Mein Job ist cool

Posted April 27th, 2008 by AlexW
Categories: Job, Sport

Ich habe gut was um die Ohren gehabt; ich war Mitte des Monats beruflich in Wien. Schoene Stadt. Die Firma hat mich in einem brauchbaren Hotel untergebracht, kam Mittwoch nacht spaet an, war knapp vor Mitternacht im Hotel, morgens raus zur Konferenz, alle (fuer mich) wichtigen Leute getroffen, und nach der Konferenz in einem Keller-Restaurant/Bar versackt. Dabei viel Spass gehabt - meine “Kundschaft” besteht aus durchweg angenehmen Leuten - diese hier waren’s. Freitag dann die Stadt besichtigt, wenigstens die Altstadt, Cafe Demel und so (Fazit: zwei Kaffee, 1 Kaiserschmarrn, 17 EUR).

Bin jetzt mit denen, mit denen ich “zum Trinken” (Fazit fuer mich: ein Wein, ein Radler) rauswar, auf per “Du”. Hatte versucht, das “Sie” aufrechtzuerhalten, wurde dann aber hoeflich zurechtgewiesen. So schnell wurden das also Thomas und Juergen, und ein paar andere. Dann das seltsamste: in einer Email geht das “Sehr geehrter Herr J.” nicht mehr, dann wird’s “Guten Morgen, Thomas.”

Wie sagte mein Vorgaenger halb-ironisch: “Diese Leute werden irgendwann unsere Kumpels. Ist das nicht traurig?” Traurig, weil Reporter sich einbilden, mit dem Gegenstand des Interesses eine gemeinsame Basis zu haben, oder traurig, weil unsere Klienten so hart arbeiten, dass sie untereinander “bonden”, oder wir, weil wir ihnen so nah kommen, dass wir nachfuehlen koennen, wie die drauf sind - ohne je dazuzugehoeren. Ever.

Eine der PR-Damen, mit denen ich regelmaessig zu tun hatte, machte mir dann auch einige Riesen-Komplimente, im Sinne von: “Sie sind gar nicht, wie die anderen Journalisten. Sie versuchen nichts zu zwingen, Sie interessieren sich wirklich fuer einen, und Sie respektieren Grenzen. Es ist immer schoen, wenn Sie anrufen.”

Ja. Journalist. Das bin ich nicht wirklich, nicht so, wie man sich das vorstellt, aber fuer alle “von draussen” muss es so aussehen. Entsprechend war ich natuerlich auch auf dem VIP Summit in London. Und da sind alle diese “Masters of the Universe”, wie die Klienten gern genannt werden, und wollen “Networken” und kommen an, um zu reden (networken, halt). Und auf die uebliche Frage: “Und wer sind Sie?” ist meine Antwort mittlerweile: “Niemand besonderes, ich bin nur Presse.”

Denn diese Leute networken und erwarten, Investoren zu treffen, oder Leute, die ihnen direkt helfen koennen, Berater, oder Standesgenossen. Presse ist nicht das, was sie erwarten. Aber das “nur Presse” bietet auch einen Eisbrecher. Man kann dann naemlich ein kurzes Gespraech darueber fuehren, warum Presse wichtig ist. Oder das *andere* Presseleute das Geschaeft kriminell falsch darstellen. Stichwort: Heuschreckenplage.

Tja. Und so hatte ich im Abstand von 7 Tagen zwei Konferenzen, mit interessanten Vortraegen, interessanten Gespraechpartnern, gutem Essen (denn das ist in solchen Kreisen ueblich). Anzugtragend. Ich lerne’s langsam. Ich bin zwar immer noch nicht “smooth”, aber ich hatte schon den Eindruck, dass “meine Klienten” in Oesterreich mich mochten.

Und langsam habe ich sogar Ahnung von dem, was ich tue. Als ich in Wien den Eingangsvortrag hoerte, fragte mich Thomas (da noch “Herr J.”): “Und, wie fanden Sie den Vortrag?” Und ich grinste und sagte: “Das klingt jetzt vermutlich schrecklich, aber den haette ich auch halten koennen. Plus, ich haette Zahlen bis Q1 2008 gehabt, und nicht bis 2006, wie Professor X.” Daraufhin ein Lachen, und: “Das moechte ich wetten. Der wurde vermutlich nur eingeladen, weil das Lokalprominenz ist.”

Armer Professor X.

Zugleich: Insidertest bestanden fuer mich. ich weiss, wovon ich rede. Ich habe eine Meinung. Mir schlottern immer noch die Knie, wenn mich jemand nach meiner Markteinschaetzung fragt, aber auch das wird vorbeigehen. Auf der Konferenz Ende Mai sehe ich wieder ein Stueck besser aus. Und Ende Oktober, wenn meine eigene Konferenz ist, komme ich rueber wie ein Profi. Hoffe ich. Denn dann muss ich Panel leiten und moderieren. Woah.

Und das bringt mich zum zweiten Punkt, weshalb ich wenig update und noch weniger schreibe im Moment. Ich gehe brav ins Fitness-Studio und laufe, stemme Gewichte, laufe noch ein bisschen, stemme mehr Gewichte. Wenn ich im Oktober meine eigene Konferenz halte, moechte ich nicht mehr der fetteste Journalist sein, der rumlaeuft. Klar sind die aelteren Klienten oft gut im Futter, aber die jungen sind rank, schlank, und gepflegt. Daneben muss ich nicht wie so’n Brecher aussehen. Entsprechend schwitze ich mir jetzt das Fett runter: Gewichte, Pilates, Sauna. Mein Fitness-Studio hat alles, was man sich nur wuenschen kann. Erfolg bisher: Wenn ich den Bauch anspanne, sieht man den Ansatz zweier Linien. Das Six-Pack ist also das erklaerte Endziel. Wenigstens aber will ich gut aussehen im Anzug.

Nicht nur fuer die Konferenz, sondern auch fuer mein Ego. Aber mein Job ist sau-cool.

Es ist vermutlich die Mondphase

Posted April 5th, 2008 by AlexW
Categories: Schreiben

Es ist vermutlich die Mondphase - was fuer eine ist ueberhaupt? - aber ich bekomme langsam wieder Lust darauf, zu schreiben. Fuer mich ist der Gedanke, durch den Bildschirm nach innen zu fallen, nicht mehr total fremdartig.

Was inspiriert mich?

- Zu sehen, wie andere Kunst schaffen (gutes Buch, guter Film, gutes Rollenspiel)

- Musik, die mich emotional aufbringt

- Ego.

Ich bin eine Ego-Maschine. Komme ich mir toll vor, ist die Schreiberei ganz leicht - alles was ich tue ist per definitionem genial. Bin ich muede, erschoepft, emotional durch und zweifle an mir und meiner Zukunft, geht gar nichts.

Ergo: Idealerweise gezielt Erfolgserlebnisse herbeifuehren, mich mit Menschen umgeben, die meine Schreiberei bewundern, wenigstens aber akzeptieren, viel ausruhen, und kontinuierlich arbeiten. Und in irgendeiner Form fuers Schreiben bezahlt werden. Und mich mit Kunst fuettern.

Im Moment spuere ich es aufsteigen - das Wasser steigt, der Stausee fuellt sich. Meine Charaktere erscheinen wie Schemen ueber der Wueste. Das sind/waren dann 4 bis 12 Monate, je nachdem, ab wann man zaehlt. Aber noch habe ich nicht die Zeit, noch habe ich andere Verpflichtungen. Aber in der Zeit kann ich schonmal tagtraeumen und versuchen, die eine oder andere Szene zu greifen.

Und jetzt sollte ich meinem Agenten, der sich die Tage bei mir gemeldet hat, vielleicht eine Email schreiben. Fakt ist: Ich fuehle mich schuldig, seit fast 12 Monaten fast nichts getan zu haben, ausser an einem Buch ein bisschen zu schrauben, das er fuer unverkaeuflich haelt. Er wird denken, ich kann nicht loslassen. Und damit hat er recht.

Wochenende

Posted April 5th, 2008 by AlexW
Categories: Fading Suns, Lesbian/Gay/Bisexual/Trans, Schreiben, Weirdness

Bin auf dem Job wieder mal in der Deadline. Montag muss das Cover stehen, dann Editor’s letter - und ich zweifle jedes Mal von neuem daran, dass ich a) ueberhaupt eine Meinung habe und b) mir ueberhaupt eine Meinung erlauben kann.

Sei’s drum. Vielleicht faellt mir Sonntag nacht noch was ein.

Ich habe The Undercover Economist durch. Viel interessantes Zeugs drin. Dann ist Ratten!, jetzt bei Prometheus-Games, von Lulu angekommen. Das habe ich Donnerstag und Freitag gelesen. Und ich hoffe, dass Prometheus, bevor Ratten! jetzt bei ihnen verlegt wird, die ganzen Fehler finden, mit denen der Text gespickt ist. Ist naemlich ein echt schoenes kleinen “Indie” Rollenspiel, aber 5+ Fehler/Stilbrueller pro Seite sind einfach zuviel, vor allem, weil’s ne edle Farb-Ausgabe wird. Ich drueck die Daumen!

Dann habe ich vorhin das Sanity-Check-Lektorat von Ruinous Folly gemacht, einem weiteren Fading Suns Shard. Verblueffend, wieviel man selbst nach 3 oder 4 Durchgaengen noch findet. Fuer heute habe ich mir vorgenommen, meine 10k Woerter fuer Prisoners & Exiles zu schreiben. Das sollte auch klappen. Deadline fuer die erste Runde First Draft-Texte ist der 20. April - da komme ich gerade aus Wien wieder, wo ich zur Konferenz “muss”. Sollte lustig werden.

Ich mache mir auch Gedanken zu meiner weiteren beruflichen Entwicklung, aber das ist ein mittelfristiger Plan (wenigstens 12-18 Monate), weil ich meinen Job im Moment noch geniesse. Ich verdiene nur viel zu wenig Geld.

“Mein” Verlag hat am Donnerstag zugesagt, mir 50% des ausstehenden Honorars zu ueberweisen. Bin mal gespannt. Der Zustaendige hoerte sich an, als haette er’s schlicht vergessen, keine boese Absicht. Und man wartet sich die Beine in den Bauch. Fuer die zweiten 50% kann’s sich’s nur um Monate handeln, aber ich habe gesagt, dass ich mit 50% erstmal zufrieden bin. Trotzdem nervt es, dem Honorar hinterherzulaufen, und das mache ich auch nicht nochmal. Manche Leute arbeiten nur noch fuer den Verlag, wenn sie “up front” bezahlt werden. Davon schneide ich mir ein Stueck ab, das mache ich dann auch.

Schreibtechnisch haenge ich in massig Lektoraten drin (das mache ich immer nebenbei), ansonsten die Soldatenoper. Letztere wird bis 31. Dezember fertig, definitiv. Es hat sich einfach herausgestellt, dass sich die Soldatenoper nicht wirklich mit anderen Projekten vertraegt. Das Ding ist so gross und umfassend, darunter verschwinden alle anderen Projekte, und ich habe nicht genug “Headspace” fuer andere Buecher, abgesehen von Rollenspielkram und gelegentlichen Textchen. Aber ein Roman verlangt soviel Hirnschmalz, ich kann schlicht nicht zwei davon gleichzeitig schreiben. Nackenbeisser ausgenommen, der braucht null Headspace, das geht aus dem Rueckenmark, Grosshirn wird nicht gebraucht.

Ab spaetestens 1. Januar schreibe ich mein Familiendrama oder meinen “ernsten” historischen Roman. Und dann muss ich wieder in den Rhythmus finden, jedes Jahr ein Buch zu schreiben, bevor mich der neue Job - was auch immer ich dann tun werde - auffrisst. Genre, Projekt, alles total offen.

Familiendrama und das Kreuzzugsteil sind die wahrscheinlichsten Kandidaten, im Moment, aber wer weiss, was fuer ein Beinchen mir der Muserich stellt. Und ein kleiner, verbotener Gedanke fluestert mir zu, ob ich Voiata recyclen kann als Helden eines altmodischen kleinen Thrillers. Ihm den Adler zu nehmen wird schwierig - er loest viele Probleme mit Magie - aber er kommt sicher auch ohne Adler klar. Recherche waere heftig - aber andererseits ein Thema, das noch keiner richtig beackert hat. Mal schauen. In Afghanistan gibt’s bestimmt noch ein paar Stories *pack und schuettel*.

Hatte gestern ein SKYPE-Gespraech mit jemandem, der ganz vorsichtig fragte: “Ja, erm, du nennst dich ja AlexANDER Wichert …” und dann war ich ganz nett und sachlich und hab ihn darueber aufgeklaert warum. Die Reaktion: “Ja, mir macht das nichts … ich sehe dich jetzt nicht anders …”

Meine Antwort ist dann: “Haette ich von dir auch nicht gedacht.” Die etwas verspaetete innere Reaktion ist vielleicht kontroverser, konfrontativer: “Wenn du ein Problem damit hast, dann brauchen wir nichts miteinander zu tun zu haben.”

Es ist schlicht so, dass ich bin wie ich bin, und damit ist gut. Ich werde weder das Maul halten noch mich aendern. Nimm, oder lass, ganz einfach. Aber daran, dass ich’s nicht so gesagt hab, merkt man vielleicht, dass ich “Diplomatie” mittlerweile auf 0 gesteigert habe. :) Fuer mich ist es halt tagtaeglich Realitaet, der “Standard” sozusagen, und fuer mich ist eine andere Existenz schlicht fremdartig.

In any case, ich war heute schon produktiv und werde noch produktiver sein, ich muss nur P&E weiterschreiben.

Edge of Darkness

Posted April 1st, 2008 by AlexW
Categories: Rezension, Schreiben

Ich traue mich gar nicht, am ersten April irgendwas zu schreiben. Von daher nur ein kleines Update:

Ich hab jetzt “Edge of Darkness” fertig - feine, kleine Serie. Dafuer, dass sie 23 Jahre alt ist, hat sie sich wacker gehalten, und macht immer noch Spass.

Im Moment hoere ich die neue Platte von Abney Park: Lost Horizons; auf der Platte gibt’s auch deren Interpretation von “I am stretched on your grave” - ganz anders als die Fassung von Dead Can Dance. Erstere kann man hoeren, ohne in Schwermut zu versinken. Die Fassung von Dead Can Dance kann ich mir nur zu bestimmten Zeiten geben. Also im Sommer, und wenn’s mir ansonsten gut geht.

Ich lese derzeit im Bus The Undercover Economist - das Buch befasst sich mit der Wirtschaftswissenschaft im Alltag. Da ich Freakonomics sehr mochte, habe ich nach diesem - augenscheinlich aehnlichen Buch - gegriffen. In meinem Arbeitsalltag habe ich’s ja mit Wirtschaft zu tun, und zwar reichlich. Anders als Freakonomics ist “The Undercover Economist” aber Arbeit und nicht halb so unterhaltsam. Gleichzeitig lernt man mehr ueber Wirtschaftswissenschaften - warum wir alle fuer Bio zuviel bezahlen, warum Starbucks soviel fuer den (minderwertigen) Kaffee verlangen kann, und aehnliche Phaenomene. Kernbegriff des ersten Teils des Buches ist “scarcity power” - also “Mangelmacht”. Wer eine Ware hat, an der Mangel besteht, hat die Macht.

Aus dem Buch ergibt sich ganz logisch, warum Autoren immer den Kuerzeren ziehen: Es gibt massig Manuskripte, aber nur wenige Programmplaetze, die die Verlage absolut beherrschen - die Verlage haben die Macht. Autoren haben - theoretisch - auch Macht, denn gute Buecher sind Mangelware. Wenn die Verlage wirklich scharf auf Qualitaet waeren, haetten deren Verfasser Macht. Aber schaut man in die Regale des Hugendubels in Frankfurt, sieht man, dass das nicht der Fall ist.

Wollen Verlage ein Buch haben, streiten sich viele um eins - es entsteht Mangel. Entsprechend geht der Preis hoch.

Mit anderen Worten: Ich werde nie wieder fuer nur einen Verlag ein Buch schreiben, denn dann habe ich Null Macht; wenn’s der Verlag nicht nimmt, kann ich’s wegen Lizenzen nicht anderweitig verkaufen - die ganze Arbeit fuer die Hose. Und wenn das Buch dann fertig ist, geht’s an alle Verlage raus. Sollen sie sich ueberbieten.

Ja, ist alles nicht neu. Neu ist, sich das ganz brutal klar zu machen. Es geht im Literaturbetrieb nur um Macht - und Geld. Man muss die Regeln verstehen, um mitzuspielen. Schon spannend. Und Selbstverlag durch LuLu wird zum rebellischen Akt: Man gewinnt Selbstbestimmung zurueck. Aber im Grunde stand das ohnehin schon fest. Und im Grunde steht auch schon fest, dass ich “alternative” Veroeffentlichungswege gehen werde - und zwar fuer Projekte, die Verlage ablehnen, die keinen Markt haben, oder vielleicht sogar fuer Projekte, die Verlage mich zwingen wollen, zu aendern (Stichwort: “Tolles Buch, aber schreiben Sie mehr Sex! Und streichen Sie die Politik!”), oder fuer Projekte, die ich den Verlagen schlicht nicht goenne. Ich muss meine schoenen Soehne nicht alle auf den Strich schicken.

Und als Nebenbemerkung: “Mein Verlag” hat immer noch kein weiteres Geld ueberwiesen. Bei dem, was ich mittlerweile fuer die beiden Buecher bekommen habe, waere es weniger Aerger, die Dinger kostenlos ins Netz zu stellen.

Der boese Alex goennt den Ausgebeuteten ihr Opium nicht …

Posted March 31st, 2008 by AlexW
Categories: Nackenbeisser, Schreiben, Weirdness

Es ist immer die Frage, wie ich auf Kommentare in meinen Blog reagieren soll. Lesen tue ich alle. Wenn ich nicht antworte, ist es manchmal einfach Stress. Mir ist klar, dass dieses Blog “oeffentlich” ist. Daher sage ich hier nichts, was ich nicht auch oeffentlich sagen wuerde. That said, bin ich kontrovers selbst wenn ich positiver, milder Stimmung bin. Ich habe am Wochenende wahlweise mehrere Leute beleidigt und ihnen Befehle erteilt, einfach, weil sie mich genervt haben. Ich bin sicherlich nicht der netteste, mildeste Mensch, der herumlaeuft. Mein Zynismus-Quotient ist hoch.

Das ist okay. Ich bin 32 Jahre alt, und kann’s einstecken, wenn man mich als “Arschloch” oder “faule Sau” bezeichnet. Adler ist nicht mein Totem, weil ich so nett bin. Waschbaer reisst ein bisschen was raus, aber auch als Sternzeichen Stier, Einzelkind und, ganz einfach, elitaerer Bastard, der an sich selbst sehr hohe Erwartungen stellt, diese aber auch - quid pro quo - in der Umwelt sehen will - bin ich ganz sicher nichts fuers zarte Gemuet.

Sorry. May contain nuts.

Zu einem der letzten Eintraege gab es den folgenden Kommentar:

“Kann ich Scheisse in Buchform produzieren?”

Ich erinnere mich da an eine Geschichte. Es war ein ziemlich großer Saal, voll mit Leuten die sich für ziemlich schlau hielten. Das Thema war Literatur, und auch über Nackenbeisser wurde sich lustig gemacht. Und plötzlich stand dort vorne ein Mensch, der anfing etwas zu erzählen was ich nie vergessen werde (auch wenn ichs nicht so toll niederschreiben kann, wie er es erzählte):

“Stellt euch ein Mädchen vor. Sie ist 17 Jahre alt. Ihr Vater hat sie und ihre Mutter im Stich gelassen als sie geboren wurde. Als sie 10 war, bekam ihre Mutter noch ein Kind, von einem Kerl der sie kurze Zeit später auch sitzen ließ. Als sie 15 war, erkrankte ihre Mutter an Krebs. Sie musste die Schule schmeissen um irgendwie Geld aufzutreiben. Heute arbeitet sie jeden Tag 10-12 Stunden in einer Fleischerei. Sie steht morgens um 5 Uhr auf, und wenn sie am Abend so gegen 19 Uhr nach Hause kommt, muss sie sich um ihre Mutter und die kleine Schwester kümmern. Sie macht Essen, hilft ihrer Schwester bei den Hausaufgaben, und danach bringt sie sie ins Bett. Dann erledigt sie noch den Haushalt. So gegen 23 Uhr hat sie ihren Tag geschafft und macht es sich auf dem Sofa bequem, denn für ein eigenes Bett gibt es in der kleinen Wohnung keinen Platz mehr. Sie liegt dort, und in den 10 Minuten die sie noch für sich hat, bevor sie völlig fertig einschläft, schnappt sie sich ein Buch über eine edle Dame die umworben wird von zahlreichen Verehrern. Die Metaphern in dem Buch sind einfallslos, eine Story gibt es im Prinzip nicht und der Schreibstil lässt auch sehr zu wünschen übrig. Und doch schafft es das Buch, dass das Mädchen für 10 Minuten aus ihrem Trott gerissen wird, und sie schläft mit einem Lächeln ein.

Und jetzt sitzt ihr hier und nennt es “Schmutz”, “Dreck” und “Müll” weil es kein Goethe ist?”

Nach so einem Kommentar lehnt sich Klein Alex zurueck, denkt eine Weile nichts, geht dann runter, macht einen Kaffee und ruft dann die Klientin an, die ein Problem hat. Man fuehlt sich gut, wenn man mit wenig Aufwand fuer jemanden ein Problem loesen kann, gerade nach so einer Breitseite.

Der Vorwurf ist also, dass ich hart arbeitenden Menschen, die fuer 10 Minuten einem Leben des Elends entkommen wollen, ihr “Opium” im Marxschen Sinne nicht goenne. Nein, praeziser: Dass ich mich ueber den Dreck lustig mache, der in dieser Form produziert wird.

Dazu ein paar Punkte (ein Essay an dieser Stelle waere loeblich, aber dazu habe ich gerade keine Zeit):

1) Mir ist bewusst, dass Literatur Eskapismus ist. Rollenspiel ist es auch (nicht ausschliesslich, aber Eskapismus spielt eine Rolle). Ich freue mich nach einem harten Abeitstag auch darauf, zu lesen. Der Fantasy-Literatur wird’s besonders gern vorgeworfen. Und ich darf das sagen, ich hab drei Fantasy-Romane geschrieben.

Aber: Ich denke, dass Eskapismus nicht immer gleich Schund heissen muss. Ein gutes Buch entfuehrt mich auch. Das ist das Privileg des Buches, dass es sich den Platz zwischen meinen Ohren erobert. Guten Buechern wurde der Vorwurf des Schunds gemacht - Graham Greene ist nur ein Beispiel.

2) Nackenbeisser machen unterprivilegierte, unterausgebildete, vom Schicksal gebeutelte Aschenputtel in ihrem Kopf zu Prinzessinnen -und das ist ein Guter Zweck (TM).

Ich glaube schon, dass es solche sozialen Haertefaelle gibt. Bestimmt. Ich kenne genug Leute, die sehr weit unten waren. Die ueberwaeltigende Mehrheit jedoch wird sicher nicht so aussehen. Nicht zuletzt, weil diese sicher nicht das Einkommen haben, um massenweise schlecht produzierte Hardcover-Ausgaben der ganzen Geburtshelferinnen & Laufhuren-Brut zu kaufen. Wenn diese Maedels nach so einem harten Tag nur noch 10 Minuten lesen koennen, brauchen die fuer diese 500-Seiten Tuerkloetze wenigstens solange, dass sie auch nur 2-3 von den Dingern pro Jahr schaffen. Da der Plot eh gleich ist, kommen die gut mit 5 Buechern pro Leben aus: Eins fuer die Antike, drei fuer’s Mittelalter, und eins fuer die Moderne. Wenn mir schon keine Unterschiede auffallen zwischen den Dingern, die da im Regal stehen, und es ausser Namen und Haarfarben auch oft keine Unterschiede gibt …

Ueber das Problem ganz zu schweigen, dass man durch das “Opium” auch jeden Willen verliert, vielleicht was an seiner Situation zu aendern. Ich hab eine Tante, die ertraenkt sich in Alkohol - und hat so allen Willen, was zu aendern, amputiert.

Und wo wir gerade beim Thema sind: Insgesamt ist frappierend, wie leicht es ist, in der Aschenputtel-Story weiter oben “Wodka” statt “Nackenbeisser” zu setzen. Ein Piccoloechen hier, ein Bierkaestchen da, und die Welt ist in Ordnung. Unser Aschenputtel schlaeft seelig ein. Oder warum nicht gleich Heroin? Nur weil der Schuss teurer ist als die Batteriesaeure, die man sich mit diesem Schund aufs ungeschuetzte Hirn schuettet? Als Familienmitglied/Verwandter mehrerer “harter Alkoholiker” habe ich null, nada, noppes, zilch, gar kein Verstaendnis.

Und selbst - Julia/Tara/Romana oder wie die Softporno-Ecke bei Bastei/Luebbe heisst, diese ganzen Frauen- und Heimatromane … all das hat seinen Platz. Ja. Hat es. Das hat, wie auch der Hardporno (der eher maennlichen Klientel) seinen Platz. Es ist Gebrauchsliteratur - einmal gebraucht, dann weggeworfen, oder irgendwo unterm Bett versteckt (falls die Seiten nicht zusammenkleben). Ich *schreibe* harten Porno, ich darf das sagen.

Aber Literatur geht anders. Man kann mir sogar vorwerfen, in meinen Pornos “literarisch” zu sein. Ich bin ganz sicher weder im Stil noch Duktus “trivial” - ganz sicher nicht im Kettenhund/Fatimas Traenen. Idealerweise *merken* es die Leser aber nicht. Nicht trivial zu sein ist ein Stueck Eitelkeit von mir, und haengt damit zusammen, dass ich - egal, was ich schreibe - sehr sehr hohe Erwartungen an mich habe und sehr hart an Texten arbeite. Ich nehme meine Leser fuer voll. Ich serviere nur, was ich auch essen wuerde. You get what you see. Nicht mehr, nicht weniger.

Ich werfe den Leute nicht vor, dass sie den Dreck fressen. McDonald’s hat massenweise Kunden. Auch ich esse (sehr selten) einen Burger. Die Leute duerfen ihre Heftchenromane lesen, tauschen, ihre Waende damit tapezieren und das sogar fuer “Romane” halten. Sind sie ja auch irgendwo.

Was ich den Nackenbeissern vorwerfe:

1) Den Ueberfall auf und das Schaenden und gleichzeitige Erdrosseln des Historischen Romans.

2) Die Verkrueppelung von Manuskripten/der Vorstellungsgabe von “guten Autoren”

Zu Punkt 1: Der historische Roman war mal ein ehrbares Genre. Auch da wurde geliebt, geheiratet, gehasst (geht’s darum nicht in der Literatur?) - dann aber kam eine Schwemme von (meist von Amerikanerinnen geschriebenen) “historischen Liebesromanen” (AKA Nackenbeisser im historischen Kostuem), die das, was man als historischen Roman kennt, komplett verzerrt haben. Das Zeug waere frueher im “Liebesroman, historisch”-Regal untergekommen. Mittlerweile stehen diese pestkranken, siechen Buecher neben den “Gesunden” und geben sich ebenfalls als historische Romane aus. Was sie de facto nicht sind - oder nur mit sehr sehr viel gutem Willen als solche bezeichnet werden koennen. Bis zu dem Punkt, dass es nicht mehr moeglich ist, “Liebesromane” von “historischen Romanen” zu unterscheiden - falls letztere ueberhaupt noch gedruckt werden. Was im Moment schwer zu sagen ist, weil die Regale zugemuellt werden mit Maedels, die von einer versuchten Vergewaltigung zur naechsten stolpern.

2) “historische” Autoren werden angewiesen, die Genre-Konventionen des “historischen Romans” zu erfuellen. Diese Anweisung erteilen Lektoren, die mittlerweile die Genres auch nicht mehr auseinanderhalten koennen. Soll heissen: saftiger Sex, weibliche Hauptfigur, und “ja keine Politik”.

Das denke ich mir nicht aus - ich hab’s aus verschiedenen Quellen, dass befreundete Autoren angewiesen wurden, ihre Manuskripte zu aendern (”Super Buch, aber! Mehr saftiger Sex! Das wollen unsere LESERINNEN so!”) oder wirklich gute Manuskripte abgelehnt wurden, weil sie a) einen maennlichen Hauptcharakter hatten oder b) man es wagte, Themen der Zeit zu beleuchten - und wegging vom Eierstock-Zustand der HELDIN.

Daraus ergibt sie die sehr unglueckliche Situation, dass Leute, die gern veroeffentlichen wollen, alle auf den Zug aufspringen und ihre Manuskripte genau so schreiben: Weiblicher Hauptcharakter, keine Politik, immer die Eierstoecke im Auge gehalten, viele knackige Sex-Szenen, idealerweile mit mehreren versuchten Vergewaltigungen (eine weibliche Lieblings-Sexphantasie) und JA NICHT ZU KOMPLIZIERT. Der vorauseilende Gehorsam verhindert somit “gute Buecher”, weil Autoren, um ueberhaupt gedruckt zu werden - manche leben ja davon - Dreck produzieren muessen.

Das werfe ich dem Nackenbeisser-Genre zu - dass es den historischen Roman vergewaltigt hat, bis dieser blutueberstroemt und roechelnd in der Ecke lag. Bis dessen Autoren demoralisiert und/oder unveroeffentlicht auf “bessere Zeiten” warten muessen, bis aus der aktuellen Mode der letzte Cent rausgepresst wurde. Denn natuerlich verkauft die Buchindustrie diesen Dreck auch mit dem dringenden Wunsch, unserem hypothetischen Aschenputtel das leise Laecheln vor dem Einschlafen zu goennen - und nichts weiter.

Ganz ehrlich? Wenn diese Story oben mich betroffen machen sollte - ja, hat’s getan, etwa fuer 3 Minuten (solange brauche ich, um Kaffee zu machen). Viel betroffener macht mich, dass Aschenputtel nicht EINFACH LINDENSTRASSE guckt oder bei den “Ti Amo” und “Julia”-Heften geblieben ist.

Stoeckchen

Posted March 31st, 2008 by AlexW
Categories: Weirdness

Ich bekam ein Stoeckchen von www.rollenspiel-blog.de:

Zuviel des Guten: 5 Anzeichen, an denen du merkst, dass du dich schon ein wenig zu viel mit RPG/Fantasy/SciFi beschäftigst.”

1. Ich verbringe mehr Zeit im Forbiden Planet Shaftesbury Avenue, als in Coffee-Shops - und kann mich immer noch fuer Geek-T-Shirts und Actionfiguren begeistern

2. Ich habe eine Woche an einer Idee herumgefeilt, wie man Private Equity Investitionen am besten in einem SF-Szenario abhandeln kann - und habe zu dem Zweck bereits Recherche bezueglich Boersenrecht gemacht (oder ist das eher “5 Gruende, warum du zuviel arbeitest?”)

3. Ich habe mich gegenueber Kollegen schon als “sarariman” bezeichnet (und stiess damit auf wenig Verstaendnis - “Aeh, was?”)

4. Jede groessere Firmenuebernahme erzeugt bei mir den Wunsch, dazu ein SR-Szenario zu schreiben (mit den Aktionaeren als Schmidts und Johnsons, bzw NPCs).

5. Ich verstehe endlich, wie die Reeves bei Fading Suns funktionieren.

Als der BBC noch gute Unterhaltung machte

Posted March 22nd, 2008 by AlexW
Categories: England, Rezension

Im Moment bin ich fasziniert von “Edge of Darkness”, einer 6-teiligen BBC-Serie von Mitte der 80er.

Hier der Wikipedia-Artikel, den ich nicht lesen kann, weil ich erst zur Haelfte durch bin.

Hier auf Amazon.

Ich bin skeptisch, was Serien angeht. Die meisten schaffe ich nicht. Babylon 5 ging mir zu viel zu langsam, irgendwie hat’s mich schlicht nicht bei der Stange gehalten, vielleicht zu Masse-tauglich. Dexter war genial geplottet und gut gespielt, dann Rome, das fuer Historiker einfach Spass macht (wenn man die historischen Probleme mit einem Schmunzeln abtun kann).

Edge of Darkness hat was. UK in den 80igern ist ein fremder Planet, Maggie Thatcher, Nuklearmacht, die Yanks, scheussliche psychedelische Teppiche und Lampen, und die grausigen Frisuren, vom “Pudel” bis zum “quer ueber den Kopf kaemmen”. Da wurden noch “Typen” gecastet. Keiner der Schauspieler haette heute noch Chancen, gecastet zu werden - zu haesslich, zu viele Charakterkoepfe, unreine Haut, krumme Nasen, spaerliche Haare. Billig, scheusslich, aber absolutes edge of the seat stuff.

Da ist bisher nichts glatt, nichts einfach, die Trauer des Vaters um die ermordete Tochter kommt rueber und ist nicht einfach nur “Arschtritt fuer den Helden, damit der in die Gaenge kommt” - wie in so vielen anderen Plots. Ronnie Craven, der oberstraighte Cop, erzaehlt in der Rueckblende, wie er mit einem Verbrecher flirtete (!!!), um ihn zum Unterschreiben des Gestaendnisses zu bewegen. Familienvater Craven. O-kay.

Eine Thriller-Serie der Grauzonen, jeder hat schmutzige Geheimnisse, alles zusammengehalten von menschlichen Emotionen, Tuecken, jeder manoevriert, um sich und vielleicht den Verbuendeten den Arsch zu retten. Gute Plotwendungen, sauber ausgefuehrt. So moechte ich Thriller schreiben koennen.

Es wird nie langweilig, die Episoden vergehen wie im Flug. Leider habe ich jetzt nur noch drei vor mir. Aber man merkt wieder, dass Beschraenkung in Platz und Zeit (sechs Episoden, nicht 50+!) der Spannung und der Qualitaet extrem zutraeglich ist.

Meine Mailingliste

Posted March 22nd, 2008 by AlexW
Categories: Uncategorized

Ich probier’s nochmal, auch mit Leuten in Kontakt zu bleiben, die dieses Blog nicht lesen:

http://de.groups.yahoo.com/group/AlexWichert/

Wird vielleicht eher ein Newsletter als ein Forum, mal schauen, was sie ergibt. Alle herzlich willkommen.

Goethes Schreibblockade

Posted March 22nd, 2008 by AlexW
Categories: Herumweinen, Interessantes, Schreiben

Habe gerade in einem befreundeten Blog (was ein Ausdruck) ein Gedicht gefunden, wo Goethe ueber seine Schreibblockade zum “Faust” schreibt:

 

Johann Wolfgang von Goethe: Zueignung
(aus: “Faust”)

Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten!
Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
Versuch ich wohl euch diesmal festzuhalten?
Fühl ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?
Ihr drängt euch zu! nun gut, so mögt ihr walten.
Wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt:
Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert
Vom Zauberhauch, der euren Zug umwittert

Ihr bringt mit euch die Bilder froher Tage,
Und manche liebe Schatten steigen auf;
Gleich einer alten halbverklungnen Sage,
Kommt erste Lieb und Freundschaft mit herauf;
Der Schmerz wird neu, es wiederholt die Klage
Des Lebens labyrinthisch irren Lauf,
Und nennt die Guten, die, um schöne Stunden
Vom Glück betäuscht, vor mir hinweggeschwunden.

Sie hören nicht die folgenden Gesänge,
Die Seelen, denen ich die ersten sang;
Zerstoben ach! der erste Widerklang.
Mein Lied ertönt der unbekannten Menge,
Ihr Beifall selbst macht meinem Herzen bang,
Und was sich sonst an meinem Lied erfreuet,
Wenn es noch lebt, irrt in der Welt zerstreuet.

Und mich ergreift ein längst entwöhntes Sehnen
Nach jenem stillen ernsten Geisterreich
Es schwebet nun in unbestimmten Tönen
Mein lispelnd Lied, der Aeolsharfe gleich;
Ein Schauer faßt mich, Träne folgt den Tränen;
Das strenge Herz, es fühlt sich mild und weich.
Was ich besitze, seh ich wie im Weiten,
Und was verschwand, wird mir zu Wirklichkeiten.

Und der Eintrag geht weiter:

“Our teacher told us it’s difficult to understand, but I knew immediately what Goethe was getting at, and I told him. He was totally confused and said we’re the first LK to interpret it that way so easily - that those figures Goethe addresses are the characters of “Faust”, the characters of the story he tried to write. Characters that are not clear to him yet. Characters he cannot quite grasp. And with the characters, memories connected with the story come back to him, too. Exactly this feeling - the same feeling Goethe describes in this poem, the feeling he must have felt back then - is the feeling of a writer. (…)

Writing a story is, for me, a more or less passive process. If you are serious about it, you work out the way the characters behave and are beforehand, you work out a storyline, a plot, a world. But that’s not the process of writing, because - and that’s what probably sounds ridiculous to you - the characters do the story. It’s often like this, at least with me. No matter what I’ve planned beforehand, no matter how much effort I put into it, it always turns out to be different. Difficult. Relations between the characters, well-planned storylines? Forget about it. It’s no use when the characters start to evolve, when they start to develop and when they start to… get a story out of you. I’ve written for many years, and very often it is just like this - you are rather an instrument to write the story down. The true story, the one you get out of it afterwards, is more or less done by itself. In a way, the story writes itself, but I don’t. I only write it down.

(…) The characters of a story (and therefore the whole story) are inside you. But writing is not a mere technical process. If you want to write something, and if you want to write something good, it’s no use if you have all the technical knowledge, but not the feeling. Sometimes it’s easy to get through to the characters, to bridge the gap between you and the characters inside of you, but sometimes, it’s impossible. Sometimes you can grasp the characters, sometimes you can’t. Sometimes you can get a story out of them, sometimes you can’t. But if what’s inside of you and what you want to do don’t cooperate, you cannot do anything.

Crazy? It surely sounds like that. But it’s true. You cannot write without creativity, you cannot write without what’s deep inside of you.

I am very often surprised at what I write. (…) The story develops while I am writing it. The characters react to each other, they change, and with that, they change the whole story. By reacting. And I, as the one who writes it, am surprised at all those little changes the story takes. For me, it is hard to stick to a plot, really stick to a plot. Because it always changes. It’s always different. The characters are always different. I often compare it with reading a book, or with watching a movie. You never know what’s going to happen, and you want to know how it ends, but you don’t know it until you’re finished. It’s the same when you are writing.

(…) Now, I’ve been writing for many years now. Since I was a child; since I first learned how to write. My years have been accompanied by characters; they’ve been with me all the time, they developed, and they changed a lot. And this changed me a lot. I know that I wouldn’t be the one I am now if I hadn’t been writing. I know I’d be a totally different person. I love to write.

(…)

I miss writing so much. Not writing anything leaves something empty inside of me, something that should be there and something that’s missing now. I want to write, I really do. I want to be creative. I want to produce something, even if it’s just crap. But I’m not even able to produce “crap” at the moment. Creativity seems to be gone, totally, and I don’t know where it went. I don’t know how to get through to my characters, how to make them do another story. Any character.

I’m just… empty.”

Abgesehen davon, dass es ein Echo dessen ist, was bei mir im Moment abgeht, ist das alles spot on. Ich zitiere eigentliich immer nur deshalb komplett, weil ich dem Internet nicht traue - Verlinkungen gehen kaputt, Referenz-Seiten verschwinden oder gehen “down”.  Ich lese so gern, was anderen Autoren durch den Kopf geht - man bekommt das Gefuehl, dass man Teil einer eigenen Rasse Mensch ist, die aehnlich funktioniert wie man selbst. Das Gefuehl, “normal” zu sein, vielleicht. “Normalos”, die nicht wissen, wie es ist, wenn in einem die Charaktere toben, die nie beim Schreiben irre gekichert oder geheult haben, die diese schreckliche, verbrannte Weite nicht kennen, durch die man im Schreibblock stolpert - ist das mein Volk? Sind das meine biologischen Artgenossen? Das Gefuehl von Anderssein ist so stark, dass ich nur vage dazugehoere, wenn ich das Schreiben wegdruecke - und das ist schwer, denn selbst meine Ausdrucksweise wird immer wieder als “direkt, farbig, kraftvoll” bezeichnet - was meine Kunden manchmal pikiert, die grauen Anzugtraeger, die sich so vorsichtig ausdruecken (Nicht “Ja”, sondern “Das koennte man unter Umstaenden so sehen”), aber es faellt immer wieder auf. Ich denke in Bildern. Ich spreche in Bildern. Ich habe gelernt, zum Punkt zu kommen - was anderen zu direkt vorkommt. Letztens wieder so eine Situation: wir planen “meine” Konferenz”, und die Veranstalterin fragt mich nach “Themen”. Ich spreche ueber Fundraising in Germany, und sage “Germany is bursting with money”. Veranstalterin schaut mich an und sagt: “Oh, that’s a great expression - I like that.”

Und wieder habe ich mich als Autor verraten. Andere haetten gesagt: “There’s a lot of money that needs to be invested in Germany” - but that’s fucking boring. A sentence like that would just not occur to me.  

Es muss was an der Chemie in meinem Gehirn sein - vielleicht ist das Autorensein, das Autor-Denken eine Art chemisches Ungleichgewicht im Hirn.

Oder wir sind die Schamanen, die Geisterseher, das Gedaechtnis unserer Kultur.

Der Nackenbeisser

Posted March 22nd, 2008 by AlexW
Categories: Nackenbeisser

Als “Nackenbeisser” bezeichnet Wikipedia:

“Romane der Trivialliteratur (…), die nach dem Schema Junge Frau erlebt die große Liebe geschrieben sind.

Die Bezeichnung rührt daher, dass auf dem vorderen äußeren Einband oder Umschlag dieser Art Literaturerzeugnisse oft farbenfrohe Abbildungen hübsch anzusehender junger Frauen zu finden sind, die von ebenso gut und verwegen aussehenden, meistens etwas älteren Männern von hinten in den Nacken geküsst werden.”

Es gibt viele Seiten im Internet, bei dem sich herzlich ueber die Cover lustig gemacht wird. Nichts gegen Kuesse oder Knabbern im Nacken. Als Stier ist das meine erogene Zone Nummer Zwei (nach dem Gehirn, da ist aber schwerer dranzukommen). Das ist aber nicht der Grund, weshalb ich diesen Eintrag verfasse (okay, der eigentliche Grund ist Langeweile, bzw VIER Tage Urlaub am Stueck, was soll ich da nur mit mir anfangen?) - der Grund ist, dass Klein Alex gerade an so einem Nackenbeisser arbeitet:

Also, schoene junge Frau, historische Kulisse, viel Erotik (ich hab jetzt so viele homoerotische Szenen geschrieben, dass ich so’n Heten-Ding bestimmt langsam hinkriege, ich weiss ja jetzt, wie man Sex schreibt, ist halt anatomisch zwischen Maennlein und Weiblein ein bisschen anders, aber ich seh’s als kreative Herausforderung). Natuerlich haben wir alle Kaestchen angekreuzt:

1) Schoene, unschuldige Frau

2) Mittelalter

3) 3-4 Schoene Maenner, die alle ganz verrueckt nach ihr sind

4) 3-4 Szenen, wo unsere Heldin fast vergewaltigt wird (oh schreck!)

5) Beruehmte Personen laufen durch’s Bild (der Celebrity/Britney Spears Faktor)

6) KEINE schwierigen Themen, wie Kulturkonflikt, Kirche, Glaubens- und Moralfragen. Es geht um Eierstoecke, schwanger werden, den Geliebten halten, der Vergewaltigung entgehen, und darum, wer traegt das schoenste Kleid (also ein bisschen wie “The Other Boleyn Girl”, im Deutschen “Die Schwester der Koenigin”)?

Warum tut sich Klein Alex das an? Im Grunde ultimativer Zynismus. Kann ich nach Vorgabe schreiben? Kann ich aus dem, was im Moment von Millionen Fliegen gekauft wird, eine Essenz destillieren und das Zeug schreiben? Kann ich Scheisse in Buchform produzieren? Kann ich dabei geradeaus tippen, oder muss ich zu sehr lachen dabei? Werden die Lektoren begreifen, was ich da tue?

Im Moment macht das Spass. Sehr viel Spass. Im Moment wird geplottet. Ich bin auch nicht blockiert - denn fuer das Buch braucht man keine Recherche (ich werde dezidiert nichts anderes als mein Gedaechtnis und die Wikipedia verwenden, und damit immer noch historischer sein als alles, was in der Sparte auf dem Markt ist), man braucht auch keine Inspiration, kein Plotten, keine gelungene Formulierung. Das ist einfach nur Saetze schreiben, einen nach dem anderen.

Ein Juxprojekt, das man in ein paar (wenigen) Monaten runterreissen kann.

Manchmal ist ein boeses Grinsen der beste Weg, den Marketinghuren die scharfen weissen Zaehne zu zeigen. Fuck you. Ihr wollt so ein Buch, ihr kriegt dieses Buch. Aber der Witz ist auf eure Kosten.

Raccoon’s back and bites your neck.