte ueberall leben. Stranger in a strange land.

Explore posts in the same categories: Deutschland, Erinnerung, Herumweinen, Job, Sport

Comment: